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Penzberg:Widerstand gegen Abrisspläne

Schlachthof Penzberg Denkmalschützer Ortsbesichtigung

Seit zwei Jahren steht der ehemalige Schlachthof in Penzberg leer. Das städtische Bauamt bewertet die Bausubstanz als schlecht. Das sehen die örtlichen Denkmalschützer anders und wünschen sich eine Ortsbesichtigung zur Meinungsbildung.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Verein für Denkmalpflege und Penzberger Stadtgeschichte möchte den alten Schlachthof an der Karlstraße erhalten und fordert einen "Tag der offenen Tür" in dem mehr als 120 Jahre alten Gebäude

Von Alexandra Vecchiato

Er ist ein Stück altes Penzberg. Die Tage des ehemaligen Schlachthofs an der Karlstraße sind indes gezählt. Der Stadtrat hat den Abriss des leer stehenden Gebäudes für Anfang des Jahres 2021 beschlossen. Nun aber formiert sich Widerstand. Der Verein für Denkmalpflege und Penzberger Stadtgeschichte möchte die Verantwortlichen zum Umdenken bewegen und fordert, den alten Schlachthof für interessierte Bürger bei einem "Tag der offenen Tür" zugänglich zu machen.

Aus Sicht der Denkmalschützer sollte die Öffentlichkeit ein Mitspracherecht haben, was die Zukunft des 121 Jahre alten Gebäudes betrifft. Der Verein begründet dies mit der Entstehungsgeschichte des Schlachthofs. Gebaut wurde er in den Jahren 1899/1900 unter Bürgermeister Georg Hutter. Bis 1970 war die Einrichtung in Betrieb. Heute gehört die Immobilie der Stadt Penzberg. Bis vor zwei Jahren befand sich eine Wäscherei in dem Haus.

Der Schlachthof wie auch die frühere Molkerei an der Christianstraße waren wichtig für die Versorgung der Bevölkerung. "Heute würden wir sagen: systemrelevant", schreiben die Denkmalschützer in ihrer Pressemitteilung. An bestimmten Tagen habe es dort für die ärmere Bevölkerung das sogenannte Freibank-Fleisch gegeben, das vier Fünftel des Marktpreises für taugliches Fleisch nicht übersteigen durfte. Freibank-Metzger und Tierarzt, der das Fleisch zum Verkauf freigab, hatten ihre Wohnungen in dem Gebäude. "Es sollte auch nicht vergessen werden, dass die damaligen Bergleute zu seiner Erbauung 48 000 Mark aufgebracht haben ausschließlich aus dem lokalen Malz- und Bieraufschlag", so die Denkmalschützer. Die durstigen Bergarbeiterkehlen von damals hätten demnach einen wertvollen Beitrag zum Schlachthofbau geliefert, "der auch heute noch verdient, gewürdigt zu werden". Im weitesten Sinne könnte man davon sprechen, dass das Gebäude auch Eigentum der Penzberger Bevölkerung sei, argumentieren Vorsitzender Max Kapfer und seine Mitstreiter. Vor diesem Hintergrund sei es befremdlich, dass der Stadtrat ohne vorherige Besichtigung und Begutachtung der Gebäude deren Abriss beschlossen hat und die Öffentlichkeit kein Mitspracherecht habe.

Den Schlachthof abzureißen war bereits im Herbst 2018 Inhalt eines Antrags der CSU-Stadtratsfraktion. Sie möchte dort zumindest als Zwischenlösung einen Parkplatz realisiert sehen, der Entlastung für die Innenstadt bringen soll. Diesem Plan stimmte der Stadtrat mehrheitlich in diesem Jahr zu. Allerdings gibt es weitergehende Pläne für das circa 1500 Quadratmeter große Areal in bester Lage. Der Bau neuer Seniorenwohnungen war ein Gedankenspiel. Eine Machbarkeitsstudie liegt im Rathaus vor. Der Öffentlichkeit wurde sie noch nicht vorgestellt.

Dass das historische Gebäude "nur für Parkplätze" geopfert werden solle - und sei es lediglich als Zwischennutzung - empfinde der Denkmalpflegeverein "gelinde gesagt als eine Penzberger Kulturschande", heißt es weiter. Immerhin ist der alte Schlachthof an der Karlstraße Teil des Geschichtspfads der Stadt Penzberg. Der Lehrpfad, der vor etwa 20 Jahren exklusiv im Lokalteil der Süddeutschen Zeitung (damals Neueste Nachrichten) in loser Reihe vorgestellt wurde, würdigt 29 Gebäude, von denen nur mehr 18 vorhanden sind. Alle anderen wurden abgerissen, wie etwa das Gasthaus Staltacher Hof. Der damals amtierende Bürgermeister Hans Mummert sagte zur Eröffnung des Geschichtslehrpfades im Jahr 2000, "dass man sich aus heutiger Sicht wünschen würde, vom alten Penzberg mehr zu erhalten, statt mancher Neubauten".

Der alte Schlachthof in Penzberg soll abgerissen werden Foto von 1929 mit Vorplatz und Abindegattern für das Vieh

Diese Aufnahme aus dem Jahr 1929 zeigt den ehemaligen Schlachthof samt Vorplatz mit den Anbindegattern für das Vieh.

(Foto: Stadtarchiv Penzberg/oh)

Die Penzberger Denkmalpfleger hoffen denn auch auf einen Sinneswandel im Rathaus. "Die Bausubstanz ist unseres Erachtens durchaus in der Lage, saniert und erhalten zu werden", schrieben sie bereits im Mai an Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) zu dessen Amtsantritt. Der Verein verweist auf "gelungene Sanierungen" von Altbauten wie etwa die Musikschulen in Bad Tölz und Weilheim. Sie könnten dem Penzberger Bauausschuss "wertvolle Anregungen" bieten.

© SZ vom 12.11.2020
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