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Spendenprojekt Indien:Königsdorfer Hilfe für Slumbewohner

Das Indien-Hilfsprojekt "Premadhara - Strom der Liebe" von Eva Linz unterstützt seit 20 Jahren Menschen in den Elendsvierteln des Subkontinents. Neben Nahrung, Schutz, Bildung und Ausbildung geht es der Projektleiterin auch um ein Wertebewusstsein.

Von Wolfgang Schäl

Premadhara _ Strom der Liebe - Königsdorfer Indienhilfe von Eva Linz, 2018

In Indien tragen Frauen oft die Hauptlast für ihre Familien. Minderjährige würden teils auf Jahre hinaus zur Kinderarbeit in Plantagen "verpachtet", berichtet Eva Linz. Durch Spendengelder konnten bereits 700 Frauen ausgebildet und etwa 100 Kinder aus Zwangsarbeit befreit werden. In mehreren Projekten von "Premadhara" werden weiterhin Chancen auf ein besseres Leben gewährt.

(Foto: Premadhara/OH)

"Ihre Spende lebt weiter und hilft die Zukunft zu gestalten" - mit dieser Zusicherung wendet sich Eva Linz vom Königsdorfer Indien-Hilfsprojekt "Premadhara - Strom der Liebe" an all die Gönner, die seit nunmehr 20 Jahren missbrauchte und misshandelte Kinder, Jugendliche, insbesondere Mädchen, aber auch Mütter und Witwen in indischen Slumvierteln unterstützen. Es seien vor allem die Frauen, die die Hauptlast für ihre Familien zu tragen hätten, schildert Linz in ihrem jüngsten Bericht die sozialen Verhältnisse in den Elendsquartieren des Subkontinents. Minderjährige werden demnach auf Jahre hinaus zur Kinderarbeit in Plantagen "verpachtet" und haben keinerlei Chance, jemals eine Schule zu besuchen. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, leiste "Premadhara" Hilfe, indem den Betroffenen eine Existenzgründung ermöglicht werde. So habe man mittlerweile 700 Mütter und Witwen in zwei gewerblichen Zweigen - Arbeiten mit Palmblättern und Muscheln - ausgebildet und etwa 100 Kinder aus der Zwangsarbeit befreit. Dies komme jeweils den ganzen Familien zugute. Konkret habe man solche Projekte in neun Dörfern angeboten und drei "Non-Formal-Education"-Zentren eingerichtet, komplett mit Lehrkräften und Betreuerinnen. Hier können dem Bericht zufolge befreite Kinder bis zu ihrer Wiedereingliederung in das staatliche Schulsystem unterrichtet werden.

Eine Ausbildung erhalten auch die missbrauchten und ausgebeuteten Mädchen, die eine sechsmonatige Intensivschulung in einem Nähzentrum absolvieren können und nach ihrer Abschlussprüfung von den Behörden einen Gewerbeausweis, eine Lebensversicherung und medizinische Vergünstigungen bekommen.

Das Zentrum arbeitet mit 16 elektrischen Näh- und Strickmaschinen, die im Rahmen einer Kooperative hergestellten Kleider können die jungen Frauen mit Hilfe eines indischen Projektpartners auf Ausstellungen und Messen verkaufen und haben dort wiederum die Chance, auch neue Aufträge zu bekommen. Den Mädchen werde auf diese Weise eine soziale Aufwertung zuteil, sagt Linz, und dadurch wachse bei ihnen Selbstvertrauen und das Bewusstsein, ein eigenes, unabhängiges Dasein führen zu können.

Ebenfalls in die Zukunft gerichtet ist ein Heim für 58 Straßen- und Slumkinder in der südindischen Millionenstadt Madurai, Linz zufolge das kostenintensivste Projekt von "Premadhara". Die dort betreuten Kinder kämen "aus unvorstellbaren Situationen, sie wurden missbraucht, misshandelt und von kriminellen Banden als Drogenkuriere und Informanten eingesetzt". Aufgenommen werden auch Aids-Waisen. Die Kinder erhalten dort Verpflegung, Unterricht und medizinische Betreuung. Eine eigener Betreuerstab steht für die zum Teil schwer traumatisierten Opfer zur Verfügung, rund um die Uhr auch ein eigener Therapeut. Dank engagierter indischer Projektpartner haben sechs junge Männer die Chance erhalten, am Polytechnical College in Madurai zu studieren, sie können aber weiterhin im Schutz des Heims wohnen. Dies sei "eine enorme Chance".

Das größte übergreifende Projekt von "Premadhara - Strom der Liebe" liegt mit rund 700 Kindern in neun Dörfern im Süden Indiens und umfasst diverse Einzelprojekte, darunter eine Ausbildungswerkstatt für Elektrotechnik. Bei dem Projekt werden laut Bericht auch 85 an Aids erkrankte Kinder betreut und erhalten proteinreiche Nahrung. In drei Schulzentren gehen Kinder zum Unterricht. Besonderen Wert legt Linz aber nicht nur auf die handwerkliche Ausbildung und die Hilfe zur Selbsthilfe in Indien, sondern auch auf ein Wertebewusstsein: die Erziehung zu Liebe, Toleranz und Hilfsbereitschaft.

© SZ vom 25.08.2018/cjk

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