Skisport:Was das Skifahren wert ist

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Wer sich mit einem Lift den Berg hinaufbringen lässt, muss kommenden Winter deutlich mehr zahlen. Angesichts allgemeiner Krisenstimmung könnten viele wegbleiben.

Kommentar von Benjamin Engel, Bad Tölz-Wolfratshausen

Skifahren mit Hilfe von Liften ist ein Luxus - und das bereits ohne steigende Ticketpreise. Das liegt zum einen daran, dass es nicht reicht, einen Skipass zu kaufen. Obendrauf kommt die nötige Ausrüstung - von Skiern, Skistöcken- und -schuhen bis zur Bekleidung samt warmer Unterwäsche. Vor allem Familien mit Kindern wissen, dass das ziemlich teuer werden kann. Schließlich braucht der Nachwuchs ständig Neues, einfach weil er größer wird. All das gibt es zwar gebraucht zu kaufen, bezahlt werden muss es trotzdem. Zudem sind Skigebiete sicher nicht lebenswichtig. Wer hinaus in die Bergnatur will, kann das abseits des Pistenzirkus preisgünstiger haben - sich den eigenen Rodelschlitten, Schneeschuhe oder Tourenskier schnappen und auch so Spaß haben.

Der kommende Winter könnte für die Skigebietsbetreiber so zum Lackmustest werden, wie viel die Wintersportler überhaupt bereit zu zahlen sind. Sicherlich können die Bergbahnen gar nicht anders, als die massiv gestiegenen Energiekosten an ihre Kunden weiterzugeben. Doch mit knapp 50 Euro für ein Erwachsenen-Tagesticket am Brauneck ist eine psychologisch wichtige Grenze fast erreicht. Eingekehrt und an- und wieder nach Hause gefahren ist mit diesem Betrag noch nicht. Wer ohnehin nur für ein paar Tage im Winter zum Skifahren geht, dürfte sich zweimal überlegen, wie lohnend das dann noch ist - und womöglich ganz wegbleiben.

Noch gibt es im wirtschaftsstarken Großraum München zwar genügend Gutverdiener, die sich den Skipass locker leisten können. Zudem ist es im bei einer bestimmten Klientel der Landeshauptstadt besonders bevorzugten Kitzbühel nochmals wesentlich teurer. Die Tageskarte für Erwachsene in der marketingtechnisch in Premiumsaison umbenannten Hauptsaison kostet 65 Euro. Das sollte aber kein Argument sein. Wenn das Segment der Skifahrer deutlich schrumpft, verliert der Freizeitsport seine Breitenbasis und damit den Nachwuchs in ausreichender Zahl, der auch einmal als dauerhafter Kunde gewonnen werden soll.

Das wäre schade. Wer an einem im Flachland nebeligen Wintertag in eine sonnenbeschiene, von Schneekristallen funkelnde Berglandschaft eintaucht, kann das sicher nachvollziehen. Das gibt es auch ohne Skigebiet. Doch nur im überwachten Skiraum sind die Menschen auch vor alpinen Gefahren wie Lawinen sicher. Die Skigebietsbetreiber wandeln auf einem schmalen Grat und müssen aufpassen, nicht eher abzustürzen, als es der Klimawandel ohnehin befürchten lässt.

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