Skepsis im Bauausschuss Bootsverordnung überzeugt noch nicht

Isar-Bootsfahrer sollen Regularien bekommen. Den Wolfratshauser Stadträten gehen einige zu weit.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Wolfratshauser Stadträte befürworten das Regelwerk für die Isar, beanstanden jedoch zahlreiche Verbote im Entwurf.

Von Konstantin Kaip

Um die Isar und ihre Auen angesichts des immer stärker werdenden Freizeitdrucks besser zu schützen, will der Landkreis eine Bootsverordnung erlassen. Der Entwurf, der nach einer Onlineumfrage mit großem Rücklauf erstellt wurde, soll nun von den Bürgern und den Kommunen am Fluss kommentiert werden. In Wolfratshausen hat sich am Mittwoch der Bauausschuss mit dem Regelwerk befasst - und einiges beanstandet. Acht von 15 Regelungen und Verboten soll die Behörde nach Ansicht der Stadträte noch einmal überdenken. Dazu zählen etwa die zeitlichen Begrenzungen und das geplante Alkohollimit von 0,5 Promille.

Dass es eine Verordnung braucht, wie sie auch zahlreiche Bürger fordern, daran gab es im Ausschuss keine Zweifel. Folglich stimmten die Stadträte dem Paragrafen 1, in dem der Zweck der Verordnung erläutert wird, einstimmig zu. Sie diene dazu, "die Ausübung des Gemeingebrauchs auf der Isar im Einklang mit der Natur zu regeln", heißt es dort. Zudem sollen die Sicherheit erhöht und die Lebensräume von Tieren und Pflanzen erhalten bleiben. Auch die Paragrafen 3 bis 5, die Ausnahmen, Ordnungswidrigkeiten und Inkrafttreten regeln, ließen die Ausschussmitglieder außer Acht. Die 15 im zweiten Paragrafen aufgeführten Regelungen und Verbote konnten sie indes nicht so stehen lassen.

So fand etwa BVW-Sprecher Josef Praller "vieles nicht nachvollziehbar". Etwa, dass das "Anlanden und Betreten von Kiesinseln" nur im Notfall erlaubt sein soll. Schließlich gebe es zudem die Regel, dass Bootsfahrer von Kiesinseln, die als Brutplatz gekennzeichnet sind, einen möglichst großen Abstand halten müssen. Er sehe nichts Verwerfliches daran, an einer Insel Pause zu machen und "eine Wurstsemmel zu essen". Zudem ärgerte ihn die vorgesehene Beschränkung des Bootfahrens auf der Isar, das nur von 1. Juni bis 15. Oktober und nur zwischen 7 und 20.30 Uhr zulässig sein soll. Diese sei "etwas unglücklich" geraten. CSU-Fraktionssprecher Günther Eibl sah das genauso. Er könne nicht verstehen, dass etwa Kanufahrer im Mai nicht auf den Fluss dürften, wo sich die Schönwetterperiode doch merklich verschiebe, sagte er. Auch frage er sich, warum Frühaufsteher im Sommer bis 7 Uhr warten sollten.

Wie die meisten Stadträte sah Eibl auch keinen Sinn in der Regelung, dass Bootsfahrer maximal 0,5 Promille Alkohol im Blut haben dürfen. Schließlich sei das nicht zu kontrollieren. Die Isarranger dürften keine Tests durchführen, und die Polizei habe dafür nicht die nötigen Kapazitäten. "Das ist eine Lachnummer wenn man es nicht umsetzen kann", sagte Eibl. "Verordnungen machen nur Sinn, wenn die Mehrheit, die sie betrifft, sie auch nachvollziehen kann", sagte der Zweite Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD). Das sei aber nicht der Fall, wenn man im Boot nüchtern bleiben müsse, "auf dem Floß aber hackedicht" sein dürfe. Schnaller wies auch auf eine andere Ungereimtheit hin: So ist laut Absatz 2 "das Anhängen von unbesetzten Beibooten" untersagt und "das Zusammenbinden von Booten nicht zulässig". Das hieße aber doch, dass das Anhängen von besetzten Beibooten erlaubt sei, sagte Schnaller. "Was ist der Unterschied zwischen Anhängen und Zusammenbinden?" Überdenkenswert fanden die Stadträte zudem die Verbote, Boote durchs Flachwasser zu ziehen, aus ihnen heraus ins Wasser zu springen und die Beschränkung auf zehn Personen pro Wasserfahrzeug. Das Verbot von Glasflaschen und -gefäßen hielt der Ausschuss wegen der Verletzungsgefahr indes für unabdingbar.

Zum Entwurf der Verordnung können sich auch Bürger äußern. Er liegt noch bis Freitag, 11. Januar, öffentlich im Rathaus aus und kann auch über die Homepage der Stadt (wolfratshausen.de) heruntergeladen werden.