Serie Winterspuren:Gipfelsammeln in den Vorbergen

Wer die Einsamkeit sucht, geht auf den Angerlkopf und wird mit einem unerwartet schönen Blick auf die oberbayerische Bergwelt belohnt. Entlang des Aufstiegs wurde früher grünfarbener Sandstein gebrochen.

Von Arnold Zimprich

Der Blomberg ist - neben dem Brauneck - der wohl am besten vermarktete Berg im Bad Tölz-Wolfratshauser Landkreis. Blomberg-Sesselbahn, Blomberghaus, Kletterwald am Blomberg, Blomberg-Blitz, Sommerrodelbahn - die Liste der Highlights ist lang, Einsamkeit sucht man hier meist vergeblich.

Keine drei Kilometer Luftlinie vom Blomberg entfernt geht es jedoch deutlich geruhsamer zu - der 1262 Meter hohe Angerlkopf zählt zu den seltener besuchten Landkreisbergen. Und doch lohnt der Aufstieg, denn der Gipfelrücken des Angerlkopfs vermittelt einen unerwartet schönen Blick auf die oberbayerische Bergwelt.

Der Beginn des Aufstiegs zum Angerlkopf ist nicht ganz leicht zu finden - gutes Kartenmaterial ist Voraussetzung, um gleich zu Beginn die Idealroute einzuschlagen. Start ist an der Straße "Am Zwieselberg" in Bad Heilbrunn, der man so lange folgt, bis sie sich in einen Forstweg verwandelt. Bald zweigt rechts ein Steiglein Richtung "Enzenauer Kopf" ab, das dann auf kleinem Steg den Schellenbach überquert. Der Pfad führt in den Hangwald hinauf - für einen Vorberg dieses Formats ungewöhnlich steil.

Serie Winterspuren: Der Weg nach oben ist oft nicht einfach. Steine, Geröll oder wie im Bild der schlammige Abschnitt am Enzenau machen den Aufstieg beschwerlich. Gutes Schuhwerk und Stöcke sind zu empfehlen. Doch wer dann schießlich den Berggipfel erreicht, hat eine herrliche Aussicht.

Der Weg nach oben ist oft nicht einfach. Steine, Geröll oder wie im Bild der schlammige Abschnitt am Enzenau machen den Aufstieg beschwerlich. Gutes Schuhwerk und Stöcke sind zu empfehlen. Doch wer dann schießlich den Berggipfel erreicht, hat eine herrliche Aussicht.

(Foto: Arnold Zimprich)

Gutes Schuhwerk und Stöcke sind zu empfehlen, will man hier bei leichter Schneeauflage nicht einen Schritt vor- und zwei wieder zurück machen, der Untergrund ist lehmig und wird bei Nässe schnell rutschig. Man befindet sich im "Steinbruchhölzl" - benannt nach den Sandsteinbrüchen, wie man sie am Nordwesteck des Enzenauer Kopfes und im Schellenbachtal mehrfach vorfindet. Entlang des Aufstiegs wurde früher grünfarbener Sandstein gebrochen. Dieser "ist in vielen Baudenkmälern Oberbayerns zu finden, unter anderem am Wittelsbacher Brunnen in München, an der Gedächtniskapelle für König Ludwig II. am Starnberger See, an den Torbögen zum Münchner Hofgarten oder auch am ehemaligen Tölzer Amtsgerichtsgebäude", wie der Benediktbeurer Historiker Peter Sindlhauser schreibt. "Man hat auch verstanden, aus dem Stein eine Mauerfarbe zu gewinnen, das sogenannte Beuerer Grien. Grobkörnig wurde es dem Verputz beigemischt. Fensterrahmen und Gesimse bekamen so das Aussehen von grüner Sandstein-Architektur."

Auch der Pfad tangiert unmittelbar einen aufgelassenen Steinbruch, quert einen Fahrweg und führt entlang der Ostflanke des Enzenauer Kopfes in eine kleine Einsattelung. Wanderer tun gut daran, hochschaftige und wasserdichte Schuhe anzuziehen - denn der Pfad wird spätestens hier zu einer sehr schlammigen Angelegenheit und erreicht schließlich eine freie, von Rindviehchern mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft gezogene Almfläche.

Der Weg führt nun in einem Rechtsbogen durch den Bergwald, ehe man unvermittelt auf dem höchsten Punkt des Angerlkopfes steht - und die ungewöhnlich gute Aussicht auf Vorberge rund um die Benediktenwand genießt. Bei guter Sicht tauchen auch höhere Gipfel der Nördlichen Kalkalpen - zum Beispiel die Leutascher Dreitorspitze - ins Blickfeld. Wer schon genug hat oder wem die Zeit davonläuft, geht den gleichen Weg zurück ins Tal. Alle anderen wenden sich gegen Osten, durchschreiten den Enzenanger und steigen schließlich auf steilem Waldpfad hinauf zum Stallauer Kopf.

Brotzeit einpacken

Höhendifferenz: Ohne Besteigung des Zwiesel 570 Meter, inklusive Besteigung des Zwiesel und Abstieg am Stallauer Eck vorbei 690 Meter

Länge: Auf- und Abstieg ohne Besteigung des Zwiesel acht Kilometer, inklusive des Zwiesel und Abstieg am Stallauer Eck vorbei zehn Kilometer

Zeit: Bad Heilbrunn-Angerlkopf etwa 1,5 Stunden; Angerlkopf-Zwiesel rund 45 Minuten; Zwiesel-Bad Heilbrunn zirka 1,5 Stunden

Einkehr: Keine, bei entsprechender Wanderroute kann im Blomberghaus eingekehrt werden

Wissenwertes zu den Steinbrüchen im Schellenbachtal und zu den Almen rund um Angerlkopf und Zwiesel auf: www.agrarkulturerbe.de

Gipfelsammler können noch dem Wander-Paradeberg Zwiesel aufs Haupt steigen und die kurze Strecke zum Stallauer Kopf zurück gehen. Zum Schluss wendet man sich nach Norden und geht den zum Teil stark erodierten Weg Richtung Stallauer Eck hinunter, das man entweder auch noch abhaken oder an seiner Westflanke umgehen kann. Die Aussicht vom Stallauer Eck ist inzwischen sowieso aufgrund sich immer höher reckender Bäume stark eingeschränkt. Durch in den letzten Jahren aufgeforsteten Wald gelangt man wieder hinab Richtung Steinbruchhölzl.

Es gilt, statt dem großen Fahrweg immer wieder den kleinen, abwechslungsreichen Pfad zu erwischen, der unterhaltsamer hinab führt. An einem auffälligen Marterl zweigt man nach links ab und gelangt so wieder zum Ausgangspunkt, der Straße "Am Zwieselhang" in Bad Heilbrunn.

© SZ vom 17.02.2018/shs
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