Für 300 bis 500 Höhenmeter den Berg hinauf brauchen durchschnittliche Skitourengeher etwa eine Stunde. Im temporeichen Wettkampfsport Skibergsteigen kam Tatjana Paller, die Mitglied der Tölzer Alpenvereinssektion ist, bei den Deutschen Meisterschaften 2026 in etwas mehr als 31 Minuten ins Ziel – nach knapp mehr als 600 Höhenmetern auf drei Kilometer langer Strecke der Disziplin Vertical.
Womöglich hängt es direkt mit Paller als Vorbild zusammen, dass die Tölzer Alpenvereinssektion nun eine Jugendgruppe für das Skibergsteigen oder Ski Mountaineering (Skimo), wie der Sport auf internationaler Ebene genannt wird, gegründet hat. „Wir betrachten das als Pilotprojekt“, sagt Benedikt Hirschmann, der Vorsitzende der Tölzer Sektion. Zehn Interessenten im Alter zwischen 14 und 18 Jahren hätten sich gemeldet. „Wir freuen uns, wenn etwas entsteht, worauf junge Leute Lust haben.“ Die Gruppe sei zwar auf den Wettkampf- und Spitzensport ausgerichtet. Aber auch der soziale Aspekt werde eine wichtige Rolle spielen. „Wir wollen die Freude am Skitourengehen vermitteln.“
Er selbst bevorzuge die kontemplative Art, wenn er auf Skitour gehe, bekennt Hirschmann. „Ich bin eher der Naturgenießer.“ Dieser Aspekt dürfte aber beim auf Zeiten orientierten Skibergsteigen weniger im Fokus stehen. Trotzdem sieht der Vorsitzende der Tölzer Sektion die Chance, innerhalb der Skimo-Jugendgruppe Aspekte wie Naturschutz und Nachhaltigkeit zu vermitteln. „Wir achten etwa darauf, dass die Routen, die wir gehen, naturverträglich sind.“ Die jungen Sportlerinnen und Sportler sieht er somit auch als Multiplikatoren, um diese Themen an andere weiterzuvermitteln. „Je mehr das passiert, desto zufriedener bin ich.“
In Deutschland hat sich die Zahl der Skitourengeher nach aktuellen Schätzungen innerhalb der vergangenen beiden Jahrzehnte auf etwa 600 000 Menschen verdreifacht. Das Skibergsteigen als Wettkampfdisziplin ist dagegen zumindest auf struktureller Ebene eine relativ junge Sportart. So sagt es der Sprecher des Deutschen Alpenvereins. „Der DAV ist seit 2007 Teil der International Ski Mountaineering Federation (ISMF)“, so Julian Rohn. „Wir haben aber erst im Sommer 2018 damit begonnen, Leistungssportstrukturen und Nachwuchsarbeit aufzubauen.“

Um die hundert Skibergsteiger machen beim traditionsreichen Jennerstierrennen mit. Ist es Teil der Weltcupserie, sind es mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bei den Deutschen Meisterschaften sind die Teilnehmerzahlen noch überschaubar, aber mit steigender Tendenz. In der olympischen Sprintdisziplin traten 2025 fünf Männer und sechs Frauen aus der Bundesrepublik an. 2026 waren es elf Männer und acht Frauen.
In den Kadern sind aber bisher laut Rohn nur Skimo-Athletinnen und Athleten aus dem Bundesland Bayern. Häufiger gebe es Quereinsteiger aus den Sportarten Langlaufen oder Radfahren. Bei den Männern seien die Starterfelder deutlich größer als bei den Frauen. „Auf zwei Frauen kommen etwa fünf Männer“, so der DAV-Sprecher.
Im Sommer geht es aufs Rennrad oder Mountainbike
Für den Nachwuchs existiert seit der Saison 2020/2021 ein Landeskader Bayern mit acht Athletinnen und Athleten aus Sektionen des Freistaats. Zusätzlich zur Jugendgruppe in Tölz gibt es noch eine in Traunstein. Der DAV arbeitet daran, Kids-Camps aufzubauen. Seit September 2025 gehen laut Rohn sechs Nachwuchs-Skibergsteiger an die Eliteschule des Sports in Berchtesgaden.
Für Tölz freut sich der Vorsitzende, dass ein Team von drei Trainern mit einem fertigen Konzept an die Sektion herangetreten sei. „Die Vorstellungen waren so konkret. Dem wollten wir Raum geben“, sagt Hirschmann. Anfang Januar seien sie mit Interessenten einmal aufs Brauneck gestiegen, um zu sehen, wer Talent und die nötige Motivation habe. Der Plan sehe vor, wöchentlich einmal sowohl in der Halle als auch draußen zu trainieren. Je nach Schneelage werde geschaut, was möglich sei.
Ganzjährig steht Krafttraining an, im Winter Abfahrtstraining und die Ausbildung zur Lawinenverschüttetensuche. Im Sommer geht es aufs Rennrad oder Mountainbike. Im Fokus stehen unter anderem Athletiktraining. „Die Idee für die Jugend-Skimo-Gruppe ist aus der Nachfrage entstanden“, sagt Hirschmann. Immer wieder hätten sich Mitglieder gemeldet, die diese Sportart einmal ausprobieren wollten. Die Mischung aus Auspowern und Bewegen in der Natur spricht offenbar gerade junge Leute an.


