Am Schafreuter:Gasteiner Wirte auf Tölzer Hütte

Neues Pächterpaar für die Tölzer Hütte am Schafreuter

Sylvia und Alexander Schrempf aus dem österreichischen Gasteiner Tal sind die neuen Wirte auf der Tölzer Hütte im Vorkarwendel.

(Foto: privat)

Das Ehepaar Alexander und Sylvia Schrempf aus Österreich pachtet das Haus der Tölzer DAV-Sektion. Nach der Sanierung wollen die "klassischen Quereinsteiger" im Juli die ersten Gäste bewirten.

Von Benjamin Engel

Im Auftrag der Gasteiner Bergbahnen hatte Alexander Schrempf jahrelang Angebote für Gruppenreisen entwickelt. Der gebürtige Pinzgauer aus dem österreichischen Bundesland Salzburg reiste zu Messen und knüpfte Kontakte zu Busunternehmern. Aber dann kam Corona. Als die Pandemie das Geschäft des 52-Jährigen teilweise unmöglich machte, begann er sich beruflich neu zu orientieren. Das Resultat: Zusammen mit seiner Frau Sylvia Schrempf übernimmt der Familienvater vom nächsten Sommer an die Gastronomie der Tölzer Hütte am Schafreuter. "Corona war für mich der Anstoß für eine neue Chance", sagt er.

Das Ehepaar aus Österreich wird eine der traditionsreichen Hütten im Vorkarwendel führen. Das beinahe hundert Jahre alte Haus auf 1835 Höhenmetern an der Südwestseite des Schafreuter ist seit dem Vorjahr geschlossen. Die Tölzer Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) lässt ihre Hütte für 1,3 Millionen Euro sanieren. Unter anderem werden Küche und Gastraum modernisiert. Dass er und seine Frau den Vorgängern Michael Bubeck und Margot Lickert nachfolgen können, freut Schrempf. "Das Gesamtpaket hat einfach gestimmt", sagt er. Der neue Hüttenwirt schwärmt von der tollen Lage und den guten Startbedingungen nach der Sanierung. Mit den Sektionsverantwortlichen habe er sich sofort gut verstanden, erzählt er. Auf der Tölzer Hütte will das Wirtepaar mit voraussichtlich vier Mitarbeitern inklusive neuem Koch anfangen. Für die Gäste will das Team solide Hausmannskost wie Schweinebraten, Wurstnudeln und auch Vegetarisches servieren.

Sanierung Tölzer Hütte am Schafreuter

Die fast 100 Jahre alte Tölzer Hütte im Vorkarwendel wird seit vergangenem Jahr saniert.

(Foto: Wolfgang Buchner)

"Klassische Quereinsteiger"

Als "klassische Quereinsteiger" bezeichnet das neue Wirtepaar sich selbst. Allerdings haben die Eltern von Alexander Schrempf früher ein Gasthaus in der Region Pinzgau im österreichischen Bundesland Salzburg geführt. Seine beiden Brüder arbeiten als Köche in Kanada und Frankreich. Alexander Schrempf arbeitete zunächst als Bankkaufmann, bevor er 2010 für die Gasteiner Bergbahnen AG tätig wurde. Im Unternehmen ist er für das Sales und Gruppenmanagement verantwortlich. "Ich habe einen tollen Arbeitgeber", sagt er. "Normalerweise darf man so etwas nicht aufgeben." Doch sein jahrzehntelanger Wunsch, irgendwann einmal eine Berghütte zu übernehmen, war einfach zu stark.

Umgeschaut hätten er und seine Frau sich schon länger, berichtet er. Aber zuerst hätten sie das den mittlerweile erwachsenen Kindern nicht zumuten wollen. Danach habe bei infrage kommenden Hütten immer irgend etwas nicht gepasst, sagt Schrempf. Seine Frau Sylvia ist gelernte Kosmetikerin. Die 48-Jährige arbeitete in einem Hotelbetrieb, war Saunameisterin. Seit 2011 war sie an der Kasse in der Alpentherme in Bad Hofgastein tätig. Das Ehepaar hat also einen touristischen Hintergrund - und darauf will Alexander Schrempf aufbauen. "Ich habe Organisationstalent, kann mit Leuten gut umgehen, bin ein sehr geselliger Mensch", sagt er.

"Wir sind guter Dinge, dass das nächstes Jahr funktioniert."

In den Bergen ist das Ehepaar nicht bloß mit dem Lift, sondern auch zu Fuß viel unterwegs. Neun Jahre lang war Alexander Schrempf Vorsitzender der österreichischen Alpenvereinssektion Bad Hofgastein. Diese Funktion hatte er Ende Januar 2020 aufgegeben, weil sich ein junger Nachfolger fand. Das Gasteiner Tal soll aber weiterhin der Hauptwohnort bleiben. Denn die Tölzer Hütte hat nur fünf bis fünfeinhalb Monate im Jahr offen. Länger dauert die Saison in dieser Höhenlage nicht. Über den Winter wollen beide im Gasteiner Tal berufstätig sein. Alexander Schrempf hofft darauf, für die Bergbahnen etwa an der Kasse tätig zu sein. "So werden wir unser Auskommen finden", sagt er.

Schon im Mai will das neue Wirtepaar auf der Tölzer Hütte sein. Im Haus stehen noch restliche Sanierungsarbeiten an. Spätestens im Juli hoffen die Schrempfs für Gäste öffnen zu können. "Wir sind guter Dinge, dass das nächstes Jahr funktioniert", sagt Schrempf.

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Jens Wolfgruber ist vor der Enge der Stadt aufs Land geflüchtet und hat einen alten Bauernhof als Wohn- und Arbeitshaus hergerichtet. Über energieeffizientes Renovieren, sechs Jahre Arbeit und wie er es geschafft hat, sich mit dem Denkmalschutz zu einigen.

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