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Schnelles Internet auf dem Land:Die Letzten werden die Ersten sein

Dank Höfebonus kann Egling ausgerechnet jene mit schnellstem Internet ausstatten, die bisher die langsamsten Verbindungen hatten. Die Investition von knapp einer Million wird zum Großteil gefördert.

Wer in der Gemeinde Egling bislang auf schnelles Internet hat warten müssen, wird wohl in Zukunft alle anderen auf der Datenautobahn überholen. Denn einstimmig hat der Gemeinderat am Dienstag beschlossen, den Breitbandausbau für jene Gebiete auszuschreiben, die derzeit noch mit unter 30 Mbit pro Sekunde ins Netz gehen. Mindestens 80 Prozent dieser Weiler sollen dann mit Glasfaser ausgebaut werden - und zwar als "Fibre to the Building" (FTTB), zu Deutsch: Glasfaser bis ans Gebäude. Damit werden Geschwindigkeiten bis zu 400 Mbit pro Sekunde erreicht, und für künftigen Breitbandbedarf hat diese Form des Internets auch noch Ausbaureserven. Möglich macht die Ausschreibung ein neues Förderprogramm, der sogenannte Höfebonus. Denn der Ausbau der entlegeneren Weiler Eglings wie Hornstein, Aumühle-Deining, Schönberg, Öhnböck-Nord, Bullreuth-Wörschhausen, Geilertshausen und Sachsenhausen wird nicht billig: Etwa 30 Kilometer Glasfaser müssen dazu verlegt werden, insgesamt rechnet die Kommune mit Kosten von rund 970 000 Euro. Doch Egling könnte dazu mehr als 775 000 Euro Förderung aus dem Höfebonus erhalten, wie der Ingenieur Michael Himmelstoß von der Firma IK-T am Dienstag erläuterte. Hauseigentümer müssen allerdings noch mit etwa 800 Euro Kosten rechnen für den Hausanschluss.

"Der größte Teil der Flächenkommune ist ja bereits erschlossen, aber kleinere Flecken haben eben noch Versorgungsbedarf", sagte Himmelstoß. In mehreren Förderverfahren hatte Egling in den vergangenen Jahren bereits den Breitbandausbau vorangetrieben. Allerdings hatte die Telekom dabei überwiegend auf VDSL-Technik gesetzt. Diese nutzt von den Kabelverzweigern ab als letztes Stück zu den Kunden nach wie vor die bestehenden Kupferdrahtleitungen und ertüchtigt diese lediglich. Das Problem: Kupferdraht bremst Meter für Meter die Signalstärke. "Durch Verbesserungen sind mit dieser Technik maximal 100 Mbit pro Sekunde zu schaffen", sagte Himmelstoß.

Doch abgelegene Höfe und Weiler könnte man durch diese Form des Breitbandausbaus schlichtweg nicht mehr erreichen: "Die Kupferdrahtleitungen sind dann so lange, dass nichts mehr ankommt", so der Ingenieur. Folglich komme für sie nur die zukunftsträchtige Glasfaser in Betracht, weshalb das Förderprogramm auch auf mindestens 80 Prozent Glasfaserausbau setzt. Daran zu partizipieren sei für Egling ein "richtiger und wichtiger Schritt in die Zukunft", sagte Bürgermeister Hubert Oberhauser (FW). Damit wäre ein großer Bereich erschlossen mit sehr guter Breitbandversorgung, "und man bringt Glasfaser schon mal in die Fläche raus, bei der nächsten Ausbaustufe kann man da anknüpfen", sagte Himmelstoß. 102 Anschlüsse sollen laut Oberhauser nun durch das Höfe-Programm in der Kommune geschaffen werden. "Danach haben wir nur noch 24 Anschlüsse, die noch offen sind."

Im Anschluss votierten die Gemeinderäte ebenso einstimmig dafür, auch einen FTTB-Masterplan erstellen zu lassen. Die Kommune setzt nämlich aufgrund des permanent steigenden Bandbreitenbedarfs langfristig auf weiteren Glasfaserausbau - auch in den bereits ausgebauten Gebieten. "Schritt für Schritt in die Zukunft", nannte Oberhauser das. Die Kosten für die Errichtung einer flächendeckenden Glasfaserinfrastruktur könnten ihm zufolge gesenkt werden, indem bei allen künftigen Tiefbaumaßnahmen Leerrohre bis zu den Grundstücken mitverlegt werden. Dazu ist aber ein Plan erforderlich, der aufzeigt, wo bereits Leerrohre verlegt sind und wo künftig welche sinnvoll wären. Für die Kosten von etwa 25600 Euro hat die Gemeinde bereits einen Zuwendungsbescheid erhalten.

© SZ vom 22.02.2018
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