bedeckt München

Spa trotz Alpamare:Bad Tölz hält an Wellnessbad fest

Die Stadt will ihre Pläne für ein eigenes Spa weiterhin verfolgen, obwohl das Alpamare geöffnet bleibt. Bürgermeister Janker und Jod AG-Geschäftsführer Hoefter sehen beide Einrichtungen nicht als Konkurrenz

Von Suse Bucher-Pinell

Von Suse Bucher-Pinell

Bad Tölz - Die Stadt könnte ihren Gästen und Bürgern möglicherweise schon bald zwei ganz unterschiedliche Bäder-Einrichtungen bieten: das Spaß- und Freizeitbad Alpamare, das als Tochtergesellschaft der Jod AG seit den 1970er Jahren mitten im Kurviertel betrieben wird, und eine neue Wellness- und Spa-Anlage an der Arzbacher Straße, welche die Stadt in Eigenregie bauen würde. Noch ist dieses Konzept nicht fix. Voraussichtlich in der Julisitzung des Stadtrats will Bürgermeister Josef Janker (CSU) den vom alten Stadtrat gefassten Grundsatzbeschluss zur Notwendigkeit einer Wellness- und Spa-Anlage bestätigen lassen, um dann den österreichischen Projektentwickler Redserve die Pläne dafür präsentieren zu lassen.

Der hatte im vorigen Herbst schon Ideen vorgelegt für ein Ensemble aus Hotel, Wohnungen, Fitnesseinrichtungen und Geschäften, die auf dem derzeit als Parkplatz genutzten Gelände gebaut werden könnten. Für das Spa seien 8000 Quadratmeter Fläche vorgesehen, es soll laut Janker Teil dieser Gesamtentwicklung werden. "Ich sag' Ja dazu", bekennt er sich. Die Kosten schätzt er auf "nicht unter zehn Millionen Euro", die über Kredite beschafft werden müssten.

Bis vor kurzem sah die Bäderzukunft in Tölz noch anders aus. Da wurde darum gerungen, das laute Alpamare zu einem ruhigen Spa ohne Rutschen umzubauen, doch die Verhandlungen zwischen Besitzer und Stadt scheiterten. Ungeachtet des vielfach beklagten defizitären Betriebs und einer daraus folgenden möglichen Schließung gab Jod AG-Chef Anton Hoefter vor ein paar Tagen für viele überraschend bekannt, dass das Bad geöffnet bleibe. "Bis auf weiteres geht der Betrieb so weiter", sagte er der SZ. Ob er eine Modernisierung plant, dazu wollte er sich nicht äußern. Es werde sich etwas verändern, kündigte er an. Was, wolle er zu gegebener Zeit bekannt geben. Als Konkurrenz zu seinem Spaßbad sieht er ein Spa an der Arzbacher Straße jedoch nicht. Diese Auffassung teilt auch Bürgermeister Janker, der mit Hoefter über diese Pläne schon gesprochen hat.

Bei vielen in Tölz überwiegt nun die Freude darüber, dass das Alpamare als Spaßbad bleibt. Für Stadtrat Ingo Mehner (CSU) stellt sich aber die Frage, ob der Bestand auch dauerhaft gesichert ist. Er ist sich nicht sicher, inwieweit beides - Spaß und Spa - als Form eines Schlechtwetterprogramms für Tölz notwendig ist. Wichtig ist ihm, welche Position dazu die Vermieter einnehmen. Auch Willi Streicher (SPD) begrüßt Hoefters Entscheidung sehr. "Wichtig wäre, dass das Alpamare attraktiver wird und auch die Mitarbeiter erfahren, wie es weitergeht", meint er und hält es für richtig, wenn die Stadt ihre Pläne vorantreibt. Jede Seite müsse aber offen sagen, was sie vorhabe. "Das ist elementar." Auch Martin Harrer (Freie Wähler) hat die Kunde vom Erhalt des Alpamare überrascht. Er steht zu dem Grundsatzbeschluss des Stadtrats, solange sich die beiden Einrichtungen keine Konkurrenz machten. "Wir brauchen ein Wellnessangebot in Tölz", ist er überzeugt. So sieht es auch Hans Zintl, der Vorsitzende des Vereins Gesundes Bad Tölz, dem früheren Kur- und Tourismusverein. "Es ist einesehr wichtige Infrastruktureinrichtung", sagt er. Zintl betont aber, dass sie wirtschaftlich zu betreiben sein müsse.

Karl Hirsch, Vermieter von Ferienwohnungen, verlangt von einem Tölzer Spa Einzigartigkeit. "Die Gäste wollen hier nicht das vorfinden, was sie auch Zuhause haben", sagt er. Vom Alpamare wünscht er sich Veränderung. "Wenn es so bleibt wie in den letzten Jahren, können wir nicht zufrieden sein." Es gebe immer mehr unzufriedene Gäste. "Ein unzufriedener Gast ist schlimmer als gar keiner."

© SZ vom 13.05.2014
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema