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Kommentar:Geschmacklos und engstirnig

Der Faschingswagen der Lenggrieser Burschen war sexistisch und diskriminierend. Das hat auch dem Ansehen der ganzen Gemeinde geschadet.

Von Alexandra Vecchiato

So gedankenlos kann man doch gar nicht sein. Fasching und ein paar Bierchen zu viel - beides ist keine ausreichende Entschuldigung dafür, die Geschlechtsidentität eines Menschen für geschmacklose Witze zu missbrauchen. Was Amanda Reiter beim diesjährigen Lenggrieser Faschingszug erleben musste, ist diskriminierend und sexistisch.

Die jungen Männer, die für den unsäglichen Faschingswagen und dessen Inhalte verantwortlich sind, haben nicht nur Reiter und ihrer Familie Leid zugefügt, sie haben auch dem Ansehen der Gemeinde Lenggries geschadet. Wen wundert es, dass in Online-Foren von der Engstirnigkeit des Isarwinkels die Rede ist.

Hoch anzurechnen ist es Amanda Reiter, die ihre Transsexualität sehr offen lebt, nicht - wie es ihr gutes Recht wäre - juristisch gegen die Verantwortlichen vorzugehen. Das behält sie sich zwar vor, setzt aber in erster Linie auf Aufklärung und auf Austausch. Dafür kann sie - ebenfalls zu Recht - bei dem geplanten Treffen an diesem Freitag eine persönliche Entschuldigung von den Faschingswagenbauern erwarten.

Auch Michael Gascha, Chef des Lenggrieser Faschingsvereins, gebührt Anerkennung. Er steckt nicht den Kopf in den Sand nach dem Motto: Im Fasching ist alles erlaubt. In Gesprächen hat er die verantwortlichen Burschen zu sensibilisieren versucht, dass das Thema ihres Wagens in höchstem Maße kränkend und beleidigend gewesen ist. Er steht in Kontakt zu Peter Priller vom SchuTz-Verein. Gemeinsam möchten sie auf einer Veranstaltung die Thematik aufgreifen - für den Frieden in der Gemeinde und das gute Ansehen des Isarwinkels.

© SZ vom 26.02.2016

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