Sanierung Die Stadt steckt Millionen in die Modernisierung ihrer Schullandheime

Was auf den ersten Blick idyllisch anmutet, muss mittlerweile auf den Stand der Zeit gebracht werden. Zum Beispiel das Heim in Maxhofen.

(Foto: Claus Schunk)
  • München bietet in Schullandheimen 314 Betten für Schüler sowie 27 Übernachtungsmöglichkeiten für erwachsene Begleitpersonen.
  • Doch einige Unterkünfte sind marode und sollen saniert werden.
  • Zur Wahl stehen verschiedene Konzepte für die Gebäude.
Von Christian Schlodder und Jakob Wetzel

Es ist derzeit ungemütlich im städtischen Schullandheim Seeheim am Starnberger See. Duschen und Toiletten sind feucht, es schimmelt. Die Heizung läuft allenfalls im Notbetrieb, denn der Erdöltank musste Ende 2016 stillgelegt werden, er ist undicht. Die Einrichtung ist unpraktisch, Küche und Speisesaal liegen auf unterschiedlichen Stockwerken. Auch barrierefrei ist das Gebäude nicht. Die Fluchtwege sind nicht sicher und der Brandschutz sowie die Elektrik veraltet. Insgesamt sei die Anlage "im derzeitigen Zustand nicht nutzbar", heißt es in einer Bestandsaufnahme der Stadt. Das Heim steht deshalb seit zwei Jahren leer. Doch das soll sich jetzt ändern.

Die Stadt München will ihre Schullandheime sanieren - und das Haus in Seeheim soll den Anfang machen. An diesem Mittwoch hat der Bildungsausschuss beschlossen, dass das Schullandheim mit Platz für bis zu 77 Schülerinnen und Schüler für bis zu vier Millionen Euro grundsaniert werden soll. Geplant sind neben den dringend nötigen Renovierungsarbeiten unter anderem eine neue Heizzentrale und ein Aufzug. Lehrer sollen künftig eigene Sanitärräume haben und sich diese nicht mehr mit Schülern teilen müssen. Und auch der Speisesaal soll verlagert werden. Die Umbauten sollen bereits im Jahr 2019 beginnen.

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Und Seeheim ist nur der Anfang: Sind die Arbeiten dort abgeschlossen, soll das nahegelegene Schullandheim Ambach saniert werden. Hier liegt bereits eine Machbarkeitsstudie vor, und die Bauarbeiten sollen binnen der kommenden vier Jahre beginnen. Bis dahin sollte Seeheim also fertig sein. Als drittes ist gedacht, das Schloss in Maxhofen im Landkreis Rosenheim zu renovieren. Alle drei Schullandheime sollen "auf ein zeitgemäßes Niveau verbessert werden", heißt es in der Vorlage für den Ausschuss. Dazu müssten überall vor allem die Sanitärräume renoviert werden. Es soll drahtloses Internet geben. Der Brandschutz muss überprüft werden. Und die Stadt will zusätzliche Zimmer für Seminare und Gruppen schaffen sowie Räume, in denen die Schüler Sport treiben können. Die Zahl der Betten soll dabei aber nicht sinken; deshalb denkt die Stadt darüber nach, die Häuser zu erweitern oder zum Beispiel die Dachgeschosse auszubauen.

Um die Sanierungspläne der Stadt wurde zuletzt lange gerungen. Im Gespräch war vor Jahren gar, das Schullandheim Seeheim zu verkaufen, um mit dem Erlös die anderen Heime vergrößern und modernisieren zu können. Als klar war, dass ein Verkauf zu wenig Geld einbringen würde, war die Rede davon, das Haus erst einmal punktuell auszubessern. Jetzt aber ist klar: Dafür ist der Sanierungsbedarf zu groß.

Das Schullandheim Seeheim ist bereits seit dem Sommer 2014 außer Betrieb. Im September jenes Jahres zogen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in die Anlage und belegten sie bis April 2016. Jetzt hat die Stadt freie Hand. Zur Wahl standen dabei drei Sanierungskonzepte. Die Minimallösung wäre gewesen, lediglich die Bausubstanz zu sichern und die Heizungsanlage zu erneuern. Die von der Stadtverwaltung bevorzugte Alternative war, zusätzlich umzubauen, also etwa einen Aufzug zu installieren, den Speisesaal zur Küche zu verlegen und einen neuen Rettungsweg einzurichten, damit auch das Dachgeschoss genutzt werden kann. Eine dritte Option ging darüber noch hinaus: Sie sah vor, eigene Sanitärzellen in jedes Mehrbettzimmer einzubauen.

Die Sanierung des städtischen Schullandheims Seeheim soll allein vier Millionen Euro kosten.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Davon nahm die Stadtverwaltung jedoch Abstand: Dann würde man Platz verlieren, hieß es in der Vorlage. Die vielen Sanitärzellen würden die Bettenzahl verringern, im restlichen Gebäude lasse sich das nicht kompensieren - und damit würde der Betrieb die Stadt noch mehr Geld kosten als ohnehin. Auch der Einbau einer Solaranlage zur Stromgewinnung wurde verworfen: Auf dem Grundstück stünden zu viele Bäume, es gebe zu viel Schatten. Beschlossen wurde die Variante zwei.

Kostendeckend arbeiten die Schullandheime der Stadt ohnehin nicht. Insgesamt betreibt sie zurzeit fünf: Neben den Häusern in Seeheim, Ambach und Maxhofen betreibt sie noch ein Heim in Pöcking am Starnberger See und eines am Schliersee. Ein sechstes Schullandheim an der Olympia-Regattaanlage im Münchner Norden ist dagegen derzeit komplett außer Betrieb; hier stehe noch nicht fest, wie es weitergeht, teilt das Bildungsreferat mit. Wie viel Geld die Stadt bei allen Häusern regelmäßig zuschießen müsse, sei schwer zu sagen, sagt eine Sprecherin; die Summen würden variieren. Zuletzt bezifferte die Stadt ihre Betriebskosten im Jahr 2015 auf insgesamt etwa 2,5 Millionen Euro.

München investiert das Geld, um attraktive Lern- und Bildungsorte bereitzustellen; die Häuser stehen dabei vor allem Münchner Schulen, Kitas und Tagesheimen offen, können aber auch von anderen Gruppen genutzt werden, solange sie gemeinnützig sind. Auch Vereinen und Kirchengemeinden stehen die Anlagen offen; diese müssen dann aber mehr für die Übernachtung bezahlen als den Schülerpreis von 25 Euro pro Kopf und Nacht.

Insgesamt bietet die Stadt derzeit 314 Betten für Schüler; dazu kommen 27 Übernachtungsmöglichkeiten für erwachsene Begleitpersonen. Allerdings waren die Häuser zuletzt nur zu etwa 70 Prozent ausgelastet, weil einige wegen Baumaßnahmen nur zum Teil belegt werden konnten, erklärt das Bildungsreferat. Dem soll nun abgeholfen werden. Neben den aktuellen Plänen stünden dann keine Sanierungen mehr an.