Stadt erarbeitet Konzept Kunst als Standortfaktor

Hans Ketelhut, Geretsrieder Kulturreferent, hat das Konzept dem Ausschuss vorgestellt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Wegen der Bedeutung der künstlerischen Vielfalt für die Stadt gibt sich Geretsried ein Kulturkonzept. Ein erster Entwurf wurde vorgestellt. Vorgesehen ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Verein KIL

Von Thekla Krausseneck, Geretsried

Die Stadt Geretsried gibt sich ein Kulturkonzept. Eine erstes Besprechung der Leitlinien hat am Mittwoch in der Sitzung des städtischen Ausschusses für Jugend, Senioren, Soziales, Kultur und Sport stattgefunden. Das Konzept soll helfen, bei der Vergabe von Zuschüssen sinnvolle Entscheidungen zu treffen - auch bei knapper Kasse. Bürgermeister Michael Müller räumte der Kultur in seiner Vorrede einen enormen Stellenwert ein.

Demnach sei Kultur "eine kommunale Verpflichtung, auch in finanziell schwierigen Zeiten. Künstlerische Vielfalt gelte als Standortfaktor und Kultur sei allgemein "ein wichtiger Teil der Stadtentwicklung". Die vom Ausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung erarbeitete Leitlinie wurde noch nicht beschlossen; sie dient der Verwaltung als Grundlage für ein fertiges Kulturkonzepts, das den Stadträten vorgelegt wird. Kulturreferent Hans Ketelhut stellte die erste Zusammenfassung vor.

Dass die Stadt am Kulturherbst festhalten wolle, stand völlig außer Frage. Jedoch regt der Vorentwurf an, die Dauer des Kulturherbsts von zehn auf acht Tage zu reduzieren; außerdem soll das Budget für die Veranstaltung auf 80 000 Euro gedeckelt und auch weiterhin immer ein externer Veranstalter oder eine Agentur mit der Organisation beauftragt werden - unter der Voraussetzung, dass Stadt und Bürger Mitspracherecht haben.

Im Wechsel mit dem alle zwei Jahre stattfindenden Kulturherbst regt der Entwurf an, künftig Kulturtage zu veranstalten, finanziert mit einem gedeckelten Betrag in Höhe von 30 000 Euro. Vorgeschlagener Kooperationspartner: der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) um Assunta Tammelleo, Betreiberin der Geltinger Kulturbühne "Hinterhalt". Der Verein veranstaltet jährlich die Kulturtage "Pipapo" (Pinsel, Pauke, Poesie): Das Konzept regt an, 2015 einen Probelauf zu wagen und "Pipapo" zu den Geretsrieder Kulturtagen zu erheben, wenn auch nicht zwangsläufig unter demselben Namen. Die Kulturtage sollen dann im gesamten Stadtgebiet stattfinden.

Vereine sollen auch in Zukunft ganz normal ihre Anträge stellen können, das Budget müsse dazu jedoch aufgestockt werden, sagte Ketelhut, "denn 15 000 Euro sind sehr eng". Auch Teil der Leitlinie: die Forderung nach einer Geretsried-App. "Das ist ein gängiges Ding für die jungen Leute", sagte Ketelhut. Kultur-Vereinen solle die Möglichkeit gegeben werden, auf der städtischen Internetseite zu werben, darüber hinaus wünsche man sich "bessere Plakatiermöglichkeiten". Volker Witte (Grüne) nutzte die Gelegenheit, dem Bürgermeister für sein Engagement nicht nur eingehend zu danken, sondern auch auf die Kulturschaffenden hinzuweisen, die zwar einen enormen Beitrag zur Kulturstadt Geretsried leisteten, von der Stadt jedoch kaum beachtet würden, allen voran Albrecht Widmann, Betreiber des Kunstbunkers. Der sei inzwischen weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt und für die Stadt von großer Bedeutung. Witte erinnerte an Alf Lechner, einen international anerkannten Künstler, der in den Achtzigerjahren in Geretsried lebte: Mit ihm sei der Stadt eine große Chance entgangen.

Dass es sich im Entwurf so las, als solle der Kulturverein Isar-Loisach für alle Zukunft der Kooperationspartner für die Kulturtage sein, gefiel der FW-Stadträtin Vera Kraus nicht. Es solle offen bleiben und alle zwei Jahre neu ausgeschrieben werden, mit wem die Kulturtage letztlich veranstaltet würden, "das wäre mir wichtig". Festgelegt wurde ohnehin noch nichts. Die Verwaltung wurde mit dem einstimmigen Beschluss zunächst nur damit beauftragt, ein Kulturkonzept auszuarbeiten und dem Ausschuss erneut vorzulegen.

Der Kulturverein Isar-Loisach war auch Thema im nächsten Tagesordnungspunkt. Für seine "Pipapo"-Tage hatte der Verein einen Zuschuss von 16 725 Euro beantragt. Da dem Ausschuss aber eben nur 15 000 Euro jährlich zur Verfügung stehen, schlug die Verwaltung vor, stattdessen 5000 Euro zu bewilligen. Nach einigem Hin und Her bewilligte der Ausschuss 7000 Euro.