Nach Landtagswahl SPD-nahe Akademie gibt Schloss Aspenstein am Kochelsee auf

Die Georg-von-Vollmar-Akademie ist mit einer Bildungsstätte auf Schloss Aspenstein in Kochel am See seit 1948 eine gemeinnützige Einrichtung der politischen Bildung.

(Foto: Manfred Neubauer)
  • Die SPD-nahe Georg-von-Vollmar-Akademie muss Schloss Aspenstein wohl bald aufgeben.
  • Grund seien sinkende Zuschüsse des Freistaats, die auf der Basis von Wahlergebnissen berechnet werden.
  • Die Bildungsstätte bietet ein breites Seminarangebot, das Programm läuft noch bis Ende des Jahres.
Von Petra Schneider

Eigentlich könnte die Georg-von-Vollmar-Akademie in diesem Jahr ein rundes Jubiläum feiern: Seit 70 Jahren bietet die SPD-nahe Bildungsstätte auf Schloss Aspenstein ein umfangreiches Programm zu gesellschaftlich-politischen Themen. Doch Grund zum Feiern gibt es nicht. "Wir denken darüber nach, Haus Aspenstein zu schließen", sagt die Vorsitzende der Akademie, Carmen König-Rothemund.

Grund seien sinkende Zuschüsse des Freistaats, die auf der Basis von Wahlergebnissen berechnet werden. Wie es nun weitergeht, wisse man nicht, sagt König-Rothemund, am Donnerstag seien erste Mitarbeitergespräche geführt worden. Möglicherweise könnten die Seminare in anderen Häusern angeboten und die Dozenten weiter beschäftigt werden. Schloss und Grundstück, die dem Verein gehören, müssten verkauft werden. Wenn sich ein neuer Träger findet, könnten die zwölf festen Mitarbeiter, die in Küche und Tagungshotel arbeiten, vielleicht übernommen werden. "Wir hoffen natürlich, dass das Personal bleiben kann", sagt König-Rothemund. Dass eine Schließung unausweichlich ist, liegt nicht zuletzt am schlechten Wahlergebnis der SPD.

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Einrichtungen zur politischen Bildung bekommen öffentliche Mittel. Rund 3,8 Millionen Euro sind im Topf, die auf die Parteien verteilt werden. Basis für die Berechnung ist der Durchschnittswert der vergangenen vier Landtagswahlen; 2018 hat sich das Ergebnis für die SPD mit 9,7 Prozent mehr als halbiert. Mit der Folge, dass die Zuschüsse für die Vollmar-Akademie um 450 000 Euro gesunken sind. Von der SPD selbst bekomme man kein Geld, stellt König-Rothemund klar, die Akademie sei parteinah, aber steuerlich unabhängig. "Wenn die SPD bei uns tagt, muss sie zahlen wie jede andere Organisation auch." Mittel kämen vom Freistaat und, nach dem gleichen Berechnungsschema, auch vom Bund. Diese seien ebenfalls weniger geworden, der Unterhalt des Hauses nicht mehr zu finanzieren.

Die Bildungsstätte in dem idyllisch über dem Kochelsee gelegenen Schlösschen bietet ein breites Seminarangebot, auch zwei Wanderausstellungen wurden konzipiert. Das Programm läuft noch bis Ende des Jahres: Arbeit, Wirtschaft und Soziales, Internationale Beziehungen, Umwelt, Geschichte, Politische Kommunikation, Integration und Teilhabe sind die Themenbereiche. In dem etwa 300 Jahre alten Schloss Aspenstein und zwei Gästehäusern stehen 23 Einzel- und 18 Doppelzimmer zur Verfügung. Tagungen können in fünf Seminarsälen und zwei Arbeitsgruppenräumen stattfinden. Die Statistik verzeichnet für die Vollmar-Akademie rund 4000 Teilnehmer pro Jahr. Gegründet wurde sie im Jahr 1948 von Waldemar von Knoeringen, dem ehemaligen Vorsitzenden der Bayern SPD, und Wilhelm Hoegner, "Vater" der Verfassung des Freistaats Bayern und ehemaliger Ministerpräsident. Beide waren wegen ihre politischen Einstellung Verfolgung und Repression durch die Nazis ausgesetzt. Diese Erfahrungen führten zu der Überzeugung, dass eine stabile soziale Demokratie die politische Bildung der Bürger voraussetzt.

Im Januar 1948 wurde Schloss Aspenstein von der bayerischen SPD gepachtet, am 25. Juli fand dort der erste Kurs statt. Die Unterkünfte waren einfach, Kohle zum Heizen mussten die Teilnehmer selbst mitbringen. Drei Jahre später kaufte der 1950 gegründete Verein Schloss und Grundstück. Namensgeber der gemeinnützigen Einrichtung ist der erste Vorsitzende der bayerischen SPD, Georg von Vollmar. Seit 1968 kooperiert die Akademie mit der Friedrich-Ebert-Stiftung, dem Pendant zur CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung.

Seit 1981 wird alle zwei Jahre der Waldemar-von-Knoeringen-Preis an herausragende Persönlichkeiten verliehen. Heuer wurde die Vollmar-Akademie zum dritten Mal in Folge unter die Top Ten der "besonderen Tagungs- und Eventlocations" des repecon Verlags gewählt. Eine Schließung der Akademie wäre für die Gemeinde "ein Schlag", sagt Bürgermeister Thomas Holz (CSU), den die Nachricht völlig "unvorbereitet" trifft. Die bundesweit bekannte Bildungsstätte in Kochel bringe der Gemeinde viel Renommee und kurbele den Tourismus an mit 10 000 Übernachtungen pro Jahr. Finanziell bringt das der Gemeinde unmittelbar nichts, weil Teilnehmer von Bildungsreisen keinen Kurbeitrag zahlen müssen. Aber viele kämen über die Akademie überhaupt erstmals nach Kochel - und verlängern oder kommen wieder.

Dass die Akademie, die schon einmal auf der Kippe stand, nun wieder in Gefahr ist, überrascht den Bürgermeister. Denn die Touristinfo verzeichne für die Bildungsstätte steigende Zahlen. "Wir haben das Gefühl, dass der Zulauf eher größer wird", sagt Holz. Auch mit der Leitung arbeite man bestens zusammen, und Teilnehmer äußerten sich über das familiär geführte Haus stets "ganz begeistert."

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