Penzberg:Raus auf die Bühne

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Egal ob Gesang, Akkordeon oder Steirische: Wenn Sonja Schroth die Bühne betritt, dann geht die Post ab. Unter anderem tritt sie in der Formation „d‘Housemusi“ mit Sepp Müller (Mitte) und Toni Fischer auf.

(Foto: privat/OH)

Die Wahl-Penzbergerin Sonja Schroth komponiert, spielt und singt, gehört diversen Ensembles an und arbeitet auch noch als Musiklehrerin in Lenggries. Die Auftritte sind ihr Lebenselixier. Und bei den Instrumenten gilt ihre besondere Liebe der Ziach.

Von Alexandra Vecchiato

Nymphenburger Schlosspark, Rotkreuzplatz und Hirschgarten - was für eine grandiose Spielwiese für ein Kind. Sicherlich eine, die der Kreativität und der Fantasie der jungen Sonja geradezu Schwingen verlieh. Es mag daher nicht von ungefähr kommen, dass die Bühne sie magisch anzog. Heute ist die Wahl-Penzbergerin Sonja Schroth aus der Kulturszene im Tölzer Land nicht mehr wegzudenken. Sie komponiert, singt und spielt die Steirische, ist Mitglied diverser Ensembles, arbeitet als Musiklehrerin in Lenggries - und findet dazwischen irgendwie auch noch Zeit für Ehemann und Kinder.

Weil der Herr Papa als Lokführer Schichtdienst hatte, mussten Sonja Schroth und ihre Schwester Rücksicht nehmen. Viel Platz zum Spielen gab es in der Drei-Zimmer-Wohnung in Neuhausen nicht. Also ging es raus. Die 51-Jährige erzählt mit einem Lächeln von ihrer Kindheit, vom unterirdischen Reich in den Kellern der Mietshäuser, von Hausmeistern, die die Kinder rausstaubten - mit wenig Erfolg. Und von ihrem Vater, der ein "guter Posaunist" war, ihrer Jugend in Bierzelten, in denen er auftrat, und ihrer Liebe zu böhmisch-bayerischer Blasmusik.

Sonja Schroth

Auf der Bühne zu Hause: Sonja Schroth.

(Foto: Manfred Neubauer)

In diesem Kosmos liegen die Wurzeln ihres künstlerischen Schaffens. Wobei zunächst das Theater ihr Zuhause sein sollte. Alles fing mit etwa acht Jahren an, als Sonja Schroth beim Kindertheater der Pfarrei mitmachte. Sie war Mitglied beim Millionendorf Theater und fest im Ensemble des Theaters am Hof in Leutstetten. "In Leutstetten war ich jeden Tag auf der Bühne. Manchmal habe ich in drei, vier Stücken gleichzeitig gespielt", erzählt Sonja Schroth bei einem Glas Tee in einem Penzberger Café. Sie berichtet von ihren Albträumen, die "falschen Klamotten" zu tragen und einen "falschen Text" aufzusagen. "Das ging so, bis ich 40 war." Die Musik, erzählt sie, habe sich eingeschlichen.

Die Wende in ihrem Leben als Kreative kam mit dem Tod ihrer Mutter im Jahr 2016. Sonja Schroth feierte ihren 45. Geburtstag in Bad Tölz. In der "Hospizzeit" habe sie ihr eigenes Leben nicht mehr geführt. Ein Jahr mit Höhen und Tiefen lag hinter ihr. Während ihrer Trauerarbeit wurde ihr klar, dass Musik nicht nur ihr am meisten geben kann, sondern sie selbst auch anderen. Dazu kam, dass Sepp Müller, bekannt als MüSepp, Sonja Schroth ansprach, ob sie nicht in seiner "Müsikwerkstatt" in Lenggries unterrichten wolle. Schroth spielt Akkordeon, der MüSepp suchte jemanden, der die Steirische Harmonika beherrscht. "2017 habe ich mich aufgerafft und Kurse belegt." Auch gesanglich wollte Schroth "weiterkommen". Bairisch sei ihre Sprache. Auf Englisch könnte sie Emotionen nicht transportieren wie im Dialekt. Der Wunsch brachte sie mit Roald Raschner zusammen, der Keyboarder bei Haindling war.

Dieser Austausch motivierte sie derart, dass sich Sonja Schroth ans Komponieren wagte. "Hey, das kann ich auch", lautete ihre Erkenntnis. Und weil das, was sie schrieb und sang, dem MüSepp gefiel und er seine Gruppe d'Housemusi in neuer Formation 2019 wiederbeleben wollte, kam eins zum anderen. "Ich bin mein Leben lang immer wieder auf tolle Leute getroffen", erzählt die 51-Jährige. Unter anderem steht sie mit Elisabeth Danzer als Duo S'Elysium auf der Bühne. Man könnte Sonja Schroth eine "Rampensau" nennen. Mit ihrer Leidenschaft und Charisma begeistert sie das Publikum. Allerdings ohne sich in den Vordergrund zu drängen, wie es per Definition einer Rampensau nachgesagt wird. Sie ist vielmehr eine kongeniale Partnerin auf der Bühne.

Wenn sie von ihrer Ziach spricht, gerät Schroth ins Schwärmen. Beide verbindet eine große Liebe. Im Gegensatz zum Akkordeon biete die Steirische mehr Basswärme. "Sie hat viel mehr Sound und Volumen." Spiele man die Ziach, müsse man mehr arbeiten, sie sei körperlicher und komme knackiger rüber. Was die Harmonika nicht nur zum idealen Begleitinstrument für die Sängerin macht: Schroth, ausgebildete Rhythmustrainerin, arbeitet mit Senioren und Kindern, etwa mit ADHS. "Die krassesten Kinder erleben beim Ziachspielen Erfolge." Schließlich gehe es um Freude an der Musik und um den Mut, sie nach draußen zu tragen.

Dieses "Nach-draußen-Tragen" fand für Sonja Schroth in der Corona-Pandemie ein jähes Ende. "Gerade, als wir mit der Housemusi richtig durchstarten wollten." Die Gruppe sei gebucht gewesen. Die Kleinkunstbühne, die Sepp Müller im Lenggrieser Hirschbachstüberl gemeinsam mit der Wirtin Anneliese Stockner organisiert, verwaiste. "Das ist ein toller Ort. Der Mikrokosmos in diesem veganen Bistro, wo jeder willkommen ist, ist was Besonderes", erzählt Schroth.

Gesang, Akkordeon, die Steirische, Musikunterricht - wo bleibt da noch Zeit für alles andere? Sonja Schroth lacht. Ehemann Christian und die beiden Söhne hätten sie schon geerdet - zumindest ein wenig. Sie erzählt, wie sie im achten Monat schwanger am Ammersee auf der Bühne stand, oder von einer Probe mit Claus Steigenberger in Wolfratshausen. Ehemann Christian, den sie 1999 heiratete, kümmerte sich ums Baby. "Ich wäre gestorben ohne Bühne. Sie ist mein Seelentröster und mein Lebenselixier."

Und weil es so schön ist, lernte Schroth noch Baritonhorn, um in der Penzberger Stadt- und Bergknappenkapelle mitzuspielen. "Ach, und jetzt noch Ukulele", berichtet sie, "die macht süchtig." Vielleicht hätte sie auf die Schauspielschule gehen sollen oder Musik studieren. Ihr kleinbürgerliches Elternhaus drängte auf einen ordentlichen Beruf. "Aber eigentlich ist mein Leben sehr schön verlaufen."

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