Zwist um Bauvorhaben:Whisky-Destillerie vor dem Aus

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Ob in Schlehdorf auch einmal Whisky produziert wird wie in der Destillerie Yserrain in Ismaning bleibt fraglich. (Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Gemeinde Schlehdorf und Investor Christian Heinrich streiten sich wegen nicht eingereichter Unterlagen und verstrichener Fristen - und sehen sich vermutlich vor Gericht wieder.

Von Alexandra Vecchiato, Schlehdorf

Die geplante Getreidemanufaktur mit Whisky-Destillerie in Schlehdorf steht vor dem Aus. Zumindest hat der Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung beschlossen, das Grundstück von Investor Christian Heinrich zurückzukaufen. Diese Option sei im Kaufvertrag so geregelt, sagt Bürgermeister Stefan Jocher (Wählergruppe Loisach), sollten gewisse Vorgaben nicht erfüllt werden. "Und das ist der Fall", erklärt Jocher. Der Iffeldorfer Unternehmer Heinrich sieht das anders und pocht auf den städtebaulichen Vertrag mit der Kommune. Beide Parteien schließen nicht aus, die Sache vor Gericht gegeneinander auszufechten.

Die Pläne für das "Schlehwerk" - so der Name der geplanten Getreidemanufaktur - sind nicht neu. Seit Jahren befasst sich der Schlehdorfer Gemeinderat damit. Heinrich musste nach eigenem Bekunden seine Pläne immer wieder anpassen. 2015 ging es los. Eine "Getreideerlebniswelt" wollte Heinrich schaffen mit Seminarraum, Übernachtungsmöglichkeiten und vielem mehr. Das gefiel der Gemeinde nicht. Aus Sorge um die örtliche Gastronomie, die Übernachtungsbetriebe und den Einzelhandel wie den Dorfladen verweigerte das Ratsgremium zunächst seine Zustimmung. Der Iffeldorfer Investor verkleinerte daraufhin das angestrebte Gebäude. Schließlich stimmte der Gemeinderat im April vergangenen Jahres den abgespeckten Plänen zu. Damit war der Weg frei für die Whisky-Destillerie auf dem letzten freien Grundstück im Gewerbegebiet "An der Breiten".

"Wir haben dem Investor lange genug Zeit gelassen", sagt Schlehdorfs Bürgermeister Stefan Jocher. (Foto: Hartmut Pöstges)

Ein Jahr später sieht nun alles wieder ganz anders aus. Vor ein paar Wochen teilte Bürgermeister Jocher in der Bürgerversammlung öffentlich mit, da Ende 2023 immer noch keine vollständigen Bauunterlagen vorgelegen hätten, habe der Gemeinderat einstimmig den Wiederkauf des Grundstücks beschlossen. Der Rückkauf sei bereits notariell beurkundet. Allerdings habe der Grundstückseigentümer den Termin nicht wahrgenommen. Wie Heinrich der SZ bestätigt, habe er das auch nicht vor. Er habe inzwischen für Grundstückserwerb, Pläne und Gutachten Hunderttausende Euro investiert - ein Vielfaches des ursprünglichen Kaufpreises für die Gewerbefläche. Allein deshalb wolle er dem Rückerwerb, wie ihn sich die Gemeinde Schlehdorf vorstelle, nicht zustimmen. "Das Grundstück ist durch die genehmigte Nutzung allein schon viel wertvoller geworden."

Christian Heinrich hält an seinem Vorhaben fest, eine Whisky-Destillerie in Schlehdorf zu bauen. (Foto: Manfred Neubauer)

Aus seiner Sicht haben er und sein Planungsteam alle Unterlagen fristgerecht eingereicht. Bis Februar 2023 seien alle erforderlichen Unterlagen für eine Baugenehmigung beim Landratsamt eingegangen. Von der Kreisbehörde habe er noch im selben Monat eine Bestätigung bekommen, "dass unsere Unterlagen vollständig da sind". Zwar habe das Landratsamt drei Monate später ein Schallschutzgutachten nachgefordert, aber das "haben wir umgehend beauftragt". Das Gutachten habe allerdings einige Zeit in Anspruch genommen. Doch dafür könne er nichts, betont Heinrich. Der Bauantrag habe dem Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen zur Genehmigung vorgelegen. Diese sei am 25. März dieses Jahres erteilt worden, sagt Heinrich.

Der Iffeldorfer pocht im Übrigen auf den städtebaulichen Vertrag zwischen ihm und der Gemeinde Schlehdorf. Dort sei festgeschrieben, dass die Kommune ein Rückkaufsrecht habe, wenn bis Januar 2025 nicht mit dem Bau der Getreidemanufaktur begonnen wurde. "Wir mussten erst einmal die Baugenehmigung abwarten, um Gespräche mit Banken und Geldgebern führen zu können. Das kann man nur, wenn es die Sicherheit gibt, dass das Projekt genehmigt ist", betont Heinrich. Er sei davon ausgegangen, noch in diesem Jahr mit den Arbeiten auf seinem Grundstück beginnen zu können.

Die Kommune soll den Rückkauf zurückziehen, fordert Heinrichs Anwalt

Jocher sieht das anders. Ja, meint er, die Frist im städtebaulichen Vertrag stimme, und schiebt ein großes "Aber" hinterher: Bis Dezember 2023 hätten beim Landratsamt nicht alle Bauantragsunterlagen vollständig vorgelegen. Heinrich hätte jedoch sechs Monate nach Inkrafttreten der Bebauungsplanänderung im August 2022 den Bauantrag vollständig einreichen müssen, also bis März 2023. "Das hat er nicht getan", sagt der Schlehdorfer Bürgermeister, der auch nicht erfreut darüber ist, dass Heinrich den Notartermin für den Rückkauf ignoriert hat.

Der Iffeldorfer hat mittlerweile einen Anwalt mit der Klärung beauftragt. Dieser hat der Gemeinde Schlehdorf bis zum 26. April eine Frist gesetzt, den Bescheid über den Rückkauf des Gewerbegrundstücks zurückzuziehen. Sollte das nicht passieren, sehe man sich vor Gericht wieder. Dass die Angelegenheit nur noch auf juristischem Wege zu klären ist, sieht auch Jocher. Pläne, wie das besagte Grundstück "An der Breiten" anderweitig genutzt werden könnte, gebe es nicht, erklärt der Bürgermeister. "Wir warten ab, wie die Sache ausgeht."

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Von Alexandra Vecchiato

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