Süddeutsche Zeitung

Spenden gesucht:Benediktbeurer Retter brauchen Hilfe

Die Bergwachts- Mitglieder sammeln Spenden, um ihr Depot erweitern zu können und den wachsenden Anforderungen anzupassen. Knapp 350 000 Euro fehlen noch

Von Moritz Hackl, Benediktbeuern

Sie sind Wind und Wetter ausgesetzt, und das nicht nur während eines Rettungseinsatzes: Die drei Einsatzfahrzeuge der Bergwacht Benediktbeuern stehen selbst im Winter im Freien und müssen vor Einsätzen erst vom Schnee befreit werden. Und weil es keine Kletterwand gibt, kann das aufwendige Training stets nur am Berg stattfinden. Der Grund: Es mangelt an ausreichend Platz für die ehrenamtlichen Retter und ihr Material, das Depot der Bergwacht Benediktbeuern genügt den Anforderungen nicht mehr. Auch die Lagerräume quellen inzwischen über und es gibt nur eine Sanitäranlage mit Umkleiden, die sich Bergretterinnen mit ihren männlichen Kollegen teilen müssen. Höchste Zeit also, die Missstände zu beheben, doch die Retter stehen vor einem Problem: die Finanzierung einer Sanierung und Erweiterung. Denn die freiwilligen Helfer sind hierbei von der Spendenbereitschaft der Bevölkerung abhängig. Der Freistaat Bayern unterstützt die Wachen der Bergretter zwar mit Fahrzeugen und Ausrüstung, und auch die Mitglieder greifen tief in die eigenen Taschen: Jeder Helfer kommt selbst auf für saisonale Einsatzbekleidung, persönliche Schutzausrüstung, Einsatzrucksack und medizinisches Verbrauchsmaterial. Oder, wie der Pressesprecher der Bergwacht Tobias Döring, es ausdrückt: "Jeder Anwärter braucht erst Mal einen Batzen Geld, um sich die Ausrüstung selbst zu finanzieren." Die Kosten für den geplanten Erweiterungsbau übersteigen dann aber doch die finanziellen Möglichkeiten der Benediktbeurer. Und Zuschüsse von staatlicher Seite sind für den Bau oder Anbau einer Bergwacht nicht vorgesehen.

714 000 Euro soll nach den bisherigen Planungen die Erweiterung kosten. 75 000 Euro davon tragen die Benediktbeurer Bergwachts-Mitglieder selbst. Doch auch nach Abzug einer in Aussicht gestellten Unterstützung durch das EU-Förderprogramm Leader fehlen für die Umsetzung noch 349 000 Euro.

Deshalb sind die 37 Bergretter und acht Bergretterinnen auf Unterstützung angewiesen. "Wir suchen Spender, schreiben Firmen an und planen, sobald das möglich ist, auch von Tür zu Tür zu gehen, um die Leute um Hilfe zu bitten", sagt Döring.

Seit 1927 gibt es die Bergwacht Bendiktbeuern. Anfangs ging es den Freiwilligen hauptsächlich um den Naturschutz. Erst später, mit dem immer beliebter werdenden Alpinismus, verschob sich der Aufgabenbereich in Richtung Rettung am Berg. Das führte zu einer professionelleren und zeitintensiveren Ausbildung - diese dauert heute drei Jahre. Ihr Einsatzgebiet ist der Gemeindebereich Benediktbeuern und Bichl, darunter auch das alpine und unwegsame Gelände an der Benediktenwand, aber auch Bad Heilbrunn mit dem Kletterwald, Kochel am See und Teile von Sindelsdorf. Die Freiwilligen sind 365 Tage im Jahr einsatzbereit, wobei in diesen 365 Tagen etwa 30 bis 50 Mal der Alarm schlägt. Meistens geht es dann darum, gestürzte Mountainbiker zu retten, vermisste Personen ausfindig zu machen, Verletze zu bergen und in Sicherheit zu bringen. Obwohl es seit Beginn der Pandemie immer mehr Menschen in die Berge zieht, mehr Einsätze gibt es für die Benediktbeurer deshalb nicht. "Ich denke, das liegt daran, dass der Berg hier sehr anspruchsvoll ist", sagt Döring. Auf die Frage, ob er sich manchmal über die zu Rettenden ärgere, kann der 44-Jährige nur lachen: "Wir sind Retter, keine Richter."

Wer helfen möchte, kann dies mit einer Überweisung auf folgendes Spendenkonto tun: DE57700543060190007328. Weiter Infos unter www.bergwacht-bayern.de/benediktbeuern.html

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Quelle:
SZ vom 18.05.2021
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