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Sozialprojekt in Wolfratshausen:Naturschützer gegen Wohnungsbau auf Coop-Wiese

Lebensraum und Erholungsort: Der Bund Naturschutz spricht sich für den Erhalt der Coop-Wiese aus.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Mehr Verkehr, weniger Grün: Der Bund Naturschutz wirft der Stadt vor, beim Bau der 50 geförderten Wohnungen mit den Zahlen zu tricksen.

Die Bebauung der so genannten Coop-Wiese in Waldram ist beschlossene Sache: Die Städtische Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (Stäwo) wird dort im Auftrag der Stadt zwei fünfstöckige Wohnblöcke mit insgesamt etwa 50 geförderten Wohnungen errichten. Das hat der Stadtrat nach einem fraktionsübergreifenden Antrag von BVW, SPD und Grünen zum sozialen Wohnungsbau mehrheitlich beschlossen. Bei zahlreichen Waldramern sind die Pläne auf Kritik gestoßen. Nun bekommen sie Unterstützung vom Bund Naturschutz (BN). Die Wolfratshauser Ortsgruppe spricht sich in einer Erklärung gegen die Bebauung und für den Erhalt der Grünfläche aus.

Die Coop-Wiese sei nicht nur ein wichtiger Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, sondern diene auch Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen als Aufenthaltsort, erklären die BN-Vorsitzende Sigrid Bender und ihr Stellvertreter Frank Burger in ihrer Pressemitteilung. "Wir sind davon überzeugt, dass wir mit dem Erhalt nicht nur die Interessen des BN an nachhaltigen Lebensgrundlagen für Mensch und Natur vertreten, sondern auch für Tausende von Bürgern in Wolfratshausen sprechen."

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Gleichzeitig betonen sie, dass die BN-Ortsgruppe den geplanten Bau von Sozialwohnungen "prinzipiell begrüßt". Da der Stadt dafür jedoch mehrere Grundstücke zur Verfügung stünden, wolle der BN "darauf hinwirken, die Bebauung der Coop-Wiese zumindest nicht als erste Maßnahme durchzuführen". Sie solle stattdessen hintangestellt und "erst nach Verwertung der anderen Grundstücke und Prüfung der Notwendigkeit" veranlasst werden.

Die Ortsgruppe weist daraufhin, dass die 1978 unter Bürgermeister Erich Brockard erworbene Stadtwiese in den 1980er Jahren nach einem vom Stadtrat beschlossenen Begrünungskonzept bepflanzt wurde - mit 125 Bäumen und mehr als 1000 Sträuchern. Das habe zu einer "grundlegenden ökologischen Aufwertung" des Grundstücks geführt. Dort wüchsen Gehölze wie Eichen, Kiefern, Fichten und Hagebutten, die verschiedenen Vogelarten, Eichhörnchen und Fledermäusen als Lebensraum dienten.

Der Stadt und der Stäwo wirft der BN vor, die Bürger mit den angegebenen Zahlen zu täuschen: Die Behauptung, dass von der etwa 16 000 Quadratmeter großen Grünfläche lediglich zirka 5000 Quadratmeter bebaut würden und damit gut 80 Prozent erhalten blieben, sei nicht korrekt, schreiben Bender und Burger. Die Coop-Wiese werde nämlich "nach gängigem Sprachgebrauch" durch die Schlesierstraße, den Fuß- und Radweg zur Törringstraße und den Nachbargrundstücken im Süden und Westen begrenzt. Somit sei sie nur etwa 6900 Quadratmeter groß. Bezogen auf die "eigentliche Coop-Wiese" entspreche das Baugrundstück einem Anteil von 75 Prozent. Indem der Bauherr den anschließenden Grünzug entlang der Stromtrasse einbeziehe, suggeriere er ein günstigeres Bild und täusche der Bevölkerung etwas vor.

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Bender und Burger kritisieren zudem, dass die Stadt bei der Bebauung am Stellplatzschlüssel von zwei pro Wohnung festhält. Nicht benötigte Parkplätze würden an Nachbarn vermietet. Dazu sei die Stäwo jedoch nicht verpflichtet. Weil die Tiefgarage nur die Hälfte der Stellplätze fasse, müssten 50 oberirdische Flächen "dem wertvollen Boden abgerungen werden". Die Präsentation täusche vor, dass mit der Bebauung auch wertvolle Grünflächen geschaffen würden, heißt es weiter. Tatsächlich werde jedoch ein "ökologisch wertvoller innerörtlicher Gehölzbestand zerstört und eine idyllische Ruheoase der Bevölkerung von Waldram entzogen".

Auch das von vielen Waldramern ins Feld geführte Argument, die Bebauung führe in dem Ortsteil zum Verkehrschaos, nehmen Bender und Burger auf. Zu den etwa 600 Autos, die derzeit täglich durch Waldram fahren, kämen noch einmal 100 bis 130 Fahrzeuge am Tag dazu, rechnen sie vor. Das werde die Waldramer Straßen "erheblich überfordern". In der "Lokalen Agenda 21" habe sich der Stadtrat zur "Nachhaltigkeit der langfristigen Siedlungsplanung und Stadtentwicklung im Sinne des Umweltschutzes und der sozialen Engagements" verpflichtet, schreiben die BN-Vorsitzenden - und bitten die verantwortlichen Politiker, ihre Positionen in den Entscheidungsprozess einzubeziehen.

"Es ist klar, dass der Bund Naturschutz bei der Bebauung einer Grünfläche nicht Hurra schreit", sagt Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) zu der Mitteilung. Der BN habe das Recht, sich zu äußern. Das Schreiben sei aber auch widersprüchlich. So werde etwa der Stellplatzschlüssel kritisiert und gleichzeitig vor Verkehrsproblemen gewarnt. Den Bau zu verschieben, ergebe keinen Sinn. Zumal für die anderen drei städtischen Grundstücke zuerst der Bebauungsplan geändert werden müsste.

Stäwo-Geschäftsführer Lothar Ortolf weist den Vorwurf der Täuschung zurück. Die angegebenen 16 000 Quadratmeter umfassten zwei Flurnummern. "Wir sehen das ganze Areal", erklärt er. Laut Ortolf wird die Stäwo den Bauantrag etwa im Herbst stellen, der Bau soll dann spätestens 2018 beginnen. Dass die Erklärung des BN daran etwas ändert, glaubt Ortolf nicht. Die Bebauung sei schließlich im Stadtrat mehrheitlich beschlossen worden. "Wir haben einen Bebauungsplan und halten uns daran", sagt er. "Damit sollte die Sache eigentlich auch gut sein."

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