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Bahn-Pendler:Streik bei BOB und Meridian

BOB - Integral

Die BOB bedient den südlichen Landkreis von Bad Tölz bis Lenggries.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Eisenbahn-Gewerkschaft wird alle Beschäftigten zum Ausstand aufrufen - wahrscheinlich Mitte nächster Woche.

Noch kann Isidoro Peronace nicht sagen, an welchem Tag seine Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zum Streik auffordern wird, doch sicher ist: Es wird einen Warnstreik geben. "Und es ist ziemlich wahrscheinlich, dass er an einem Tag Mitte nächster Woche stattfindet", sagt Peronace. Für vier bis sechs Stunden soll dann kein Zug der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) mehr fahren, keiner mehr etwa die Strecke nach Lenggries oder Tegernsee bedienen. Und auch kein Meridian soll mehr den Bahnhof verlassen, dessen Züge die Bayerische Oberlandbahn ebenfalls betreibt. Die Tarifkommission hat sich am Freitag entschieden, das neueste Angebot der Arbeitgeberseite abzulehnen.

Gewerkschaft und BOB streiten sich um die sogenannten Gastfahrten: Wenn ein Lokführer seinen Dienstsitz eigentlich in Freilassing hat, aber von einem Kollegen einen Zug ab dem Münchner Hauptbahnhof übernimmt, bekommt er die eineinhalb Stunden Anfahrtszeit nur zur Hälfte vergütet - also allein 45 Minuten. Muss er dann die gleiche Strecke wieder zurückfahren, ist er in seiner Schicht im Zweifelsfall drei Stunden zusätzlich unterwegs, ohne die volle Bezahlung zu erhalten. Das will die EVG ändern, ihr geht es dabei allein um den Weg zu Gastfahrten - nicht zum regulären Arbeitsplatz.

Pendler sollen sich auf Ausfälle einstellen können

Die Bayerische Oberlandbahn hat sich der Gewerkschaft nach in ihrem jüngsten Angebot zwar bereit erklärt, ab dem Jahr 2017 die gesamten Anfahrtszeiten zu bezahlen. Das aber ist der Gewerkschaft zu spät, denn solche Gastfahrten sind Peronace zufolge fest im Dienstplan vorgesehen und kommen heute sehr viel öfter vor als früher. "Dass jemand eineinhalb Stunden anfahren muss, das gab es früher einfach nicht", sagt der Gewerkschaftssekretär. Einen Tag vor dem Warnstreik werde die EVG die Öffentlichkeit informieren, damit Pendler sich auf mögliche Ausfälle einstellen könnten. Man wolle schließlich den Arbeitgeber treffen "und nicht die Kunden".

Bei der Bayerischen Oberlandbahn verweist man auf Nachfrage lediglich auf das bisherige Statement auf der Internet-Seite. Dort steht am Freitag noch: "Geschäftsführung unterbreitet neues Angebot bei den Tarifverhandlungen, um drohenden Streik abzuwenden." Man habe ein Angebot gemacht, das "die Kernanforderungen" erfülle. Die EVG jedoch sieht das anders - und wird nicht nur die Lokführer, sondern auch das Zugpersonal und die Reiseberater an den Schaltern zum Streik bitten.