Neue Auszeichnung:Bleibendes Engagement

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Neue Auszeichnung: Gruppenbild mit den ersten drei Preisträgern: Der LBV-Kreisvorsitzende Walter Wintersberger (Bildmitte vorne), Gabriele Rogge, Vereinsvorsitzende Nagel und Faden (dritte von links) sowie Kreisbäuerin Ursula Fiechtner (4. v. re.)

Gruppenbild mit den ersten drei Preisträgern: Der LBV-Kreisvorsitzende Walter Wintersberger (Bildmitte vorne), Gabriele Rogge, Vereinsvorsitzende Nagel und Faden (dritte von links) sowie Kreisbäuerin Ursula Fiechtner (4. v. re.)

(Foto: oh)

Die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen hat erstmals einen Nachhaltigkeitspreis verliehen - an zehn Initiativen, die sich für Umwelt, Klima und die Gesellschaft einsetzen.

Von Benjamin Engel, Bad Tölz-Wolfratshausen

Was Nachhaltigkeit bedeutet, ist prinzipiell einfach zu erklären. Im Deutschland des 18. Jahrhunderts kam der Begriff in der Forstwirtschaft auf. Gemeint war damit, in den Wäldern nur so viel Holz zu schlagen, wie nachwachsen kann. "Wenn ich mehr aus dem Wald herausnehme, habe ich nichts mehr davon", formulierte es Stefan Drexlmeier zur Verleihung des ersten Nachhaltigkeitspreises der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen am Donnerstagabend in der Kreisstadt. Die Bürgerstiftung Energiewende Oberland (EWO), deren Geschäftsstellenleiter er ist, war in der Auswahl-Jury für die insgesamt zehn Preisträger vertreten. Die Kreissparkasse hatte für die nachhaltigen Projekte und Initiativen 26 000 Euro ausgelobt.

An die Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), den Geretsrieder Verein Nagel und Faden sowie die Caritas-Kontaktstelle Alt & Selbständig mit der Initiative für Hofbesuche Demenzkranker gingen die mit 5000, 4000 und 3000 Euro dotierten ersten drei Preise. Für weitere sieben Projekte gab es je 2000 Euro. Im Forum des Tölzer Sparkassen-Centers betonte Landrat Josef Niedermaier (FW) die Schwierigkeit, den Begriff Nachhaltigkeit allgemeinverbindlich zu definieren. "Jeder redet darüber, aber ganz viele meinen etwas Unterschiedliches." Ganz wichtig sei für ihn die soziale Komponente des Begriffs, für die viele der prämierten Projekte stünden. Die Preisträger zeigten, dass jeder etwas tun könne und gingen mit gutem Beispiel voran, sagte Niedermaier. "Gerade die vielen kleinen Schritte weisen den Weg, nachhaltig umzudenken." Mit einer rein wachstumsgetriebenen Lebens- und Wirtschaftsweise allein gehe es nicht weiter.

Wie wichtig intakte Moore für den Klimaschutz sind, zeigt der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen exemplarisch. Ein Flächenanteil von elf Prozent macht ihn zu den moorreichsten im Freistaat und auch deutschlandweit. Die ausgezeichnete LBV-Kreisgruppe engagiert sich in der "Tölzer Moorachse". Das 2003 gegründete Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, Moore zu schützen und wieder zu vernässen. Allein die LBV-Kreisgruppe sei wesentlich daran beteiligt gewesen, 200 Hektar Moorfläche im Landkreis zu renaturieren. Ein wichtiger Beitrag für den Klima- und Hochwasserschutz, so Niedermaier. Moorboden könne fünfmal mehr Wasser aufnehmen als Wiesen. Mit nur drei Prozent Anteil an der Erdoberfläche könnten Moore doppelt so viel Kohlenstoff speichern wie alle Wälder.

Wie vielfältig mit vorhandenen Ressourcen umgegangen werden kann, führt auch der Geretsrieder Verein Nagel und Faden vor. In der Kinder-, Holz-, Textil- und Elektrowerkstatt können Gäste selbst basteln oder Gebrauchtes reparieren. Ziel ist es, vorhandene Ressourcen besser zu nutzen und bewusster zu konsumieren. Künftig sind auch Workshops zum Energiesparen oder für nachhaltige Mobilität geplant. Darum, die Sinneseindrücke Demenzerkrankter zu aktivieren, geht es hingegen auf dem Hof von Kreisbäuerin Ursula Fiechtner in Rothenrain bei Wackersberg. Dafür kooperiert sie mit der Tölzer Caritas-Kontaktstelle Alt & Selbständig sowie dem Seniorenbeirat.

Insgesamt hatten sich 33 gemeinnützige Institutionen und Vereine für den Nachhaltigkeitspreis beworben. Daraus wählte die Jury mit dem Umweltsachgebietsleiter im Landratsamt, Franz Steger, Elisabeth Freundl von der EWO, der Redaktionsleiterin des Tölzer Kurier, Veronika Ahn-Tauchnitz und Renate Waßmer aus. So habe sie erst gelernt, wie viel der Begriff Nachhaltigkeit umfasse, sagte die Sparkassen-Vorstandsvorsitzende. Sich die Zeit zu nehmen, um anderen Menschen zu helfen und im ökologischen Sinne Gutes zu tun, sei nicht selbstverständlich.

An einem 4,5 Hektar steilen Hang in der Jachenau mäht und pflegt etwa die örtliche Feuerwehr ehrenamtlich die ökologisch wertvollen Wiesen. Der Besitzer konnte das nicht mehr leisten. In der durch Bernd Gassl von der Tölzer Jugendförderung im Stadtviertel Lettenholz initiierten offenen Fahrradwerkstatt kann jeder unter Anleitung sein Zweirad selbst reparieren. Die Kreiswasserwacht beteiligte sich an der Aktion "Bayern schwimmt". Die Ortsgruppen vermittelten im vergangenen Sommer um die 700 Kindern, um ihre Schwimmfähigkeiten zu verbessern. Das sei nachhaltig, weil ein zweistelliger Prozentsatz von Kindern nicht mehr richtig schwimmen könne, so Landrat Niedermaier.

Stellvertretend für die Lenggrieser Pfarrkirchenstiftung St. Jakob nahmen Verwaltungsleiterin Andrea Fahrner und Kirchenpfleger Peter Dichtl einen der mit 2000 Euro dotierten Preise entgegen. In Pfarrkirche und -heim wurde etwa die alte Ölheizung durch eine Hackschnitzelanlage ersetzt. Das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) vermittelt mit dem Projekt "Draußenschule" Kindern von inzwischen 17 Klassen ein besseres Verständnis der Natur. In einem alpenvereinsweiten Projekt bemüht sich die Tölzer Sektion möglichst viel CO₂-Emissionen zu vermeiden oder zu reduzieren. Der Lenggrieser Verein "Nur a bisserl Zeit" organisiert für einsame Senioren persönliche Begegnungen und finanzielle Hilfen. "Was es für eine lebenswerte Zukunft braucht, zeigen alle Preisträger", resümierte die Kreissparkassen-Vorsitzende Waßmer. Dafür solle der Nachhaltigkeitspreis eine Plattform bieten.

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