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Schäftlarn/Icking:Glauben und Frauenrechte

Frauenbund Schäftlarn-Icking feiert 85-jähriges Bestehen

Am Abend des 12. Februar 1930 im Saal des Gasthauses zur Post - vor nunmehr 85 Jahren - schlossen sich 51 emanzipierte Damen im Katholischen Frauenbund Schäftlarn-Icking zusammen. Er war damit einer der ersten Zweigverbände des Deutschen Katholischen Frauenbundes in der Erzdiözese. Die beiden Gründer, Pater Johannes Schneider und Fräulein Ulrich, versammelten damals Frauen, um sich für die "religiöse Erneuerung des Volkes, Mütterschulungen, Staatsbürgerschulungen, edle Geselligkeit und caritative Bestimmungen im Ort" einzusetzen.

Seit 1923 gab es in Icking unter Kaplan Eckelseher zwar schon den Christlichen Mütterverein, doch dieser schloss sich dem größeren Frauenbund an. Seit diesem Zusammenschluss ist auch die ursprüngliche Fahne des Müttervereins die des Frauenbundes. Das Hauptziel besteht heute wie damals: die Frau mehr in den Vordergrund zu stellen und ihre Rechte durchzusetzen. Beruf und Familie müssen vereinbar gemacht werden. Mit dem Frauenbund war eine Gemeinschaft geschaffen, die zum einen den christlichen Glauben in die nächsten Generationen trug, in der sich die Frauen selbst über ihren Glauben austauschen konnten, aber auch eine Gemeinschaft, in der man über die Erziehung der Kinder sprach, über das Verhalten bei Krankheiten oder in der man die Möglichkeit hatte, Kontakte zu knüpfen. Wie die Vorsitzende Josefa Beck sagt, waren viele Frauen auf den weit verstreuten Bauernhöfen meist alleine. Sie hätten damals sehr viel geleistet, seien das "Fundament" gewesen. Sie waren auch Erzieherinnen, Krankenschwestern, Finanzmeisterinnen und trugen den Glauben und das Brauchtum weiter. Sie waren emanzipierte Frauen.

Bis heute hält sich der Frauenbund mit 93 Mitgliedern. Der Verein organisiert Besinnungstage über Glaubensthemen, Feste, Wallfahrten oder Nachmittage, bei denen die Mitglieder gemütlich zusammen sein können. Nur sei der Frauenbund inzwischen "überaltert", wie die Vorsitzende meint. Man bräuchte wieder mehr junge Leute, damit diese auch die Werte weitergeben könnten. Am Montag, 19. Oktober, wird das langjährige Bestehen mit einem Gottesdienst von 14.30 Uhr an in der Pfarrkirche St. Benedikt in Ebenhausen gefeiert. Danach gibt es im Pfarrsaal bei Kaffee und Kuchen ein Festprogramm, bei dem 20 Mitglieder für besondere Verdienst ausgezeichnet werden.

© SZ vom 19.10.2015 / irl

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