Süddeutsche Zeitung

Schützenstraße:Unbekannte Gäste unterm Dach

Auf dem Speicher eines Tölzer Wohnhauses findet sich eine Truhe mit Porträts

Wie die schwere Holztruhe auf den Dachboden gekommen ist, kann sich Marlies Jochner nicht erklären. Der Speicher des um 1870 erbauten Hauses ist nur über eine schmale Luke erreichbar, der Raum so niedrig, dass man sich nur kriechend fortbewegen kann. Vor neun Jahren haben die Jochners das Haus in der Schützenstraße gekauft. Ihr Sohn habe die schön gestaltete Truhe kürzlich beim Aufräumen in der hintersten Ecke entdeckt. Allerhand Gerümpel sei darin zum Vorschein gekommen, erzählt Marlies Jochner. Und drei Bilder: Fotografien eines Paares - eine ernst blickende junge Frau mit Hochsteckfrisur, ihr Mann in Uniform und mit frechem Schnäuzer. Auch die Fotografie eines akkurat gescheitelten jungen Mannes in Anzug und Krawatte fand sich in der Truhe. Namen oder Jahreszahlen waren unter den Porträts nicht vermerkt, auch in der Nachbarschaft wisse niemand etwas über die Abgebildeten.

Was also tun? "Wegschmeißen wollte ich die Bilder auf keinen Fall", sagt Jochner. Vielleicht gebe es ja Leser, die Hinweise zu den Personen auf den Fotografien gegeben könnten oder einen persönlichen Bezug hätten, hofft sie.

Ihr Haus in der Schützenstraße hat sein Gesicht längst verändert. Als es gebaut wurde, hieß die Straße im Badeteil noch "Am Krankenheil". Das Gebäude habe im Lauf der Jahre eine kleine Wirtschaft, einen Lebensmittelladen und einen Schneider beherbergt, das lasse sich aus einem ebenfalls in der Truhe gefundenen Kassenbuch schließen. "In den letzten 30 Jahren war das ein Wohnhaus", sagt Jochner. Diverse Umbauten seien vorgenommen worden. So habe das Gebäude nachträglich einen Keller bekommen, und bei einer Erneuerung des Dachstuhls sei wohl die Truhe dort gelandet. Der Grundriss ihres Hauses sei "ungewöhnlich", sagt Jochner. "Aber von außen sieht das heute aus wie eine ganz normale Doppelhaushälfte."

Wer Kontakt zu Marlies Jochner bezüglich der Fotografien aufnehmen will, wendet sich an die SZ-Redaktion in Wolfratshausen unter der Telefonnummer 08171-431610.

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Quelle:
SZ vom 18.09.2019
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