SchriftstellerOasen jenseits der Schule

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Friedrich Anis literarische Karriere begann am Gymnasium Bad Tölz

Von Felix Haselsteiner, Bad Tölz

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Wenn sich Friedrich Ani an seine Kindheit in Bad Tölz erinnert, ist nicht alles rosig. "Die Schule", sagt Ani, "habe ich nicht allzu positiv in Erinnerung." Der normale Unterricht habe ihn nie wirklich interessiert. Bis auf Musik, Sport und die Beschäftigung mit literarischen Werken von Thomas Bernhard im Deutschunterricht habe er viele Fächer während der neun Jahre am Gymnasium hinterfragt. Die Rettung - die "lichten Momente" - lag in der Tölzer Innenstadt. Im Poststüberl mit einem Spielautomaten und dem ein oder anderen Bier. In der Buchhandlung von Johanna Zantl in der Innenstadt: "Da musste ich regelmäßig hin, das war eine Oase für mich - und der bin ich bis heute sehr freundschaftlich verbunden."

Man könnte also sagen, dass das Aufwachsen in Bad Tölz an der beeindruckenden literarischen Karriere von Friedrich Ani einen gewissen Anteil hatte, für die der Schriftsteller in diesem Jahr den Kulturehrenbrief des Landkreises erhält. Eine große Zahl von Werken hat Ani in seiner Karriere verfasst, darunter 21 Romane, die sich um den Protagonisten Tabor Süden drehen, und vier Drehbücher für ARD-Tatorte. Mehrfach hat er dafür den deutschen Krimi-Preis gewonnen, zudem eine Romy, einen Grimme-Preis, den Tukan-Preis der Stadt München und den Bayerischen Fernsehpreis.

Über eine E-Mail aus Bad Tölz war Ani dennoch "ebenso überrascht wie erfreut". Unspektakulär per Mail-Brief vom Landratsamt habe er von seiner Auszeichnung erfahren, sagt Ani. "Ich wusste ja ehrlich gesagt gar nicht davon, dass es den Preis gibt." Im Landratsamt hatte man Ani hingegen schon länger auf der Liste derjenigen, die eine Auszeichnung verdient hätten. "Ich finde sein literarisches Werk äußerst beeindruckend", sagt Landrat Josef Niedermaier. Und er bekräftigt, dass Anis Schulzeit in Bad Tölz ein wichtiger Faktor war - für die Auszeichnung jedenfalls. "Als ich in der fünften Klasse war, war Ani gerade Chef bei der Schülerzeitung Prisma. Seitdem lese ich seine Texte", sagt Niedermaier.

Anis Überraschung rührt auch daher, dass er sich nicht als "schriftstellerischen Landschaftsmaler" sieht, sondern vielmehr als Großstadtautor. Die meisten seiner Werke spielen in großen Städten. Ani führt dies auf seine Geburtsstadt Kochel am See zurück, genauer gesagt: auf die Momente, wenn er aus der Kleinstadt rauskam. "Wenn ich bei Reisen nach München das erste Hochhaus gesehen habe, war ich schon glücklich. Die Berge waren mir dagegen immer fremd."

Die Hauptbezugspunkte in der Region, die Ani nun für sein Lebenswerk auszeichnet, sind seine Mutter, die noch immer in Kochel am See lebt, und die von Buchhändlerin Zantl veranstalteten Lesungen. "Für die komme ich jederzeit", sagt er. Auch über die Verleihung des Kulturpreises an Ort und Stelle würde Ani sich freuen. Die Auszeichnung könnte womöglich dazu führen, dass der Stadtmensch Ani wieder häufiger nach Bad Tölz in seine alte Heimat kommt. Ein Kulturehrenbrief für das Lebenswerk lege einem schließlich nahe, dass "man dann auch fertig sei als Autor". Vielleicht, sagt Ani, "wird es deshalb mal Zeit, dass ich nach Tölz auf Kur fahre."

© SZ vom 12.12.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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