SportförderungEin Jahr Sold fürs Segelfliegen

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Der Segelflieger Benedikt Waegele aus Geretsried hat sich als Sportsoldat bei der Bundeswehr verpflichtet, um sich ganz auf seinen Sport konzentrieren zu können.
Der Segelflieger Benedikt Waegele aus Geretsried hat sich als Sportsoldat bei der Bundeswehr verpflichtet, um sich ganz auf seinen Sport konzentrieren zu können. (Foto: Privat)

Benedikt Waegele vom Königsdorfer Segelflugzentrum zählt zu den erfolgreichsten deutschen Jungpiloten. Bei der Sportförderkompanie der Bundeswehr kann sich der Geretsrieder ganz auf seinen Sport konzentrieren.

Von Benjamin Engel, Königsdorf

Gleichzeitig das Gefühl der großen Freiheit zu beschreiben und sich für ein Jahr bei der Bundeswehr zu verpflichten – passt das zusammen? Für den 20 Jahre alten Benedikt Waegele aus Geretsried schon, denn beides bestimmt seinen Alltag. „Wann habe ich schon einmal die Gelegenheit, im Leben nur das zu machen, wofür ich brenne“, sagt der junge Mann am Telefon, als er gerade auf der Rückfahrt von Puimoisson Pause macht. Im Hänger am Auto hat er sein Segelflugzeug, das ihm ein Sponsor aus Weilheim an der Teck für das Trainingslager in Südfrankreich bereitgestellt hat. Nach Baden-Württemberg muss Waegele, um das Sportgerät wieder abzugeben.

Im Alter von 14 Jahren ist Waegele erstmals allein geflogen, mit 16 hat er den Segelflugschein gemacht. Mit dem Segelfliegen kam er auf dem Fluplatzfest in der Geretsrieder Nachbarkommune Königsdorf in Kontakt. Bei den Deutschen Meisterschaften gewann er im Junioren-Bereich Mannschafts-, Sprint- und Streckenwertung sowie die Sprintwertung in der Erwachsenenkonkurrenz. Im August 2024 bewarb sich Waegele für die Sportförderkompanie der Bundeswehr und wurde aufgenommen. Eine Jury hatte ihn ausgewählt.

Deutschlandweit sind es nur vier Segelflugpiloten, die sich ein Jahr als Sportsoldaten verpflichten. Sie alle müssen zunächst einen Monat lang die militärische Grundausbildung absolvieren und sind anschließend für ihren Sport freigestellt. Genau deshalb entschied sich Waegele dafür. Die Chance, Sold zu bekommen und sich ganz auf das Segelfliegen konzentrieren zu können, werde er nie wieder im Leben bekommen, sagt er. Denn durch Sportwettbewerbe allein lasse sich kein Lebensunterhalt verdienen.

Segelfliegen zählt zu den nicht-olympischen Sportarten, welche die Bundeswehr genauso fördert wie bekanntere olympische, etwa in der Leichtathletik. Die Sportler müssten sich nur ihr Fluggerät selbst beschaffen, sagt Waegele. Den Sportsoldaten werde dies von privaten Sponsoren oder dem Deutschen Aero Club bereitgestellt.

Waegele ist einer von vier Segelfliegern an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf

Stationiert sind Waegele und die drei weiteren ausgewählten Segelflieger an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf in Nordrhein-Westfalen. Für das Quartett haben Segelflug-Bundestrainer Wolli Beyer und der Trainer der Sportsoldaten, Felix Kries, intensive Trainings- und Wettbewerbspläne ausgearbeitet.

Das Jahr als Sportsoldat ist intensiv. Waegele spricht von jeweils einem halben Dutzend Wettbewerben und Trainingslagern. Im Dezember und Januar geht es sogar für vier bis sechs Wochen nach Südafrika, weil dann dort ideale Flugbedingungen herrschen. In Europa ist er schon weit herumgekommen. Im südfranzösischen Puimoisson sei er in diesem Jahr bereits das zweite Mal gewesen, berichtet Waegele.

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Dort findet auch der Auftakt der Trainingslager als Sportsoldat im Segelfliegen statt. Denn in Südfrankreich gibt es zwei Monate länger im Jahr die thermischen Voraussetzungen, um in den nicht motorisierten Flugzeugen in die Luft gehen zu können. Um die 80 Stunden flog Waegele dort zwischen der Côte d’Azur und dem Mont Blanc.

Zum Trainerstab des Deutschen Aero Clubs zählte auch Mathias Schunk vom Königsdorfer Segelflugzentrum. Der Pilot wohnt ebenfalls in Geretsried. Schunk war der erste Sportsoldat aus Königsdorf, den die Bundeswehr Mitte der 1980er-Jahre aufnahm. Ihm folgten Jens Ammerlahn, Benjamin Bachmaier, Michael Wisbacher und aktuell Benedikt Waegele.

„Schach gegen die Schwerkraft“

Wenn Waegele von seinem Sport erzählt, spricht er vom „Schach gegen die Schwerkraft“ – und erinnert sich besonders an seinen 1622 Kilometer langen Flug über die Alpen am 16. April 2025. Solche Großdistanzen gelingen den Königsdorfer Segelfliegern nur, wenn starke Föhnlagen warme Winde von der Alpensüdseite mit hoher Geschwindigkeit gegen Norden treiben. Um die 14 Stunden war Waegele bei dieser Gelegenheit in der Luft, nach Westen Richtung Zürich, einmal quer bis Wien, nach Innsbruck und wieder zur österreichischen Bundeshauptstadt zurück, erneut bis Innsbruck und zum Zielort Königsdorf. Ein besonderes Erlebnis für den 20-Jährigen. „Bei solchen Föhnlagen gehen sich bis zu fünf Wendepunkte aus, die man klug überlegen muss“, sagt er.

Zu Wettbewerben ging es anschließend nach Nitra und Prievidza in der Slowakei sowie in die Eifel und nach Speyer. Ebenso zu einer Qualifikationsmeisterschaft nach Ostfriesland. Dazwischen Trainingslager in Freudenstadt und Aalen. Bis dato kamen so 330 Flugstunden und 28 000 Flugkilometer zusammen. Zwischenzeitlich war Waegele zwar immer wieder in Königsdorf. Für Privates blieb aber kaum Zeit. „Ich habe meine Freunde seit fünf Monaten nicht mehr gesehen“, sagt der Pilot. Doch das nimmt er für seine Leidenschaft in Kauf. Dem Kosmos oberhalb des Bodens will Waegele jedenfalls treu bleiben. Nach der Zeit als Sportsoldat möchte er Luft- und Raumfahrttechnik in München studieren.

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