Angefangen hat alles mit einem Solarforscher-Set: An einem sonnigen Vormittag stehen Schülerinnen und Schüler der Erzbischöflichen Realschule St. Immaculata auf dem Dach des Schulanbaus und demonstrieren, wie sich ein kleiner Propeller nur durch die Kraft der Sonne dreht. Der Versuchsaufbau des Unternehmens Solar Bildung war ein Geschenk von Schwester Josefa Thusbaß. „Wir brauchen die Energiewende“, erklärt die ehemalige Schulleiterin und Physiklehrerin. Sie finde es gut, dass die Schüler mit diesen Lernmaterialien selbst aktiv werden können. „Vor allem auch die Mädchen“, betont die Missions-Dominikanerin. Ihr Geschenk hat nachhaltig gewirkt; denn mit dem kleinen Propellerversuch ist es für die Jugendlichen nicht getan. Sie haben sich Größeres vorgenommen: Auf dem Garagendach der Schule wollen sie eine PV-Anlage installieren, die die Hälfte des Strombedarfs der Turnhalle decken soll.
„Wir haben uns gedacht, dass es cool wäre, wenn wir das auch im großen Stil aufbauen könnten“, sagt der 14-jährige Leon. Fünf Klassen der Jahrgangsstufen acht bis zehn machen mit, etwa genau so viele Mädchen wie Buben, die sich freiwillig beteiligen. Ein Probeversuch ist bereits abgeschlossen: Auf dem Dach des Schulanbaus sind zwei Solarpaneele aufgestellt. Kabel führen ins Erdgeschoss, die hinter einer weißen Holztrennwand unter dem Treppenaufgang verborgen sind. Ein Hybridspannungswandler wandelt Solargleichstrom in Wechselstrom um und speichert überschüssige Energie direkt in zwei Batterien. Der erzeugte Strom kann auch gleich genutzt werden: In einem Holzkästchen liegen Ladekabel für Handys bereit. Auch die Kamera, die in einem Nistkasten auf dem Schuldach installiert ist, wird mit Eigenstrom betrieben.
Stolz erzählen die Schüler über diesen gelungenen Modellversuch; wenn alles klappt, soll noch in diesem Sommer die große PV-Anlage auf dem Garagendach folgen. Von der Planung bis zur Umsetzung machen die Schüler alles selbst, jede Klassenstufe beschäftigt sich mit einem anderen Aspekt: Technik, Wirtschaftlichkeit, Sponsorensuche und Pressearbeit, Koordination, Montage. Weil das Schulgebäude unter Denkmalschutz steht und das Turnhallendach zu groß für ein solches Schulprojekt ist, haben sie sich als Standort für die Garage entschieden. Das Grundstück gehört den Dominikanerinnen, das Gebäude der Erzdiözese München, die Trägerin der Schule ist.
Das Dach soll beidseitig mit insgesamt 14 PV-Modulen bestückt werden, die etwa die Hälfte des Stromverbrauchs der Turnhalle decken sollen. Die Module werden von einem Kooperationspartner von Solar Bildung geliefert und zusammen mit den Schülern montiert. Als Investitionskosten, inklusive Montage und Batterie, haben sie rund 13 500 Euro berechnet, die sich in knapp sechs Jahren amortisieren sollen. „Wir wollen etwas für den Klimaschutz tun“, erklärt Manuel. Und zwar ganz praktisch, denn Schule könne mehr, als nur theoretisches Wissen vermitteln. „Einfach mal machen“, sagt der Achtklässler.


Mit ihrem PV-Projekt könnten die Stromkosten für die Schule gesenkt werden, ergänzt seine Mitschülerin Maria. Ihre Gruppe ist gerade dabei, ein „Erklärvideo“ zu drehen, das auf der Website der Schule verlinkt werden soll. So wollen sie auch andere Schulen inspirieren und für das Projekt begeistern.
Das ist auch die Mission von Solar Bildung. Seit 2020 setzt sich das gemeinnützige Unternehmen mit Sitz in München dafür ein, nachhaltige Bildung in Schulen zu bringen. Lernmaterialien und Experimentiersets werden von einem Team aus Ehrenamtlichen und wissenschaftlichen Beiräten entwickelt, zu denen etwa auch der Astrophysiker Harald Lesch gehört. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des zertifizierten „Gemeinwohl-Unternehmens“ 200 Schulen in Deutschland, Österreich, England und Irland mit Lernmaterialien ausgestattet und so rund 15 000 Schüler erreicht. Außerdem erhielt es die nationale Unesco-Auszeichnung „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. „Jugendliche hören oft nur schlechte Nachrichten“, sagt Geschäftsführer Mike Marqués. Sein Unternehmen wolle mehr Optimismus verbreiten und jungen Leuten zeigen, dass sie selbst etwas tun könnten. „Und so Ohnmacht in Zuversicht wandeln.“
Noch fehlen Sponsoren und das Plazet der Erzdiözese
Bei dem Projekt gehe es nicht um maximale Stromerzeugung, sondern um größtmögliche Eigenverantwortung der Schüler, betont auch Manfred Gödel, Lehrer für Naturwissenschaften an der Schlehdorfer Schule. Dazu gehöre auch, aus Fehlern zu lernen und sich Dinge zuzutrauen. „Zum Beispiel einen Brief an die Gemeinde und den Landrat schreiben.“ Eine Erfahrung haben die Schüler bereits gemacht: wie schwierig es ist, Sponsoren zu finden. Denn noch sei das Geld nicht zusammen, sagt Leon. Und noch haben sie nicht das Plazet der Erzdiözese. Das sei der nächste Schritt. „Wir wollen noch vor Ostern nach München fahren und dem Kardinal eine Projektplanung auf den Tisch legen.“
Spenden für das Projekt an: „Freundeskreis der Realschule Schlehdorf e.V.“, Verwendungszweck: Schüler-Solarprojekt, Sparkasse Oberland. IBAN: DE 18 7035 1030 0032 0418 32

