Süddeutsche Zeitung

Schafreuter:Höhere Weihen

Das neue Gipfelkreuz ist gerade noch rechtzeitig zur Bergmesse gesegnet worden. 30 Bergsteiger, Musiker und Franziskanerpater Thomas Abrell wagen den Aufstieg bei Schneefall.

Nebelschwaden ziehen am Samstag um den Gipfel des Schafreuter. Der Aufstieg von der Tölzer Hütte ist rutschig. Am höchsten Punkt auf 2102 Metern Seehöhe schneit es: Für Bergwanderer könnten die Wetterbedingungen kaum ungemütlicher sein. Und doch freut sich Paul Schenk, Vorsitzender der Tölzer Alpenvereinssektion, als er das Gipfelkreuz erreicht. "Ich war happy, dass es gestanden hat und nicht beschmiert war", sagt er am Montag. Mit rund 30 Mitstreitern war er auf den Schafreuter gestiegen, darunter Musiker der Tölzer Stadtkapelle und Franziskanerpater Thomas Abrell. Der Geistliche segnete am Samstagnachmittag das neue Gipfelsymbol. Am Sonntag feierte er mit etwa 50 Gästen die Bergmesse zum Saisonabschluss an der Tölzer Hütte.

Vor rund sechs Wochen hat ein Unbekannter das Vorgängerkreuz mit Axthieben so stark beschädigt, dass es durch ein neues ersetzt werden musste. Sieben Tölzer Berufsschüler aus der Zimmererklasse fertigten ein neues Gipfelsymbol an. Alpenvereinsmitglieder brachten am Samstag vor einer Woche die Balken auf den Berg und setzten dort das Kreuz zusammen.

Pater Thomas erklärt auf Nachfrage, er finde es einfach respektlos, dass das alte Kreuz umgeschlagen worden sei. Schließlich sei das Symbol anderen Menschen wichtig. Zum Saisonabschluss an der Tölzer Hütte feierte er mittlerweile seine 15. Bergmesse. Dafür reist der frühere Guardian, sprich Verwalter, des inzwischen aufgelösten Tölzer Franziskanerklosters, eigens aus Ohrbeck in Niedersachsen an. Im dortigen Franziskanerhaus ist er Bildungsreferent und in der deutschlandweiten Leitung des Ordens engagiert.

In seiner Predigt rückte der Geistliche die Symbolkraft des Kreuzes in den Mittelpunkt. Mit seinem Querbalken erinnere es an die Verbindung zwischen den Menschen. Die Geschichte des Christentums sei eine lange Geschichte der Integration verschiedenster Menschen auf der Erde. Das Kreuz stehe im Widerspruch zu einer auf das eigene Ich zentrierten Welt. Wer das Christentum verteidigen wolle, müsse auf Menschen, auch auf die fremden, zugehen und sie als Teil der Schöpfungsgeschichte respektieren.

Bereits zur Segnung des Kreuzes am Samstagnachmittag hatten acht Musiker der Tölzer Stadtkapelle die Alpenvereinsmitglieder begleitet und bei Schneefall und schlechter Sicht sogar eine Tuba mit auf den Gipfel geschleppt. Sie spielten festliche Choräle. Stadtkapellen-Vorsitzender Martin Schnitzer erklärt, trotz der widrigen Wetterverhältnisse gerne an der Segnung mitgewirkt zu haben. "Das war für uns ein einmaliges Erlebnis." 14 Musiker seien dort aufgetreten. Sie hätten in der Nacht auf Sonntag auf der Tölzer Hütte übernachtet. Denn die Stadtkapelle begleite die jährliche Bergmesse zum Saisonabschluss traditionell seit Jahren.

Von der Tölzer Berufsschule waren Leiter Josef Bichler und Josef Haslinger, Fachbereichsleiter für Bautechnik sowie ein Großteil der am Kreuzbau beteiligten Schüler auf den Berg gekommen. Schon länger kooperiert die Berufsschule mit der Tölzer Alpenvereinssektion. Bichler betont, es sei ihm wichtig gewesen, dass die Schüler sehen sollten, was sie geleistet hatten. Ihr Engagement habe sich nahtlos in die Partnerschaft zwischen Berufsschule und Alpenverein eingefügt.

Der Tölzer Holzhändler Hans Dostthaler hat das Eichenholz aus dem Chiemgau für das neue Kreuz gestiftet. Das neue Gipfelsymbol mit einem Gewicht von etwa 180 Kilogramm und Maßen von 4,77 Metern auf 2,77 Metern könne bis zu 100 Jahre stehen bleiben.

Froh und zufrieden ist am Montag auch Hanspeter Mair vom Tölzer Alpenverein. Nach der Aufregung um den Kreuzfrevel habe alles nun einen guten Abschluss gefunden, sagt er auf Nachfrage. "Ich hoffe, dass jetzt endlich Ruhe einkehrt."

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Quelle:
SZ vom 11.10.2016
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