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SPD-Stadtgespräch in Geretsried:Waldrettung hier und anderswo

Forstwirt Götz Alexander Feldmann (stehend) hat eine kleine Eiche als Anschauungsmaterial mitgebracht.

(Foto: Felicitas Amler)

Forstwirt Götz Alexander Feldmann fordert die Politik zum Handeln auf

Götz Alexander Feldmann hat das schon einmal dem damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärt, als der mit der SPD auf den Blomberg gewandert ist: "Ich habe als Forstwirt schon sehr viele Bäume gefällt. Aber noch mehr gepflanzt." Beim Geretsrieder SPD-Stadtgespräch am Sonntag im Gasthaus Isarwinkel hält Feldmann ein Foto hoch, das ihn und Steinmeier zeigt. Er will seinen Genossen erklären, was er unter Nachhaltigkeit und ökologisch sinnvollem Wirtschaften versteht. Dazu hat der SPD-Ortsvorsitzende Martin Bruckner ihn als Experten zum monatlichen Treff eingeladen.

Feldmann, der nach eigener Auskunft als selbständiger Forstwirt auch für die Stadt Geretsried und die Staatsforsten arbeitet, hat noch mehr Anschauungsmaterial mitgebracht. Er stellt einen Blumentopf mit einer spindeldürren Eiche, die erst eine Handvoll Blätter trägt, auf den Tisch. Vier Jahre habe sie gebraucht, allein um so groß zu werden; 80 bis 100 Jahre werden folgen, bis sie ein stattlicher Baum ist, erklärt er auf Nachfrage des Zweiten Bürgermeisters Hans Hopfner.

Feldmann weckt die Wertschätzung für den Wald. Aber er appelliert keineswegs nur an den Einzelnen, zur Rettung der von Klimaextremen bedrohten Welt beizutragen. Sein Credo lautet: "Den Wilderern muss endlich Einhalt geboten werden - durch harte Gesetze." Mit den "Wilderern" meint er all jene, die den Wald rücksichtslos ausbeuten, ohne ihm etwas zurückzugeben. Hier sei es an der Politik, strenge Richtlinien, wie sie in Europa gültig seien, auch anderswo einzufordern. Im Übrigen betont Feldmann mit Blick auf die Vernichtung von Wald in Südamerika: "Wir unterstützen indirekt die Katastrophe." Denn nur weil wir zum Beispiel die modernen Akkus nutzten, für die Lithium gebraucht werde, würden anderswo Bodenschätze abgebaut und dafür Wälder gerodet. Die Runde aus zwölf Diskutanten stimmt ihm zu. Doch es gibt auch Widerspruch.

"Dieses kleine Deutschland ..."

Herbert Mieseler, ehemaliger SPD-Stadtrat, sagt, man solle mal auf den Globus schauen, Deutschland sei nur so klein - er hält Daumen und Zeigefinger zwei Zentimeter auseinander: "Und dieses kleine Deutschland will die Welt retten? Also komm, hört's mir auf!" Feldmann antwortet, es sei keine Frage der Größe eines Landes, sondern seiner Macht - und seiner technischen Intelligenz. Denn die komme, wenn man wiederum an die Akkus denke, auch aus Deutschland.

Bernhard Lorenz äußert sich ähnlich: "Wir müssen unsere Marktmacht nutzen", sagt er. Wenn in Brasilien Wälder abgefackelt würden, um Soja für die Viehzucht anzubauen, dürfe man hierzulande eben "dieses billige Rindfleisch" nicht mehr essen. Man müsse immer daran denken, "was wir in anderen Ländern auslösen, weil wir den Nutzen davon haben".

Die Diskussion streift auch das Thema Stromerzeugung und die Notwendigkeit, weniger Energie zu verbrauchen. Mieseler illustriert das am Beispiel des Walchenseekraftwerks. Dort könne man sehen, dass alltags eine Turbine ausreiche. Aber sobald in der Allianz-Arena ein Fußballspiel ausgetragen werde, sei sofort eine zweite Turbine nötig.