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Sozialplan:20 Millionen für 700 Mitarbeiter

Hörmann Kundgebung

Bei der Kundgebung im Dezember hatten die Mitarbeiter noch gehofft, ihre Arbeitsplätze könnten erhalten bleiben.

(Foto: Manfred_Neubauer)

Der Autozulieferer HAP, der sein Werk in Penzberg schließt, nennt Details zur Abfindung. Im Durchschnitt gibt es 30.000 Euro für jeden Gekündigten.

Alle Mitarbeiter der Hörmann Automotive Penzberg GmbH (HAP) erhalten bis zum Monatsende ihre betriebsbedingte Kündigung mit Angabe ihres individuellen Austrittsdatums. Dies hat die Geschäftsleitung am Dienstag in einer Pressemitteilung erklärt. Das nach dem Betriebsverfassungsgesetz vorgeschriebene Konsultationsverfahren mit dem Betriebsrat der HAP wurde am 14. August dieses Jahres eingeleitet. "Transparenz und ein fairer Umgang miteinander ist uns wichtig, um in dieser schwierigen Situation den Betroffenen Planungssicherheit und ein bestmögliches Maß an Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung zu geben", sagte der Geschäftsführer der HAP, Peter Vandecruys.

Nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon hatten sich die IG Metall und das Unternehmen im Mai auf einen Sozialplan geeinigt. Die gut 700 Mitarbeiter sollten zusammen demnach wie geplant 20 Millionen Euro Abfindung bekommen.

Die konkreten Details der Abfindung stehen nun fest: Die betroffenen Mitarbeitenden erhalten eine Einmalzahlung in Höhe von rund 30 000 Euro im Durchschnitt, die jedoch je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit auch deutlich höher oder niedriger ausfallen kann.

"Wir haben als Gesellschafter der HAP nicht nur die rund 600 Arbeitsplätze in Penzberg durch hohe finanzielle Zuwendungen über 13 Jahre erhalten, ohne jemals einen Euro Gewinn zu entnehmen", erklärt Michael Radke, CEO der Hörmann Gruppe. "Wir leisten nun mit den Abfindungen in Höhe von 20 Millionen Euro auch bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit der Hörmann Gruppe unser Bestmögliches, um die Auswirkungen des Arbeitsplatzverlusts auf die Mitarbeiter abzumildern und sie möglichst unmittelbar im Anschluss an die Betriebsstilllegung in neue Arbeitsverhältnisse zu bringen." Als mittelständische Unternehmensgruppe nehme die HAP ihre soziale Verantwortung sehr ernst und setze sie tatkräftig um, so Radke. Ende August waren noch 576 Stammmitarbeiter bei der HAP in Penzberg beschäftigt.

Die Betroffenen werden schrittweise in den kommenden Monaten bis spätestens 30. Juni 2020 aus der Gesellschaft ausscheiden - in Abhängigkeit vom weiteren geplanten Fortschritt der Produktionsverlagerung und der individuellen Kündigungsfrist des Mitarbeiters, die im Durchschnitt bei rund fünf Monaten liegt. An diesem Datum wird die Produktion im Werk Penzberg endgültig eingestellt.

Zu der Vorgehensweise im Kündigungsverfahren hatten sich alle Beteiligten in einem Spitzengespräch im Juli 2019 mit Kerstin Schreyer, Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales in Bayern, Elke Zehetner, Bürgermeisterin der Stadt Penzberg, Michael Radke, CEO der Hörmann Gruppe, Peter Vandecruys, Geschäftsführer der HAP, dem Betriebsrat der HAP sowie mit Vertretern der Arbeitsagentur Weilheim, des Inklusionsamtes der Region Oberbayern und der IHK Weilheim verständigt. Der gewählte Weg soll es der Agentur für Arbeit in Weilheim bereits in den kommenden Wochen ermöglichen, Bewerbertrainings und weitere Unterstützungsmaßnahmen durchzuführen, um die Mitarbeiter bestmöglich dabei zu unterstützen, im Anschluss eine neue Stelle zu finden.

Die Wirtschaftsförderung der Stadt Penzberg hat zudem eine Jobbörse aufgebaut, in der Firmen aus der Region aktuell rund 100 Stellen anbieten. Auch die Hörmann Gruppe bietet derzeit 36 Stellen an - allerdings an anderen Standorten an, die eine Mobilität der Bewerber voraussetzen.

Die Resonanz auf die Schaffung der Jobbörse vor einigen Monaten war "überwältigend", wie Bürgermeisterin Zehenter damals sagte. Firmen aus Penzberg, aber auch aus der näheren und weiteren Umgebung hätten sich mit Stellenangeboten gemeldet - vom Lagerarbeiter über qualifizierte Facharbeiter und Buchhalter sei alles dabei.

Die Hörmann Automotive Penzberg war in die Kritik geraten, als sie im April die Öffentlichkeit schon vormittags über die Werksschließung informierte, ehe sie am Nachmittag die Betroffenen davon in Kenntnis setzte.