Das Loisachufer mit dem Sebastianisteg ist die grüne Schauseite Wolfratshausens. Die 1988 errichtete Holzbrücke mit ihren bemoosten Dachschindeln, die über den Fluss zur Altstadt führt, ist ein beliebtes Fotomotiv und wirkt pittoresk. Doch die überdachte Verbindung für Fußgänger und Radfahrer zwischen Rathaus und Loisachhalle ist marode. Die Stadt muss den bald 40 Jahre alten Steg sanieren und ihn dafür im Herbst für voraussichtlich drei Monate sperren.
Der damalige Bürgermeister Erich Brockard hatte den Steg, der zwischen der Andreas- und der Johannisbrücke liegt, 1988 errichten lassen. Manche Wolfratshauser kritisierten das Vorhaben damals als teures Prestigeprojekt. Mit der Zeit wurde der Sebastianisteg dann zum Wahrzeichen der Stadt. Inzwischen ist er so in die Jahre gekommen, dass die Stadt handeln muss. Die Sanierungsmaßnahme ist für Mitte September bis Mitte Dezember 2026 geplant. Die Gesamtkosten dafür sollen nach jetzigem Stand etwa 420 000 Euro brutto betragen, einschließlich der Honorarkosten für das beauftragte Ingenieurbüro in Höhe von 72 000 Euro.
Bauingenieur Josef Wehbe stellte das Sanierungskonzept im Bauausschuss des Stadtrats vor. Er berichtete von „großflächig verrotteten Dachschindeln“ und teils „sehr morschem Geländer“. Zudem sei der Bodenbelag stark abgenutzt und damit insbesondere für Radfahrer zu rutschig. Künftig sollen installierte Riffelbleche in diesem Punkt Abhilfe schaffen.
Die Schäden wurden bei den regelmäßigen Sicherheitsprüfungen an der Brücke festgestellt. Diese Arbeiten sind bislang teuer und aufwendig. Deshalb schlug Wehbe vor, an der Unterseite des Sebastianistegs eine Gerüstkonstruktion mit klappbarem Metallrahmen anzubringen, die dauerhaft installiert bleiben soll. So lassen sich bei künftigen Sicherheitsprüfungen Kosten sparen, weil keine Arbeitsplattformen mehr zeitlich begrenzt aufgebaut werden müssen.
Das Dach bekommt neue Schindeln
„Ich finde die Lösung eigentlich genial“, äußerte sich Grünen-Stadtrat René Beysel. Allerdings hatte er auch Bedenken, dass die Gerüstkonstruktion an der Unterseite das Erscheinungsbild des Stegs beeinträchtigen könnte. Bauingenieur Wehbe erwiderte, dass sich diese Einbauten unauffällig gestalten ließen.
Das Dach soll nach Planung der Ingenieure künftig mit geschlagenen statt nur gesägten Schindeln aus Rotzeder oder Lärche eingedeckt werden. „Wir werden nie wieder damit zu tun haben“, prophezeite Wehbe. „Das hält wirklich lange, wenn es gut gemacht ist.“

