Süddeutsche Zeitung

Sonnenstrom in Icking:5000 Solarmodule auf knapp zwei Hektar

Gegen die Stimmen der Ickinger Initiative votiert der Gemeinderat für eine Photovoltaik-Freiflächenanlage auf dem früheren Geothermie-Areal in Walchstadt

Von Claudia Koestler, Icking

Ein weiterer Schritt zu einer Photovoltaik-Freiflächenanlage auf Ickinger Flur ist getan: Der Gemeinderat fasste in seiner Sitzung am Montag mehrheitlich den Beschluss, für das Projekt östlich der Autobahn A95 in Walchstadt einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen. Nicht ohne Widerstand allerdings, denn die drei Mitglieder der Ickinger Initiative verweigerten ihr Einvernehmen bei allen sieben Beschlussvorschlägen, die der Tagesordnungspunkt umfasste.

"Warum muss die Photovoltaikanlage auf dem Gelände der ehemaligen Geothermie sein?", fragte sich Vigdis Nipperdey (Eckiger Initiative). Überall werden eine solche Anlage parallel zur Straße gebaut, dort aber werde sie von der Grundeigentümerin im rechten Winkel zur Autobahn geplant - "nur weil dort die Geothermiefläche war". Die gebe es nicht mehr, daher sei dies wieder eine landwirtschaftliche Fläche, wie alles Übrige auch. "Warum also an dieser Stelle?" Der Grund sei, dass sich die Fläche aufgrund der Verdichtung des Bodens nicht mehr so gut für die Landwirtschaft eigne, entgegnete Bürgermeisterin Margit Menrad (UBI). Was Nipperdey gleich zur nächsten Frage führte: "Ich habe nicht verstanden, warum wir nicht warten, bis die Renaturierung abgeschlossen ist. Erst wenn der Zustand der kompletten Wiederherstellung erfolgt ist, sollten wir über die Neuverwendung sprechen." Sie sei, betonte Nipperdey, nicht gegen Photovoltaik, aber sie wundere sich, "warum wir nun ohne Not, aber in großer Eile Beschlüsse fassen müssen." Noch dazu kurz vor den Kommunalwahlen: "Dass jetzt hier Sachen festgeklopft werden, an die sich dann eine neue Bürgermeisterin und ein neuer Gemeinderat halten müssen, ist in meinen Augen falsch." Die Mehrheit indes sah in der Photovoltaik-Freiflächenanlage eine "sinnvolle Nachnutzung" (Verena Reithmann, UBI) und eine signifikante "Erhöhung des erneuerbaren Energie-Anteils in der Gemeinde" (Lisa Häberlein, SPD).

Zum Bebauungsplan gehört auch ein Durchführungsvertrag, in dem Icking alle wichtigen Details aufnimmt. Erst wenn dieser unterschrieben ist, wird von der Gemeinde der Satzungsbeschluss gefasst, erst dann ist der Bebauungsplan gültig. In dem Kontrakt wird zum Beispiel auch der Rückbau der Photovoltaikanlage geregelt, wenn diese irgendwann nicht mehr benutzt werden kann. Die privaten Grundstücke, auf denen die Anlage entstehen sollen, umfassen etwa 2,6 Hektar, die Solaranlagen sollen auf circa 1,96 Hektar entstehen, der Rest ist Ausgleichsfläche. Rund 5000 Module soll die Anlage haben, die nach Süden ausgerichtet sind und eine Endhöhe von etwa drei bis maximal 3,30 Metern haben sollen. Die Reihen sollen drei Meter Abstand zueinander haben und die Module etwa 100 Zentimeter über dem Boden stehen, damit die Fläche unter ihnen beweidet werden kann, zum Beispiel durch Schafe. Als Untergrundkonstruktion dient verzinkter Stahl. Zwar könne es dadurch zu Zink-Ionen-Ausbildung kommen, was potenziell grundwasserschädigend sei, betonten Vertreter des Büros Vispiron, die den Plan vorstellten. Doch um das zu vermeiden, gebe es Lösungen. Zur Sicherung soll die gesamte Anlage umzäunt und begrünt werden. Die bestehende Zufahrt soll weiter genutzt werden.

Menrad hatte zuvor über den Stand des Rückbaus der ehemaligen Reinjektionsfläche Geothermie berichtet. Im Juli 2019 habe das Bergamt den Bescheid für den Rückbau erteilt, binnen zwölf Monaten - also bis Sommer 2020 - müsse das Areal wiederhergestellt sein. Der Rückbau werde von einem Sachverständigen begleitet, nach dem Ende der Arbeiten werde das Bergamt mit dem Sachverständigen und der Erdwärme Bayern die Abnahme machen. Derzeit sind laut Menrad die Asphalt- und Betonflächen einschließlich des inneres Bohrplatzes vollständig abgebrochen, das Abbruchmaterial werde zum Teil noch am Bohrplatz zwischengelagert. Das Wasserbecken werde gerade abgebaut, die Baugruben wieder aufgefüllt und die Gesamtfläche an die ursprüngliche Topografie angeglichen.

Doch nicht nur die Ickinger Initiative, auch Matthias Ertl (PWG) fragte nach. "Wir werten die Fläche auf, industrialisieren sie quasi. Was, wenn die Photovoltaik irgendwann nicht mehr ist, dann können wir sie ja nicht wieder abwerten", fragte er. Das obliege der Entscheidung des Gemeinderates, was dieser im Durchführungsvertrag festlege, so Menrad.

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SZ vom 22.01.2020
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