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Schäftlarn:Notfalls ein Bürgerbegehren

In kürzester Zeit hat die Initiative, die Alfred Ebbers ins Leben rief, fast 1300 Unterschriften für die Orstumfahrung von Schäftlarn gesammelt. Damit will er den Gemeinderat unter Druck setzen.

Serie zur Umfahrung für Hohenschäftlarn

Alfred Ebbers an der Starnberger Straße. Der Unternehmer, der dort nicht wohnt, aber ein Haus besitzt, will, dass die Umgehung bald gebaut wird.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Als Alfred Ebbers 1977 nach Schäftlarn zog, war das Thema Umgehungsstraße in der Gemeinde nicht neu, sondern bereits zwölf Jahre zuvor erstmals angesprochen worden. Heute, 36 Jahre später, will Ebbers, dass die Politiker nicht mehr nur über das Thema reden. Er will, dass sie handeln. Und er will die Umfahrung für Hohenschäftlarn, denn: "Die Durchfahrtsstraße birgt ein Gefahrenpotenzial hoch drei."

Auch wegen seines früheren Engagements beim TSV Schäftlarn ist Alfred Ebbers kein Unbekannter im Ort. Vor dem Bürgerentscheid zum Dorfladen im Dröscher-Anwesen gründete er 2010 die Interessensgemeinschaft "Gemeindebürger mit Visionen". Im November rief der Unternehmer mit acht weiteren Schäftlarnern eine Bürgerinitiative ins Leben, um Druck auf Bürgermeister Matthias Ruhdorfer (CSU) und die Gemeinderäte auszuüben, die Umgehung in kommunaler Eigenbaulast zu stemmen. Die Absicht, das zu tun, hatte Ruhdorfer allerdings schon im Mai 2011 geäußert. Ebbers wohnt nicht an der Starnberger Straße, besitzt dort aber in zweiter Reihe ein Haus, das er dem Vernehmen nach abreißen und durch einen Dreispänner ersetzen möchte. Er hat bereits eine entsprechende Voranfrage an die Gemeinde gerichtet.

Auf den Freistaat Bayern, der das Anliegen als Reserveprojekt in sein Straßenausbauprogramm für die Jahre 2021 bis 2025 genommen hat, braucht die Gemeinde nicht zu warten, glaubt Ebbers: "Bayern hat für den Zeitraum bereits 800 vergleichbare Anträge." Die Gemeinde solle das Projekt jetzt angehen: "Man hat die Leute lange damit betäubt, dass es eine Lösung mit Baierbrunn geben wird", sagt Ebbers. Doch das habe der Baierbrunner Gemeinderat vor Jahren abgelehnt. Eine gemeindeübergreifende Lösung durch den Forstenrieder Park, die in den vergangenen Jahren immer wieder diskutiert wurde, nennt Ebbers ein "wildes Projekt": "Man hat davon geträumt, dass unsere Nachbargemeinden Schäftlarn das Verkehrsproblem abnehmen. Das wird nicht geschehen." Für eine konkrete Trasse wolle sich die Bürgerinitiative aber nicht stark machen, betont Ebbers: "Das maßen wir uns nicht an." Eine Bürgerinitiative, die die Politik zum Handeln auffordert, ganz gleich zu welchem? Das mag mancher als Aktionismus verstehen, gibt Ebbers zu. "Es ist aber kein blinder Aktionismus". Er verweist auf die 1280 Unterschriften, die die Bürgerinitiative innerhalb kürzester Zeit für eine Umgehung gesammelt und Bürgermeister Ruhdorfer übergeben hat: "Wie wäre es sonst zu erklären, dass so viele unterschrieben haben?"

Die Intention der Initiative sei gewesen, Druck aufzubauen und den Kreislauf zu durchbrechen, der so ging: "Wenn eine Fraktion für etwas war, war die andere dagegen." Diese Kritik treffe auf alle Politiker zu, nicht nur auf den Bürgermeister, findet er. Ruhdorfer habe anfänglich ein Problem mit der Initiative gehabt und sie fehlinterpretiert, sagt Ebbers, der bei der vergangenen Kommunalwahl Ersatzkandidat für die CSU war: "Die Bürgerinitiative ist nicht politisch, sondern kommt aus der Bürgermitte." Ganz leidenschaftlos ist Alfred Ebbers bei der Trassenwahl freilich nicht. Er "empfiehlt" der Gemeinde Schäftlarn die Variante nahe dem Waldrand. Eine ortsnahe Umfahrung sei vielleicht billiger, könnte aber in einigen Jahren ein Störfaktor werden, wenn die Gemeinde wächst: "Wir wissen nicht, ob n hundert Jahren der Ort ausgeweitet ist." Die Trasse am Wald sei verträglicher für den Ort, sie komme außerdem den landwirtschaftlichen Betrieben entgegen. "Man sollte sich nicht von den Kosten einer vernünftigen Lösung abbringen lassen und weitsichtiger planen", findet Ebbers.

Für die Nachbargemeinden bringe die Umfahrung keine zusätzliche Belastung mit sich, schätzt Ebbers. Die meisten Lastwagen durch Hohenschäftlarn - einer Verkehrszählung zufolge sind es täglich zirka 630, Tendenz steigend - führen in die Gewerbegebiete in Baierbrunn und Höllrieglskreuth oder zur Garmischer Autobahn. Die Umfahrung, die nördlich von Schäftlarn wieder in die Bundesstraße einmünden würde, hätte also kein Mehr an Verkehr für die Nachbargemeinden zur Folge, sondern lediglich eine Entlastung für Schäftlarn.

Alfred Ebbers glaubt fest daran, dass die Umgehungsstraße für Hohenschäftlarn in den nächsten Jahren kommt. "Die Parteien sind Protesten, zum Beispiel der Landwirte, aus dem Weg gegangen", sagt er. Jetzt sieht er bessere Chancen, denn: "Die Bürger wollen die Umfahrung." Nach Übergabe der 1280 Unterschriften Mitte Januar habe man der Gemeinde ein halbes Jahr Zeit geben wollen, das Thema voranzutreiben. Bis dahin plant die Bürgerinitiative keine Aktionen. "Wenn dann nichts passiert ist, überlegen wir uns den nächsten Schritt", sagt Ebbers. Wie der aussieht? Das weißt er heute noch nicht. Doch er will die Umfahrung. Notfalls mit einem Bürgerbegehren.