Sitzung des Stadtrats Eine Million mehr fürs Eisstadion

So soll das Heinz-Schneider-Stadion an der Geretsrieder Jahnstraße spätestens bis zur neuen Saison im Herbst aussehen.

(Foto: Quelle: Kiessler Architekten / München)

Die Geretsrieder Sport- und Freizeitstätte erhält nach 13 Jahren wieder ein Dach. Die Kosten sind schon vor Baubeginn auf 7,3 Millionen Euro angestiegen

Von Felicitas Amler

Überdachung, Sanierung und Ausbau des Geretsrieder Eisstadions sind schon um eine Million teurer geworden, bevor auch nur ein Arbeiter dort Hand angelegt hat. Der Stadtrat hat am Dienstagabend dennoch mit großer Mehrheit beschlossen, das Projekt für derzeit absehbare Kosten von 7,3 Millionen Euro anzugehen. Nach 13 Jahren, in denen der Eissport- und Freizeitbetrieb ohne Dach vonstatten ging, sei dies durchaus eine "historische Stunde", sagte Bürgermeister Michael Müller (CSU). Der Sitzung wohnten ungewöhnlich viele Zuhörer bei, meist aus dem Umfeld der Einrichtung, die vom Verein ESC-Sportstadion in Eigenregie geführt, von den ESC River Rats bespielt wird und als Freizeitstätte jedermann offen steht. Lorenz Weidinger (FW), der das Projekt wie alle anderen bis auf die Grünen und Vera Kraus (FW) befürwortete, wies darauf hin, dass es möglicherweise nicht rechtzeitig zur neuen Eissaison im Oktober fertig werden könnte. Und er prophezeite: "Wenn wir es abgeschlossen haben, wird es weit über acht Millionen kosten."

Baukostensteigerungen sind derzeit allenthalben dem Boom der Branche geschuldet: Wettbewerb findet kaum noch statt, Kommunen erhalten auf Ausschreibungen wenige bis gar keine Angebote - oder völlig überteuerte. So auch in Geretsried. Für den Rohbau habe die Stadt erst kein einziges Angebot bekommen, im zweiten Anlauf dann ein derartig überzogenes, dass die Bauverwaltung die Ausschreibung aufgehoben habe, berichtete der städtische Hochbau-Fachbereichsleiter Christian Müller. Statt der kalkulierten Kosten von rund 595 000 Euro sollten 1,15 Millionen Euro anfallen - 92,5 Prozent mehr. Die Verwaltung ging daher zur freihändigen Vergabe über und handelte mit der Wolfratshauser Krämmel-Gruppe einen immer noch um 65 Prozent über der Kostenberechnung liegenden Betrag von 982 000 Euro aus - "annehmbar", wie Müller sagte: "Die Firma hat sehr viel Entgegenkommen gezeigt."

"Weil wir es uns leisten können"

Die Stadträte begründeten ihr Ja mit einem Bekenntnis zum Eissport. Heidi Dodenhöft (FW) würdigte den Einsatz "dieser Eisleute", die 13 Jahre lang auch ohne Dach Zeit und Herzblut investiert hätten. Als Jugendreferentin müsse sie außerdem sagen: "Eissport ist ein Freizeitangebot, billiger als Skifahren und vor Ort." Sportreferent Wolfgang Werner (SPD) antwortete auf Volker Witte, der die grundsätzliche Ablehnung der Grünen bekräftigt und mit dem Klimawandel begründet hatte.

Werner nannte es "absurd", das Stadion gerade unter dem Aspekt des Klimaschutzes unbedacht zu lassen. Lorenz Weidinger erinnerte daran, dass die erste Schätzung, wie viel das Dach fürs Stadion kosten werde, bei 3,6 Millionen Euro gelegen habe. Die nun angesetzten Kosten seien dennoch keine Katastrophe, so befand er: "Weil wir es uns Gott sei Dank derzeit leisten können. Es ist für unseren Eissport wichtig. Und wir können gar nicht mehr zurück."

Bürgermeister Müller betonte, dass Baupreissteigerungen momentan keineswegs nur das Eisstadion beträfen. Vielmehr habe die Branche Kapazitätsengpässe, Personalmangel und ein schwaches Produktionswachstum. Das führe zu den höchsten Kostensteigerungen seit Jahrzehnten, sagte er. "Das erschwert momentan jedes Bauvorhaben."

Daniel Hock, Geschäftsführer von Kiessler Architekten, stellte den Bauzeitenplan vor. Demnach soll am 1. März mit dem Abbruch begonnen werden, am 15. März mit dem Rohbau. Dies könne sich, da man wegen der Ausschreibungsprobleme bereits drei Wochen verloren habe, etwas verschieben, aber "der Abbruch muss zwingend so schnell wie möglich starten". Das Aufstellen des Dachs ist für 27. Mai terminiert. Dies werde tatsächlich parallel zum Sommerfest auf dem benachbarten Platz an der Jahnstraße geschehen, bestätigte Christian Müller vom Bauamt. Seinen Hinweis, das Sommerfest werde wahrscheinlich in verkleinerter Form stattfinden, wies Bürgermeister Müller zurück.

Das Eisstadion ist für Geretsried, das sich immer auch gern als Sportstadt präsentiert, eine wichtige Adresse. Nach dem verheerenden Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall 2006 hatte man bei einer Überprüfung in Geretsried festgestellt, dass auch hier das Dach einzubrechen drohte und zudem asbesthaltig war. Seitdem lief der Sport- und Freizeitbetrieb an der Jahnstraße unter freiem Himmel.

Die Dachkonstruktion wird nach Zeitplan während des Geretsrieder Sommerfests aufgebaut.

(Foto: Quelle: Kiessler Architekten / München)