Ausflüge in die Alte Musik gibt es bei den Schäftlarner Konzerten immer wieder. Am Samstag, 6. Juli, geht es in der Rokoko-Klosterkirche aber durchgehend „Historisch!“ zu. So nennt der Cembalist Bernhard Prammer das Programm, das er und seine fünf Mitstreiter des Ensembles Colcanto auf originalen Barockinstrumenten spielen. Nach fünf Jahren kommt mit ihnen auch einmal mehr der Altus Franz Vitzthum in die Klosterkirche zurück. Wie immer fällt also das mittlere der fünf Schäftlarner Konzerte aus dem üblichen Rahmen und wieder einmal mit Musik ausschließlich aus der Barockzeit.
Wie abwechslungsreich das zu werden verspricht, zeigt ein Blick auf die Mischung von Vokalem und rein Instrumentalem. „Barock ist eben weit mehr als nur Kirchenmusik, auf die er oft reduziert wird“, sagt der musikalische Leiter der Reihe, Michael Forster. An diesem Abend hat er ausnahmsweise keine aktive Rolle inne, sondern darf das Programm als Zuhörer genießen.
Original statt Klingelton
Zum Auftakt singt Vitzthum die Arie „Ich will dich all mein Leben lang“ aus Johann Sebastian Bachs Kantate BWV 117 „Sei Lob und Ehr“. Um die Lobpreisung Gottes geht es in dieser von der Traversflöte des gebürtigen Amerikaners Charles Brink filigran umspielten Soloarie. Ein weltlicher „Reißer“ von Bach steht später auf dem Programm: die zweite Orchestersuite. Ihr Entstehungsdatum ist wie das der anderen Suiten nicht ganz klar. Unbestritten gilt sie aber vom Stil her als deren „französischste“. Man darf sich freuen, die abschließende „Badinerie“ mit der Solo-Flöte im Original zu erleben, nicht zum Handy-Klingelton banalisiert.
Georg Philipp Telemann ist mit zwei textlich ganz unterschiedlichen Arien prominent vertreten, zudem mit seinem viersätzigen D-Dur-Flötenkonzert, das von einem beschwingten Schreittanz zu einem ansteckend fröhlichen Dreiertakt führt. Jenseits der Alpen kann Barock auch völlig anders klingen als bei den deutschen Großmeistern: Vivaldi hat den Psalm 126 „Nisi dominus“ vertont. Die Halbton-Akkordsteigerungen des Altus-Solos „Cum dederit“ sind beängstigend und so „modern“, dass damit eine mörderische Szene im James-Bond-Film „Spectre“ unterlegt wurde. Das war vermutlich nicht der Grund, mit dieser italienischen Barockmusik das Konzert zu beschließen, sie rundet vielmehr den historischen Abend einfach perfekt ab.
Klosterkirche Schäftlarn, Samstag, 6. Juli, 19 Uhr, Informationen unter www.schaeftlarner-konzerte.de

