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Schäftlarn/Forstenried:Auf der Suche nach Erholung

Veronika Lohse, 23, Absolventin des Gymnasiums Icking und in Sachen Wald und Jagd familiär vorgebildet, macht gerade ihren Master in Forstwirtschaft.

(Foto: Robert Haas)

Veronika Lohse hat Besucher des Forstenrieder Parks befragt

Was der akademische Nachwuchs zum Ende seines Studiums an Erkenntnissen vorlegt, trifft nicht immer auf öffentliches Interesse. Gänzlich anders verhält es sich bei der Bachelor-Arbeit von Veronika Lohse. Die 23-Jährige aus Hohenschäftlarn, die Forstwissenschaft und Ressourcenmanagement studiert, hat eine selbst organisierte Besucherbefragung im Forstenrieder Park ins Zentrum ihrer Betrachtung gestellt. Sie interviewte 128 Spaziergänger und rastende Wanderer, teils mit überraschenden Ergebnissen. Lediglich zwei Personen verweigerten sich der Erhebung, was nebenbei für eine bemerkenswerte soziale Kompetenz der Studentin der Technischen Universität München spricht.

Angetan von ihrem Werk zeigt sich Wilhelm Seerieder, der Leiter des Forstbetriebs München. "Damit wir nicht betriebsblind werden, ist es für uns wichtig zu wissen, wie uns die Waldbesucher wahrnehmen", sagte Seerieder bei einer Vorstellung der Studie. Insofern sei die Arbeit Lohses als "qualifizierte Rückmeldung" zu werten, die er dankbar annehme.

Zehn Tage hat die junge Isartalerin zwischen Ende Mai und Ende Juni 2015 an vier Punkten im Forstenrieder Park (Elfergarten, Kreuzung beim Gelben Haus, Wildbeobachtungsstelle, Weg zum Warnberger Tor) verbracht, um Frauen und Männer aller Altersstufen nach ihrer Sichtweise auf Wald und Wild zu befragen. Eines der erstaunlichsten Resultate: Wegen der legendären Wildschweine und wegen des prächtigen Rotwilds kommen die wenigsten; die Leute suchen im Park vielmehr Ruhe und aktive Erholung. Je zur Hälfte aus unmittelbaren Anrainergemeinden und -stadtteilen wie Pullach oder Solln sowie ferneren Münchner Vierteln stammend, haben 91 Prozent der Besucher positive Erinnerungen an ihren letzten Parkausflug. Gar 99 Prozent gaben an, sich regelmäßig auf einen Abstecher in das wichtige Naherholungsgebiet zu freuen. 74 Prozent haben hier Lieblingsorte, 52 Prozent können von "besonderen Erlebnissen" erzählen.

Mehr als zwei Drittel der Befragten beurteilt die Wege im Forstenrieder Park als gut, nur 24 Prozent stören sich an den tiefen Fahrspuren, die Forstmaschinen hinterlassen. Einsicht zeigen die Leute sogar, wenn sie Zeugen von Baumfällungen werden. Wilhelm Seerieder liest aus diesen Zahlen vor allem eines heraus: "Wir Förster leisten offenbar gute Arbeit." Für den Betriebsleiter ist die belegte Wertschätzung beruhigend, denn er weiß um die "extrem geringe Toleranz" der Öffentlichkeit bei mangelnder Pflege von Waldwegen: "Da gibt es selbst nach schweren Stürmen nur eine Schonfrist von 14 Tagen."

In Schulnoten ausgedrückt, geben die meisten Besucher dem Forstenrieder Park eine Zwei und wären für Veränderungen aufgeschlossen. Die Hälfte von ihnen betont, dass sie sich München ohne Wälder überhaupt nicht vorstellen können. Im Zusammenhang mit dem Treiben im Forstenrieder Park, wo sich an sonnigen Wochenenden bis zu 20 000 Spaziergänger, Radler, Reiter und Jogger tummeln, ist dies zweifellos eine Kernaussage.

Bei ihrer Umfrage ist Veronika Lohse lediglich auf einen einzigen Hundehalter gestoßen. Sein Dackel war vorbildlicherweise angeleint. Was passiert, wenn sich Hunde mit Keilern anlegen, beschreibt Förster Seerieder so: "Sie werden erheblich verletzt, mindestens." Um die Gefahr unliebsamer Begegnungen mit dem Schwarzwild zu minimieren, warnt er eindringlich auch davor, die Tiere zu füttern. Nichts ziehe Wildschweine mehr an als raschelnde Plastiktüten.

Veronika Lohse, Absolventin des Gymnasiums Icking und in Sachen Wald und Jagd familiär vorgebildet, förderte bei ihrer Forschungsarbeit auch Kurioses zutage. So betrachten manche Besucher des Forstenrieder Parks gerodete Äsungsflächen, die eigentlich dem Rotwild vorbehalten sind, als willkommene Picknickplätze. Überhaupt hat die Offenheit der Befragten die Studentin erstaunt. Ob sie nach den Erfahrungen im Wildpark beruflich den Weg in einen Forstbetrieb wählen soll, weiß sie aber noch nicht: "Jetzt mach' ich erst mal meinen Master."