Sommertheaterspaß in Bad Tölz Krachert-genialer Klamauk

Mane (Mane Abholzer) richtet ein ziemliches Chaos an, als Sabine (Sabine Maiß)in allein daheim lässt, um auf dem Markt Büffelmozzarella zu verkaufen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Wolfgang Ramadan hat das "Kälberbrüten" von Hans Sachs ins Bairische übertragen und in Bad Tölz auf die Bühne gebracht. Das Publikum ist größtenteils begeistert, einige wenige suchen nach der Botschaft

Von Barbara Brießmann, Bad Tölz

Genialer Klamauk im Kurhaus: Am Sonntag feierte Wolfgang Ramadan mit seinem neuen Stück "Wer ko, der ko - Kälberbrüten" im Kurhaus in Bad Tölz Premiere. Als Vorlage diente dem Ickinger ein Faschingsspiel von Hans Sachs. Der Schuhmacher, Meistersinger und Autor hatte sich die Groteske im Jahr 1551 ausgedacht, Impresario und Regisseur Ramadan hat sie ins Heute und ins Bairische übertragen. Das Ensemble von "Pension Nirvana" brachte den turbulenten Theaterspaß über die Bühne im Kurhaus - eine kracherte Gaudi.

Von "Bayurveda für den bayerischen Bauch" bis zum "Rescue-Hopfen": Ramadan hat das Stück gespickt mit witzigen Einfällen und Anspielungen. Der Inhalt von "Kälberbrüten": Der Mane (Mane Abholzer) schläft noch, als seine Frau (Sabine Maiß) schon das Vieh, die einzigen Wasserbüffel im Oberland, versorgt hat. Eigentlich hätte ihr Mann längst die Tölzer Büffelmozzarella zum Käsefestival bringen soll, aber er kommt nicht aus den Federn, weil er am Abend zuvor sämtliche Einnahmen der Familie verprasst hat. Sabine ist stocksauer, sie besteht kurzerhand auf einem Rollentausch. Sie fährt zum Markt, der Mane muss sich um Kind, Essen, Wäsche und Stall kümmern. Der ist damit aber heillos überfordert und ruft seinen Bruder Hermann (Hermann Paetzmann) um Hilfe. Doch dieser richtet noch mehr Chaos an ...

Es ist mitreißend, mit welcher Spielfreude und Fulminanz die Schauspieler agieren. Artistisch wird jede Situationskomik auf die Spitze getrieben. Dazu dienen Requisiten wie die Bratpfanne, der Wäscheständer (auch für eine Balletteinlage), ein Rechen, ein Rollsessel und eine Leiter. Rasant werden die Verletzungen und Verwüstungen gespielt.

Der Hof vom Mane ist bald eine Ruine. Während das Baby schreit und das Essen auf dem Ofen verbrennt, passiert die eigentliche Katastrophe: Das wertvolle Büffelmozzarellakalb ertrinkt in der Odelgrube. Aus Angst vor Sabine verfällt der Bauer auf eine schier teuflische Idee. Sein Bruder und er sollen Kälber ausbrüten. Beide setzen sich gackernd auf Käselaibe. So findet sie die Frau bei ihrer Rückkehr auf und glaubt ihren Mann besessen. Der Pfarrer (in einer Doppelrolle Hermann Paetzmann) soll ihm den Teufel austreiben. Der Exorzismus gelingt, Mane gibt seine Missgeschicke zu. Zunächst ist seine Frau noch wütend, aber sie bekommt Mitleid. Sie schickt ihren Mann los, um Wein und Bier zu holen. "Rescue-Hopfen" mache jede schlimme Lebenslage erträglich, wie der Schlusssong suggeriert. Das Getränk empfiehlt Regisseur Ramadan auch den Teilnehmern des G7-Gipfels, die - natürlich ganz geheim - unter den Premierengästen im Tölzer Kurhaus seien und die er auf die Bühne bittet. Die Maskierten werden angeführt von Wladimir Putin, auch die Queen und Mr. Bean winken ins Publikum.

Am Ende wird das Ensemble von "Kälberbrüten" bejubelt, Wolfgang Ramadan begeistert gefeiert. Trotzdem bleiben ein paar Zuschauer ratlos auf der Suche nach einer Botschaft der Burleske. "Das erklärt sich doch von selbst", sagt der Regisseur. "Das Stück wollte ich schon vor Jahren machen. Ich finde es toll, dass Sachs so etwas Schrägwitziges und Bitterböses lange vor Shakespeare geschrieben hat."

Richtig anarchisch-bayerisch wurde es durch Ramadan. Selbst wenn jemand die Sprache nicht verstehe, sei das Verständnis kein Problem. Vor der Premiere wurde "Kälberbrüten" vier Mal vor Publikum aufgeführt, einmal nur vor Asylbewerbern. "Denen war alles klar." Für Ramadan werden in dem Schwank Vorurteile zurechtgerückt und zugleich bestätigt: "Männer richten den Schaden an, Frauen haben immer Recht - die Wahrheit liegt in der Mitte." Das Schlusswort seines Ideengebers klang 1551 so: "...vergessen allen Ungemachs, Glück bringt alles wieder, spricht Hans Sachs."

"Wer ko, der ko - Kälberbrüten" wird jeden Sonntag im Juni, Juli und August aufgeführt. Spielort ist der Kurpark in Bad Tölz, bei schlechtem Wetter das Kurhaus. Karten gibt es bei der Tourist-Info in Bad Tölz oder im Internet unter www.kartenengl.de. Nähere Informationen unter www.kaelberbrueten.de