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Schäftlarn:Offene Arme für Asylbewerber

75 Personen tragen sich in Helferlisten ein. "Wir sind überwältigt, wie das hier abläuft", freut sich Landrätin Johanna Rumschöttel über die Bereitschaft, Flüchtlinge aus Krisengebieten zu unterstützen.

Gewaltiger Andrang herrschte in der Schäftlarner TSV-Sportgaststätte. Bei der Informationsveranstaltung zum Thema "Willkommenskultur" für Asylbewerber trugen sich 75 von 120 Teilnehmern in die ausgelegten Helferlisten ein.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Überwältigend - dieses Wort beschreibt am besten, was am Dienstagabend in Schäftlarn geschehen ist. "Wir sind überwältigt, wie das hier abläuft", sagte Landrätin Johanna Rumschöttel am Ende einer Infoveranstaltung der Gemeinde zum Theman Asylbewerber. "Es ist toll, wie Sie dem Thema gegenüber stehen." Rumschöttel hatte zuvor den Versammelten die "Willkommenskultur" des Landkreises München erläutert.

Gut 120 Menschen waren ins TSV Vereinsheim in Hohenschäftlarn gekommen, um darüber zu sprechen, wie man die etwa 30 Asylbewerber willkommen heißen und unterstützen kann, die in den nächsten Wochen und Monaten in den Ort kommen. 75 Menschen trugen sich in die Listen für den Helferkreis ein, den die Kirchengemeinden organsisieren. Die katholische Kirche stellt ihr Pfarrhaus in Ebenhausen für etwa fünf Menschen zur Verfügung.

Bürgermeister Matthias Ruhdorfer, auch er überwältigt vom großen Interesse, hatte Vereine und Einrichtungen eingeladen - und alle kamen, etwa doppelt so viele, wie der Bürgermeister erwartet hatte.

Nicht nur das große Interesse der Schäftlarner überraschte, auch die positive Grundstimmung den Asylbewerbern gegenüber. Hatte es doch erst vorige Woche im Gemeinderat eine unerfreuliche Szene gegeben, als eine Nachbarin der geplanten Unterkunft in einem Gebäude des Klosters ihren Unmut darüber geäußert hatte, dass dort Asylbewerber unterkommen sollen.

Mit den Nachbarn habe man sich vor der Informationsveranstaltung zusammengesetzt und versucht, Bedenken auszuräumen, sagte Ruhdorfer. Offenbar erfolgreich, denn später war von Vorbehalten nichts mehr zu spüren, nur von einer allgemeinen großen Hilfsbereitschaft.

Dazu trugen die Vertreter mehrerer Helferkreise bei. Ingrid Reinhart aus Grünwald schilderte die Schicksale der 16 Menschen, die dort untergekommen sind, darunter eine Familie aus dem syrischen Aleppo. Die Frau sei Medizinisch-Technische Assistentin, sagte Reinhart. Die Wohnung sei zerbombt worden, und als auch noch eine Bombe im Kindergarten detonierte, habe die Familie alles verkauft und sei geflohen. Die anderen Grünwalder Asylbewerber kämen aus Somalia und Afghanistan. "Die hatten wirklich keinen anderen Ausweg. Sie haben um ihr Leben gefürchtet und um das ihrer Kinder", sagte Reinhart.

Herbert Veit vom Helferkreis aus Gräfelfing erklärte prägnant, worauf es bei der Betreuung ankomme. Wichtig sei die Begleitung der Flüchtlinge zum Einkaufen, zum Arzt und zu Behörden.

Jeder Helfer müsse selbst entscheiden, wie viel Zeit er für die Betreuung aufwenden könne und wolle. Und nicht alle Probleme ließen sich lösen. Manchmal gebe es auch Enttäuschungen wegen der Andersartigkeit der Menschen. Zur Integration der Flüchtlinge sei es notwendig, dass diese schnell Deutsch lernen."Die Sprache ist der wichtigste Schlüssel", sagte Veit. Der Freistaat Bayern organisiere und finanziere Deutschkurse, erklärte Katrin Baumer, Abteilungsleiterin im Münchner Landratsamt. Der Landkreis übernehme die Fahrtkosten zu den Kursen sowie die Betreuung der Kinder. Die ersten fünf Asylbewerber, die das Pfarrhaus in Ebenhausen beziehen sollen, könnten schon im April kommen, die übrigen 24 bis 26 Personen, die in das klostereigene Gebäude an der Münchner Straße 3 einziehen sollen, werden im Juni oder Juli erwartet. "Diese Menschen sind wahrscheinlich noch unterwegs", sagte die Landrätin.

Die Schäftlarner sind bereit, sie freundlich zu empfangen. Von den Vertretern anderer Helferkreise hörten sie am Dienstag auch, wie bereichernd die Arbeit mit den Asylbewerbern oft sei. Ines Lobenstein aus Wolfratshausen sagte: "Das wichtigste ist, den Asylbewerbern zu erklären, was bei uns wichtig ist und worüber wir uns ärgern." Und Ingrid Reinhart aus Grünwald stellte fest: "Ich möchte die Schäftlarner beglückwünschen, dass sie auch Flüchtlinge kriegen. Es ist ein Gewinn!"