Schwimmen in Dietramszell:Ascholding als Rettungsring

Die DLRG darf das kleine Bad weiter betreiben - bis es Ersatz in Wolfratshausen gibt.

Von Petra Schneider

Immer weniger Kinder können schwimmen, weil wegen Corona kaum Schwimmkurse stattfinden. Die Pandemie hat die Situation jedoch nur verschärft, denn was fehlt, sind Schwimmbecken - besonders im Nordlandkreis: Das Lehrschwimmbecken in Weidach wurde bereits vor fünf Jahren wegen technischer Mängel geschlossen, das Geretsrieder Hallenbad an der Jahnstraße wegen Corona. Das interkommunale Hallenbad soll zwar zum neuen Schuljahr öffnen. "Aber die Kapazitäten werden nicht ausreichen", fürchtet Robert Klingel, Vorsitzender der DLRG Schäftlarn-Wolfratshausen.

Nach der Schließung von Weidach war die DLRG ins Ascholdinger Hallenbad ausgewichen, um das Rettungsschwimmertraining und die Schwimmkurse zu sichern. Aber auch dessen Ende ist beschlossene Sache; endgültig trocken gelegt werden sollte es, wenn das Interkommunalen Hallenbad im September öffnet. Die DLRG hat der Gemeinde Dietramszell nun einen Vorschlag gemacht, der am Dienstag einstimmig befürwortet wurde: Sie will das Ascholdinger Hallenbad als Trägerin von der Gemeinde pachten und solange betreiben, bis das neue Lehrschwimmbecken an der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg in Wolfratshausen fertig ist. Geplant ist das für 2024.

Zu diesem Zweck will die DLRG für drei Jahre eine gemeinnützige Gesellschaft gründen, die alle organisatorischen Aufgaben übernimmt. Die Versicherung soll weiterhin über die Gemeinde laufen, die aber ansonsten "raus ist", wie Bürgermeister Josef Hauser (FW) erklärte. Die Verträge sollen ab 1. September gelten, jährlich abgeschlossen werden und bis 2024 laufen. Die DLRG, die das Bad seit Jahren kennt, hält den vorübergehenden Weiterbetrieb für machbar. "Wir haben uns mit den Zahlen der letzten fünf Jahre beschäftigt", sagt Klingel. Mit Einnahmen aus Schwimmkursen und Belegungsgebühren anderer Rettungsorganisationen "kommen wir auf null raus, natürlich ehrenamtlich". Für Bürger soll die Nutzung des Ascholdinger Bads "in gewissem Umfang" möglich sein, sagte Klingel. Sprich: Nur noch DLRG-Mitglieder können dort schwimmen, "weil die Behörden keinen öffentlichen Badebetrieb mehr in Ascholding wollen". Derzeit laufen die Schwimmkurse bereits wieder, wegen Corona allerdings mit reduzierter Teilnehmerzahl. Zusätzliche Kurse "waren schneller voll, als wir gucken konnten", sagt Klingel. Es gebe bereits wieder eine Warteliste.

Im Gemeinderat fand der Vorschlag volle Unterstützung. "Eine gute Sache, unsere Kinder sollen Schwimmunterricht haben", sagte Anton Huber (BLD). Auch wenn die technischen Bedingungen des Bads "nicht ideal" seien, wie Thomas Bachmeier (CSU) sagte. "Wenn größere Reparaturen anfallen, die die DLRG nicht stemmen kann, wird das Hallenbad sofort geschlossen", erklärte Bürgermeister Hauser. Dann ende der Vertrag mit dem Betreiber. Bernhard Fuchs (FW) verwies auf den "gigantischen Ölverbrauch" des Bads: bis zu 65 000 Liter pro Jahr, die Kosten beliefen sich auf 60 000 Euro. Die Wassertemperaturen würden niedrig gehalten, versicherte Hauser, "wir sind kein Wohlfühlbad". Das fast 50 Jahre alte marode Bad hatte zuletzt in jährliches Defizit von rund 40 000 Euro verursacht. Dietramszell war deshalb eine der ersten Kommunen, die sich für eine Beteiligung in Geretsried ausgesprochen hatte.

© SZ vom 08.07.2021
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