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Schäftlarn:Sporthalle am Wagnerfeld abgelehnt

Aus der Fläche am Tennisheim in Hohenschäftlarn soll nun ein Gewerbegebiet werden

Von Marie Heßlinger, Schäftlarn

Zwischen CSU und Grünen ist bei der Gemeinderatssitzung am Mittwoch ein alter Streit wieder entfacht: Wie soll das Grundstück am Wagnerfeld beim Tennisheim in Hohenschäftlarn genutzt werden? Der CSU-Bürgermeister Christian Fürst ließ einen Plan für eine Mehrzweckhalle vorlegen, der darlegen sollte, dass eine solche Halle an diesem Standort nicht geeignet sei. Fürst sprach sich stattdessen für ein Gewerbegebiet aus. Die Grünen warfen ihm deshalb Halbherzigkeit vor. Die CSU setze sich mit ihrer Sicht der Dinge am Ende allerdings durch.

Er wolle über das Grundstück "Am Wagnerfeld" beraten, kündigte Fürst in der Sitzung an. Drei Bebauungsvorschläge ließ er dem Gemeinderat dafür vorlegen. Entweder könnte auf den rund 4500 freien Quadratmetern neben Soccerfeld und Skaterbahn ein Gewerbegebiet für bis zu vier Gewerbetreibende entstehen; oder eine Zweifachturnhalle, die auch für Kulturveranstaltungen für bis zu 200 Besuchern genutzt werden könne - eine solche Halle sei jedoch so groß, dass kein Platz für die gesetzlich geforderte Mindestzahl von 77 Parkplätzen vorhanden sei. Der dritte Vorschlag: eine Zweifachturnhalle ohne Mehrzwecknutzung. Für eine Halle sei der Standort aber eigentlich ungeeignet, schloss Fürst und sprach sich für ein Gewerbegebiet aus. In den vergangenen Jahren seien in Schäftlarn schließlich nur wenige solche Flächen ausgewiesen worden. Es gehe darum, den Unternehmern ein Signal zu senden. Zudem brauche die Gemeinde auch Gewerbesteuereinnahmen.

Michael Waldherr (Gemeindeunion) stimmte zu: Das Grundstück sei zu klein. Man könne nicht mit aller Gewalt eine Turnhalle dorthin bauen. Zustimmung bekam Fürst auch aus den eigenen Reihen. "Seit Jahrzehnten ist Gewerbe immer ein Thema in Schäftlarn", sagte Christian Doll (CSU). Altbürgermeister Matthias Ruhdorfer (CSU) fügte hinzu, dass parallel jedoch mit dem Bau einer neuen Grundschulturnhalle begonnen werden müsse. Bis 2025 müsse Schäftlarn seine Ganztagesbetreuung an der Grundschule ausgebaut haben, die Schule brauche deshalb mehr Platz.

Die Grünen indes kritisierten, dass es ein städtebauliches Konzept für die ganze Ortschaft brauche. Bereits 2016 hatten sie den Anstoß zu einer Gewerbeklausur gegeben, um Standorte für Gewerbe und Sport zu finden. Deren Ergebnisse seien jedoch versandet. Und bei den nun vorgelegten Pläne: Da sei nicht berücksichtigt, dass sich der Grundriss ursprünglich an einem anderen Grundstück orientiert habe, sagte Christian Lankes, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Wegen seiner Nähe zu den Sportplätzen sei das Wagnerfeld aber "zumindest erwägenswert".

Grüne und CSU fahren in der Sporthallen-Thematik verschiedene Linien. Die CSU plädiert für eine Mehrzweckhalle, die Grünen favorisieren eine Trennung von Kultur- und Sporträumlichkeiten. Mehrzweckhallen seien für ihn "Relikte aus den 1970er Jahren", sagte Lankes nach der Sitzung. Für Kulturveranstaltungen brauche es eine zentralere Lage. Fürst gab dagegen zu Bedenken, dass es - insbesondere durch Zugezogene aus München - zunehmend Beschwerden gebe, wenn Blasmusik ertöne. Ein Kulturraum sei daher schwer im Zentrum anzusiedeln.

Bereits bei der letzten Sitzung des alten Gemeinderats hatte die CSU versucht, einen Bebauungsplan zur Gewerbenutzung für das Wagnerfeld aufzustellen. Die Grünen forderten Bedenkzeit und einen Workshop. Die Abstimmung endete mit einem Patt. Am Mittwoch jedoch machte Fürst aus der Beratung gleich einen Beschluss. Aus dem "Wagnerfeld" soll nun ein Gewerbegebiet werden.

© SZ vom 24.07.2020

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