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Serie Klostergeister:Die Hüter des Hauses

Drei Pförtner empfangen und verabschieden die Gäste im Kloster. Dazwischen lösen sie allerlei Probleme

Von Felicitas Amler

Klostergeister

Freundlicher Empfang: Die drei Pförtner und Museumsaufsichten Christoph Schalasky, Richard Wimmer und ...

(Foto: Hartmut Pöstges)

An dieser Stelle des Klosters Beuerberg, zwei Schritte nach dem Eingang, war bis vor sechs Jahren Ende. An der Pforte kam niemand außer den Schwestern vorbei. Ganz anders heute. Da dient das Fenster mit dem schwarzen Metallgitter geradezu als Entree. Leutselig fragt eine Männerstimme heraus: "So, Sie möchten also in die Ausstellung? Das macht vier Euro pro Person." Christoph Schalasky nennt ungefragt den ermäßigten Preis, denn er hat gleich gesehen, dass die neu angekommenen Besucher ältere Herrschaften sind. Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, fachliche Auskünfte, so zählt Schalaskys Kollege Richard Wimmer auf, das seien die Tugenden, die von den Pförtnern und Museumsaufsehern erwartet würden. "Dem Chef ist es wichtig, dass wir viel mit den Leuten in Kontakt sind."

Der Chef, das ist Christoph Kürzeder, Direktor des Diözesanmuseums Freising und als solcher im fünften Jahr für die Wechselausstellungen in Beuerberg zuständig. Bei ihm haben Wimmer und Schalasky schon zuvor als Museumsaufsichten gearbeitet. Wimmer, 55, hat ursprünglich Maschinenbau gelernt, dann Ver- und Entsorger, aber seit 17 Jahren arbeitet er fest fürs Diözesanmuseum. Schalasky, 28, hat einen Meistertitel als Fotograf. Ins Diözesanmuseum ist er im Wortsinn hineingewachsen: "Meine Eltern hatten eine Wohnung im Museum."

... und Johann Sgoff (von links) wechseln sich im Kloster Beuerberg ab.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

"Mädchen für alles"

Die vertragliche Arbeitsplatzbeschreibung der beiden mag konkreter sein, Wimmer und Schalasky aber umreißen ihren Job in Kloster Beuerberg so: "Wir sind die Ersten und die Letzten im Haus. Die Mädchen für alles." Von halb neun bis gegen sieben Uhr am Abend seien sie meist da, genauso wie der dritte Mann, Johann Sgoff, der aber beim Gespräch mit der SZ nicht dabei sein konnte. "Wir schauen erst mal in alle Räume, prüfen, ob noch alles funktioniert", erklärt Schalasky. Denn von der Sicherheit des Gebäudes bis zu den Exponaten müssten sie auf alles ein Auge haben. Der Auf- und Abbau von Sonderausstellungen gehöre zu ihrem Job und ganz allgemein die "technische Betreuung".

Wie bestellt, kommt gerade ein Besucher an die Pforte, der festgestellt hat, dass der Automat im ersten Ausstellungsraum klemmt. Es ist jener raffinierte Holzschrank mit dem Abbild einer Ordensschwester, der gegen Einwurf einer Münze "deine Tugend für heute" auswirft - Kartonplättchen, auf denen zum Beispiel "Glaube", "Liebe" oder "Vertrauen" steht. Schalasky öffnet den Tugendschrank und bringt die darin verborgene kleine Apparatur mit den vielen Kabeln wieder ins Lot.

Wenn sie morgens aufsperrten, so erzählen die beiden, dann stehe nicht selten schon ein Lieferant vor der Tür, oder es warteten bereits Besucher darauf, ins Café eingelassen zu werden - obwohl Ausstellung wie Klosterküche erst um 10 Uhr geöffnet werden. Aber das sind gewiss nicht die heikelsten Situationen, in die ein Pförtner geraten kann. Natürlich kämen auch Besucher, die keine Maske tragen wollten, berichtet Schalasky, zeigt sich aber ganz entspannt: "Wir haben genügend Masken hier." Man müsse den Leuten eben sagen, dass das die Vorschrift sei. Es sei auch schon vorgekommen, dass einer "nieder mit dieser Diktatur" gerufen habe. Schalasky zuckt die Achseln. Sein Kollege sagt: "Kritikpunkte jeglicher Art werden bei uns abgeladen." Wenn sich mal jemand im Hinausgehen über die Küche beschwert, dann machen die Pförtner einen Scherz: "Seien Sie froh, dass wir nicht für sie gekocht haben!"

"Gott und die Welt"

Manche Besucher scheinen in den Männern an der Pforte Helfer für alle Lebenslagen zu sehen. Wimmer sagt dazu: "Wir sind situationselastisch." Vom Radlreparieren bis zu Auskünften über Gott und die Welt werde alles erledigt. "Die Leute kommen mit allen möglichen Fragen zur Menschheit und zum Universum zu uns", sagt Schalasky - "das googeln wir dann für sie."

Zu den Standardfragen gehöre jene nach der Kirche Sankt Peter und Paul, die auf dem Klostergelände steht. Sie wird seit geraumer Zeit restauriert und ist deshalb nicht öffentlich zugänglich. Schalasky ahmt den typischen Fragesteller nach: "Was ist denn mit der Kirche?" Er bekommt die korrekte Auskunft, insistiert aber: "Oiso ko i jetzt ned neigeh?" Auch Kritik an der katholischen Kirche sei gelegentlich zu hören oder die Generalfrage: "Was ist das hier?!" Die meisten Besucher aber seien umgängliche und freundliche Menschen - oder, wie Richard Wimmer mit seinem trockenen Humor sagt: "De Leit, wo hierherkemma, san koane Zwielichtigen."

Dauerbesucher, meist Bewohner von Beuerberg und der näheren Umgebung, erkennen die Pförtner natürlich, und über die Jahre sind ihnen ganze Familien vertraut geworden. "Das ist nett, die Kinder werden größer, das kriegt man mit, und im Teenageralter wollen sie auf einmal nicht mehr in jeden Workshop." Manche brächten schon mal Kuchen für die Pförtner mit. Wenn nicht, gilt die strikte Regel, die Schalasky mit einem Augenzwinkern vorträgt: "Wir holen um Punkt halb drei Kuchen von der Barbara." Gemeint ist Konditorin Barbara Bauer, die in der Klosterküche backt. "Es ist alles ziemlich familiär hier", sagt Schalasky. Bis hin zum Eurasburger Bürgermeister Moritz Sappl pflegten sie ein gutes Verhältnis. Da kann "der Chef" mit seinem Anspruch an gute Kontaktpflege von der Pforte zum Publikum ganz zufrieden sein, so scheint's.

© SZ vom 11.09.2020

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