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Skulpur soll umziehen:Maria darf wieder auf die Brücke

Die "Maria mit Kind" fristet seit fast drei Jahrzehnten ein unauffälliges Dasein am westlichen Isarufer in der Pupplinger Au.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Anton Ferstls Madonnenstatue hat vor 30 Jahren einen Skandal ausgelöst. Nun soll sie zurück auf ihren angestammten Platz über der Isar.

Von Konstantin Kaip

Die Madonnenstatue des verstorbenen Penzberger Bildhauers Anton Ferstl soll wieder zurück an ihren angestammten Platz auf der Marienbrücke zwischen Wolfratshausen und Egling. Das Staatliche Baumt Weilheim will die "Maria mit Kind", die im Dezember 1990 geweiht wurde, wieder auf der Brücke der Staatsstraße 2070 über der Isar aufstellen lassen. Damit wäre das unauffällige Dasein, das die Skulptur seit etwa 28 Jahren fristet, vorbei: Die Madonna hatte wegen ihres kurzen Kleides Proteststürme bei streng religiösen Marienverehrern ausgelöst und wurde im Juni 1991 von unbekannten religiösen Eiferern in die Isar gestürzt. Nach ihrer Reparatur wurde sie 1992 zwar wieder aufgestellt, allerdings am westlichen Isarufer zwischen den Büschen der Pupplinger Au.

Offiziell begründet wurde der Umzug damals mit der Verkehrssicherheit: Durch den landesweit bekannten Skandal habe die Figur einen Bekanntheitsgrad erreicht, der Verkehrsteilnehmer ablenken könne, erklärte das Staatliche Bauamt.

Zum Umdenken bei der Behörde hat nun ein SZ-Bericht vom 27. Juni beigetragen, der die Geschichte der Skulptur beleuchtet hat. "Auf Grundlage des Presseartikels hatten wir die Idee, die Statue an ihren ursprünglichen Standort zurückzuversetzen", sagt Markus Herda, der zuständige Abteilungsleiter beim Weilheimer Amt. "Wir erwarten keine entsprechenden Einwände mehr wie vor 30 Jahren." Auch hätten zahlreiche Bürger bei der Behörde eine Versetzung der Statue an ihren angestammten Platz gefordert.

Solche Anfragen hat auch der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) erhalten. Bevor er diesbezüglich aktiv werden konnte, sei jedoch bereits das Staatliche Baumt an die Stadt herangetreten, berichtet er. Es habe dann einen Termin mit Behördenvertretern, ihm und dem Eglinger Bürgermeister Hubert Oberhauser gegeben. Weil es sich bei dem Areal an der Isar um gemeindefreies Gebiet handle, hätten er und Oberhauser sich mit den Umzugsplänen einverstanden erklärt. "Sie hatten nichts dagegen", berichtet auch Herda. Die Versetzung sei beim Staatlichen Bauamt beschlossene Sache, nun müsse man schauen, wie man den Umzug durchführen könne und die Örtlichkeiten und die Verankerung prüfen. "Wir suchen eine Fachfirma, die die Arbeiten ausführen kann", sagt Herda. In ein bis zwei Monaten, schätzt er, könne der Umzug stattfinden.

Standort mit Aussicht: Das Staatliche Bauamt, das die Skulptur einst bei Anton Ferstl in Auftrag gab, will sie nun wieder mitten auf die Marienbrücke setzen lassen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Wie er aufgenommen wird, bleibt abzuwarten. Dass die Maria auf der Brücke einen ähnlichen Sturm der Entrüstung auslöst wie vor 30 Jahren, ist unwahrscheinlich. Damals kämpfte die "Bürgerinitiative Marienbrücke" mit 8000 Mitgliedern aus der ganzen Bundesrepublik für ihre Demontage und die "Reinheit der Gottesmutter". Die Marienfigur, deren eng anliegendes Sommerkleid Knie und Schultern freigibt, wurde von wütenden Madonnenverehrern als "pornografische Strandmieze" beschimpft. Ihr Schöpfer konnte das nicht nachvollziehen. Er habe die Madonna eben so darstellen wollen, wie er sie sich vorstelle, sagte Ferstl damals der SZ: "Als junges Mädchen mit Säugling". Die Gegner aber strebten nach erfolgloser Intervention bei Freistaat und Kirche sogar einen Volksentscheid an. Zu dem kam es indes nicht: In der Nacht zum 25. Juni 1991 schmissen unbekannte Täter die Statue in den Fluss, wo sie am folgenden Morgen gefunden wurde.

Dass sie nun an ihren angestammten Platz zurück soll, freut Rolf Merten. Der Mitbegründer und langjähriger Geschäftsführer der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung "Inselhaus" in Eurasburg ist begeistert von Ferstls Darstellung der Maria, die er als "ungewöhnlich und wunderschön" bezeichnet. Um sie wieder bekannter zu machen, hat der 68-Jährige mit Einverständnis von Ferstls Erben Repliken der Statue anfertigen lassen. Die circa 23 Zentimeter hohen Miniaturbronzen mit Sandsteinsockel kann man bei ihm bestellen. "Die Resonanz ist überwältigend", sagt Merten. Mittlerweile habe er mehr als 50 Anfragen. Die Auslieferung der Repliken sei für August oder September geplant.

Dann steht vielleicht auch das Original schon wieder für alle sichtbar mitten über der Isar. Anton Ferstl, der 2011 gestorben ist, hätte der Umzug bestimmt gefreut. Den Standort am Westufer hatte er 1992 nur als "zweitbeste Lösung" bezeichnet. "Die Maria", erklärte er damals, "hätte auf die Brücke gehört."

© SZ vom 09.07.2020/aip

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