Schließung von HAP "Das ist eine Sauerei"

350 HAP-Mitarbeiter demonstrieren vor dem Werkstor.

(Foto: Alexandra Vecchiato)

Nach der angekündigten Werksschließung sind die Mitarbeiter von Hörmann Automotive in Penzberg aufgebracht. Zwar will das Unternehmen 20 Millionen Euro an Entschädigung zahlen. Der Betriebsrat jedoch bezweifelt, dass diese Summe reichen wird.

Von Alexandra Vecchiato

Das ist bitter. Das muss ich erst sacken lassen." Die Stimmung unter den Mitarbeitern bei Hörmann Automotive Penzberg (HAP) ist nach der Ankündigung, dass das Werk an der Seeshaupter Straße bis Ende Juni 2020 geschlossen werden soll, auf dem Tiefpunkt. Ihrem Frust und Ärger machten 350 Mitarbeiter am Donnerstag vor dem Werktor bei einer Protestkundgebung Luft. Währenddessen stand der Betrieb still. Von der Schließung betroffen sind insgesamt rund 630 Festangestellte und 90 Leiharbeiter, die momentan bei HAP arbeiten.

Die Unsicherheit unter den Betroffenen ist groß. Soll man gleich auf die Suche nach einem neuen Job gehen oder abwarten, ob Abfindungen gezahlt werden. 20 Millionen Euro möchte der Konzern als "umfassendes Sozialpaket" bereitstellen, wie es Michael Radke, CEO der Hörmann-Gruppe, formulierte. Bei diesem Punkt besteht für die Gewerkschaft Klärungsbedarf. Diese Summe sei nach ihren Berechnungen allein für die Sozialplanabfindungen der Mitarbeiter notwendig, sagte Daniela Fischer von der IG Metall Weilheim. Wenn sie höre, dass davon aber auch der Härtefallfonds und Qualifizierungsmaßnahmen bezahlt werden sollen, kämen Zweifel auf. Einig sind sich Gewerkschaft und Betriebsrat, dass die 20 Millionen in den nächsten Tagen per Unterschrift vom Konzern zugesichert werden müssen. Zumal in der Pressemitteilung, die die Hörmann Industries GmbH am Donnerstag zur Schließung des Penzberger Werks verschickte, zu lesen ist, dass das mittelständische Unternehmen seine "soziale Verantwortung im Rahmen der begrenzten finanziellen Möglichkeiten bestmöglich wahrnehmen" wolle.

Es ist ebendiese Pressemitteilung, die die Mitarbeiter besonders wütend macht. Die Hörmann-Gruppe hatte die Öffentlichkeit schon vormittags über die Werksschließung informiert, ehe diese am Nachmittag den Betroffenen mitgeteilt wurde. Der Betriebsratsvorsitzende Thomas Nachtmann schilderte, wie ihn die Nachricht erreicht habe. Er sei noch im Bett gelegen, weil er sich zwei Gleittage genommen habe, als ihn ein Kollege anrief: "Die Holding ist im Anmarsch." Zehn Minuten später dann der zweite Anruf - da sei dann schon klar gewesen, worauf es hinausläuft. Das ist eine Sauerei", so Nachtmann.

"Das ist unterste Schublade", schimpfte auch Betriebsrat Bayram Yerli vor dem Werkstor. "Geht man so mit Mitarbeitern um, die seit Jahrzehnten Qualität abliefern?" Er rief seine Kollegen dazu auf, den Betriebsrat und die IG Metall zu unterstützen: "Seid solidarisch beim Kampf um unser Recht, Abfindungen zu bekommen."Auch Nachtmann rief dazu auf, wegen der bevorstehenden Verhandlungen über Sozialplan und Abfindungen zusammenzustehen. "Jetzt wird es ums Geld gehen", sagte Nachtmann. "Wir werden uns nicht monatelang hinhalten und dann in den Arsch treten lassen." Dem Konzern warf der Betriebsratsvorsitzende vor, es jahrelang versäumt zu haben, das Penzberger Werk zu modernisieren, während die Belegschaft durch ihren Lohnverzicht rund 30 Millionen Euro für Investitionen beisteuerte. "Wir wollten wettbewerbsfähig werden", rief er in die Runde.

Betriebsrat, Gewerkschaft und Firmenleitung trafen sich zur Aussprache im Rathaus.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Michael Radke erklärte bei einem von Bürgermeisterin Elke Zehetner (parteifrei/SPD) kurzfristig am späten Nachmittag angesetzten Pressegespräch, dass der Konzern gezwungen gewesen sei, diese Entscheidung zu treffen. "Das Werk kann sich aus eigener Kraft nicht mehr finanzieren." Gutachten hätten ergeben, dass HAP bis 2023 nicht in die schwarzen Zahlen zurückkehren werde. Im Jahr 2018 belaufe sich das Defizit auf 4,6 Millionen Euro. Die Gesellschaft rechnet in diesem Jahr erneut mit mehr als acht Millionen Verlust.

Grund für die schlechte wirtschaftliche Lage sei der Preiskampf in der Nutzfahrzeugindustrie. Zwar seien die Kunden von HAP, darunter MAN, Daimler Trucks, Jungheinrich oder John Deere, stets zufrieden mit der Qualität der Produkte aus Penzberg gewesen. Doch wären sie nicht bereit, diese teuer zu kaufen, wenn es die Blechfahrzeugteile günstiger im Ausland gebe. So habe das Werk in jüngster Zeit Aufträge für 30 Millionen Euro verloren, sagte Radke. Für die Mitarbeiter, die ihren Job verlieren, wolle man Lösungen finden.