bedeckt München 17°

"Kleines Glück":Dallas im Isartal

Kiosk - Serie

Nicht unbedingt ein typisches Hipster-Café, dafür aber ein beliebtes Plätzchen für Nostalgiker: der Dallas-Kiosk in Schäftlarn.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Kiosk mit dem texanischen Namen ist in Schäftlarn eine Institution für Einheimische und Pendler. Georg Altan hat ihn vor sechs Jahren übernommen - und damit den Sprung in die Selbständigkeit gewagt

Das Dallas in Schäftlarn wirkt von außen vielleicht nicht wie eine Erholungsbude, Bergalm oder ein Café für Hipster - dafür findet der Nostalgiker hier Zuflucht in Form eines waschechten klassischen Kiosks. Von Montag bis Samstag verkauft Georg Altan hier mit Familie Zeitschriften, Zigaretten, Süßigkeiten, Backwaren, Getränke, außerdem Wurst- und Käsesemmeln. Hinsetzen kann man sich auf eine Parkbank, Stehplätze bietet der Gehsteig. Aus dem kleinen Verkaufsfenster lächelt die Angestellte Annemarie Neumayer in den verregneten Vormittag hinaus. Sie arbeitet seit rund 20 Jahren im Dallas und beobachtet, dass es über die Zeit eher mehr als weniger Kunden werden, die am Kiosk einen Zwischenstopp einlegen.

Das freut Inhaber Altan, den mit dem Laden eine ganz persönliche Geschichte verbindet. Er hat den Kiosk vor rund sechs Jahren übernommen, damals Neuland für den heute 61-Jährigen. Denn Altan war zuvor 23 Jahre Angestellter in einem Unternehmen in Bad Heilbrunn gewesen. Dem Logistikleiter wurde nach einer Fusion seiner Firma die betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen. "Das war natürlich bitter", sagt Altan. Zu diesem Zeitpunkt lebte er mit Frau und zwei schulpflichtigen Kindern im Haus über dem Dallas-Kiosk und war auch mit dessen Inhabern gut bekannt. "Die Vorgänger hatten dann schon ein gehobenes Alter um die 70", sagt Altan. Sie fragten ihn: "Ja, Mensch, Schorschi, hättest du nicht Lust?", erzählt er. Mit 56 Jahren das erste Mal selbständig, das erschien Altan als "Existenzfrage" - "geht man das Risiko ein?" Andererseits sei die Euphorie groß gewesen, gleich wieder eine Arbeitsstelle in Aussicht zu haben. Altan las sich ein. "Wie ein Puzzle, ein Teil nach dem anderen", so habe er sich Informationen zusammengesucht und den Kiosk im Februar 2014 übernommen.

Heuer läuft der Laden rund, die Haupteinnahmequelle sind dabei die Wurstwaren und die dazugehörigen Semmeln, sagt Altan. Denn das Dallas verkauft Wurst, die im Laden geschnitten und abgewogen wird, genauso wie Leberkäse, der in einem eigens angeschafften Bräter brutzelt. "Wir haben viele Stammkunden, die sich eine Wurstsemmel, Zigaretten, die Zeitung und einen Kaffee holen", sagt Altan. Aber auch die örtliche Feuerwehr beliefere er mit Semmeln und über seine Weißwürste höre er nur Lob, so der 61- Jährige. Die Backwaren stammen aus der Dorfbäckerei, die Wurstwaren bezieht Altan von einem Fleischgroßhändler in Neubiberg. Pendler, Senioren, Schüler - viele Kunden bestellten die Wurstwaren schon per Telefon vor, erzählt Altan. Was an Getränken derzeit angesagt sei, erfrage er am besten bei den eigenen Kindern. Auch zwei Sorten Käse vom Laib bietet das Dallas an, außerdem gekühlte Getränke und kleine abgepackte Kartoffelsalate.

Klein aber fein - so könnte man das Geschäft in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof bezeichnen. Der Verkaufsraum ist mit seinen gut zehn Quadratmetern recht voll gestellt, aber als Logistiker bevorzugt Altan sowieso kurze und effiziente Arbeitswege. Von fünf Uhr morgens an steht er im Kiosk und bereitet das Frühstück vor - "13 Stunden Arbeitszeit plus die Vorbereitung". An drei Tagen in der Woche springt Annemarie Neumayer ein, samstags hilft die 21-jährige Tochter aus, die in München studiert und nach Hause pendelt. Auch wenn die Belastung in der früheren Arbeitsstelle in Bad Heilbrunn groß war, hat Altan als Kioskbetreiber ein höheres und intensiveres Arbeitspensum, findet er. "Reich wird man nicht", resümiert er, aber finanziell kämen sie ganz gut hin.

Richtig brenzlig wurde es für das Dallas nur vor rund einem Jahr, als die Autobahn und die Zufahrtsstraße gesperrt wurden. "Das hat uns beinahe zammgfressen", erinnert sich Altan. Drei Monate Vollsperrung in der Ferienzeit, da seien die Kunden ausgeblieben. "Aber der Kiosk hat so ne Kraft", glaubt er, "der ist nicht umzubringen."