50 Jahre SPD in IckingEin roter Punkt im schwarzen Bayern

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Beatrice Wagner leitet den SPD-Ortsverein Icking. Bei der vergangenen Kommunalwahl bewarb sie sich als Bürgermeisterin.
Beatrice Wagner leitet den SPD-Ortsverein Icking. Bei der vergangenen Kommunalwahl bewarb sie sich als Bürgermeisterin. (Foto: Hartmut Pöstges)

Der Ortsverein feiert mit coronabedingter Verspätung sein 50-jähriges Bestehen. Besonders stolz sind die Genossen darauf, in der wohlhabenden Isartalgemeinde sichtbar geblieben zu sein. 

Von Veronika Ellecosta, Icking

Ende der Sechzigerjahre standen die Zeichen für die SPD in Deutschland auf Aufbruch: Willy Brandt wurde Bundeskanzler und trat für die Ostpolitik ein, der Umweltgedanke rückte ins nationale Bewusstsein. Getragen von dieser Stimmung des Wandels fanden die Sozialdemokraten eine neue Wählerschaft in der Mittelschicht, bei Kunstschaffenden und bei Intellektuellen. Demgegenüber war Bayern vor 50 Jahren immer noch CSU - und dies war im Fall von Icking nicht anders. So erzählt jedenfalls Vorsitzende Beatrice Wagner die Entstehungsgeschichte des SPD-Ortsvereins Icking. "Wir wollten einen roten Punkt ins schwarze Bayern hinein setzen."

An die Gründung des Ortsvereins vor 52 Jahren erinnert sich Gerd Jakobi noch ganz genau. Er war sozialdemokratischer Gemeinderat zwischen 1984 und 1998 - und er war auch schon dabei, als die SPD Icking aus der Taufe gehoben wurde. "Am 15. November 1970 trafen sich im Gasthof Post Bürger der Gemeinde, um auf Initiative von Fritz Schoppe einen Ortsverein der SPD zu gründen", erinnert er sich. Damals sei es vor allem darum gegangen, die versöhnende Ostpolitik von Kanzler Willy Brandt zu unterstützen. Damit laut Parteisatzung sieben Wahlberechtigte bei der Gründung anwesend waren, engagierte Schoppe an jenem Abend kurzerhand auch den damaligen Gastwirt der Post.

Seitdem hat sich die SPD in Icking wacker gehalten. Obwohl die Sozialstruktur der Gemeinde von Haus aus mit ihren nicht selten wohlhabenden Einwohnern kein typisches SPD-Pflaster sei, wie Jakobi betont. Derzeit versammelt sie etwa 30 Mitglieder hinter sich und stellt im Gemeinderat mit Julian Chucholowski lediglich eine Ein-Mann-Fraktion. Aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums, das coronabedingt mit zweijähriger Verspätung begangen wird, blickt die SPD in diesen Tagen auf einige ihrer Wegmarken in der Isartalgemeinde zurück. "In der Ablehnung der SPD schwingt auch viel Irrationales mit", meint Beatrice Wagner, die 2017 dem Ortsverband beigetreten ist und ihm seit zwei Jahren vorsitzt. Einer der Meilensteine, den Bürgern die Berührungsängste zu nehmen und die SPD in Icking zu etablieren, ist Wagner zufolge die Theatergruppe, die mit dem Wahlkampf 1984 ins Leben gerufen wurde und seither mit Schauspiel und Kabarett auf den Ortsverein aufmerksam gemacht hat.

Die SPD habe sich in Icking von Anfang an für Umweltschutz stark gemacht, sich für die Baumverordnung und mehr Begrünung eingesetzt, gegen Atomwerke demonstriert, erzählt Wagner. Im Kampf für mehr kommunalen Wohnungsbau und mehr Mietwohnungen war sie bisher zwar nicht besonders erfolgreich, wohl aber bei der Gestaltung des Einheimischenmodells. Der Kriterienkatalog für die Vergabe von Grundstücken trage die Handschrift der SPD und sei im Spatzenloh umgesetzt worden, sagt sie. Ein weiterer Punkt, den Wagner betont, ist der ökologische Straßenbau: 20 Jahre lang habe die SPD für schmalere Straßen gekämpft, die den Charme von Icking ausmachten. Das sei dem Ortsverband gelungen. Insgesamt sei sie einfach stolz, dass die SPD durchgehalten habe, sagt Wagner.

Dennoch seien die Sozialdemokraten in Icking noch nicht dort, wo sie gerne wären. Besonders beim Thema Wohnen laufe noch vieles nicht richtig, so die Ortsvorsitzende. Als Beispiele nennt sie Leerstand in Icking bei gleichzeitiger Wohnungsnot oder auch den kleinen Mietwohnungsmarkt. Außerdem liegt ihr der Themenkomplex Klimaschutz und Energie am Herzen. Ein weiteres Ziel für die Zukunft bleibe es auch, die Autos mehr in die Schranken zu weisen und die Situation von Radfahrern und Fußgängern im Ort zu bessern, sagt sie.

Nicht zuletzt erfüllt der Ickinger Schaukasten, der sich seit 1982 vom Rundbrief zur regelmäßig erscheinenden Zeitschrift gemausert hat, die Ickinger SPD mit einigem Stolz. Die Mitglieder verteilen ihn regelmäßig eigenhändig in jeden Briefkasten und hoffen so, an den Hecken und Zäunen mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Immerhin sei dadurch in der Ickinger Parteienszene von den anderen Parteien wenig zu hören, sehr wohl aber von der SPD, meint Gründungsmitglied Gerd Jakobi. "Und das ist dann schließlich auch ein Erfolg. Die Genossen haben Bescheidenheit gelernt."

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