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Schafreuter:Das Kreuz mit dem Kreuz

Augenmaß für den Gipfel: Sebastian Exinger, Berufsschüler in Bad Tölz, kontrolliert, ob der Balken für das Kreuz am Schafreuter gerade ist.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Nach der Axt-Attacke soll das neue Gipfelkreuz bis zur Bergmesse am 9. Oktober auf dem Berg stehen. Doch die Frage ist: Wie kommt es hinauf?

Für rund 1500 Euro mit dem Lastenhubschrauber fliegen, rund 1200 Höhenmeter zu Fuß bewältigen, mit dem Unimog oder der Materialseilbahn fahren: So könnte das neue Kreuz auf den Gipfel des Schafreuter im Karwendel kommen. Während die Berufsschüler für Zimmerei in Bad Tölz Längs- und Querbalken bearbeiten, muss der Chef der Tölzer Alpenvereinssektion, Paul Schenk, koordinieren, wie das Kreuz vom Rißbachtal auf den 2102 Meter hohen Schafreuter transportiert wird. Das hängt wesentlich von den Wetterverhältnissen ab. Für die Überlegungen bleiben Schenk kaum mehr zweieinhalb Wochen. Denn spätestens zur Bergmesse am 9. Oktober soll das Kreuz auf dem Gipfel sein.

Kraftsparendste, doch kostenintensive Möglichkeit: Ein Unternehmen könnte die beiden rund fünf und drei Meter langen und rund 130 und 80 bis 90 Kilogramm schweren Balken mit dem Hubschrauber auf den Gipfel transportieren. Dafür müsste der Alpenverein die Kosten tragen. Schenk erklärt, dass er derzeit Angebote von verschiedenen Dienstleistern sichte. Der Preis hänge aber von vielen Faktoren wie Transportgewicht oder Anflugzeit ab. Ebenso spielten die Wetterbedingungen eine Rolle, ob ein Transport mit dem Hubschrauber möglich sei.

Auf Transportflüge mit dem Hubschrauber ist beispielsweise die österreichische Heli Tirol GmbH spezialisiert. David Holzknecht, Unternehmens-Stützpunktleiter in Karres bei Imst, erklärt, dass sie für solche Flüge einen Pauschalpreis von 1500 Euro verlangten.

Zweite Variante: ein tagesfüllender Auf- und Abstieg zu Fuß. Rund 3,5 Stunden brauchen normal trainierte Wanderer von der Kaiserwacht im Rißbachtal auf den Schafreuter-Gipfel. Mit den schweren Balken für das Kreuz auf den Schultern würde das naturgemäß länger dauern. Und doch haben etwa 25 Freiwillige genau das getan, als sie 2003 das vor dreieinhalb Wochen stark beschädigte Vorgängerkreuz auf den Gipfel brachten, wie Schenk sagt. Oben angekommen müssen die Balken zusammengesetzt und das Kreuz in der Verankerung aufgerichtet werden. "Das ist eine Tagesarbeit."

Dritte Überlegung: Der Alpenverein könnte die beiden Balken für das Kreuz mit einem Transportfahrzeug auf Feldwegen bis zur Moosenalm in 1600-Meter-Seehöhe heraufschaffen. Dann blieben immer noch rund 500 Höhenmeter für den Weitertransport zu Fuß.

Vierte Option: Die beiden Balken könnten mit der rund drei Kilometer lange Materialseilbahn bis zur etwas mehr als 1800 Meter über Seehöhe gelegenen Tölzer Hütte am Schafreuter schweben. Von dort ist es aber immer noch eine Dreiviertelstunde zu Fuß bis zum Gipfel. Hüttenwirt Michael Bubeck hält zumindest den Transport mit der Materialseilbahn für wenig problematisch. Denn diese sei für Lasten bis zu 350 Kilogramm ausgerichtet, sagt er. Die Materialseilbahn sei eine sichere Versorgungsmöglichkeit für die Hütte. Nur bei starkem Sturm könne diese nicht fahren, Regen sei unproblematisch. "Der Fußmarsch ist der Knackpunkt."

Für den Chef der Tölzer Alpenvereinssektion Schenk steht noch nicht fest, welche Transportmethode gewählt wird. "Ich bin aber zuversichtlich, dass es bis zur Bergmesse klappt."

© SZ vom 21.09.2016

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