Die Fundamente und die Außenwandung ragen schon aus dem Boden: Auf der Baustelle hinter dem Evangelischen Pflegeheim in Ebenhausen wird seit Ende Oktober gehämmert und gebohrt, die Bauarbeiten für die Dienstwohnungen schreiten nach Zeitplan voran. Demnächst wird die Decke über den Garagen gegossen, und damit der Boden für die Vorgärten und Erdgeschosswohnungen geschaffen. Bis auf das Betonskelett und den Aufzug werde anschließend mit Holz weitergebaut, erklärt Einrichtungsleiter Wilfried Bogner, während er über die Baustelle führt. "Aus ökologischen Gründen."
32 Dienstwohnungen über vier Stockwerke verteilt stellt die Diakonie München und Oberbayern hinter dem herrschaftlichen Altbau des Pflegeheims in Ebenhausen derzeit auf. Von Ein-Personen-Appartements bis zu Dreizimmerwohnungen, alle mit Balkon, wird alles dabei sein. Bogner betont: Es handle sich um kein Wohnheim, sondern um fertige Wohnungen mit Küche und Bad. Und auch die Möbel wird das Pflegeheim, falls nötig, zur Verfügung stellen. Die Kosten für das Bauvorhaben belaufen sich großzügig geschätzt auf elf Millionen Euro. Fertiggestellt werden soll das Gebäude im Dezember kommenden Jahres. "Wenn wir pünktlich fertig werden, können wir den Weihnachtsbaum gleich mitaufstellen", sagt Bogner.

Bisher habe die Diakonie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wohnungen angemietet, und habe dabei auch Räumlichkeiten bis nach München aufgenommen. "Die derzeit teuerste angemietete Wohnung befindet sich in der Kurfürstenstraße in Schwabing", sagt Bogner. Außerdem existiert auf dem Gelände des Pflegeheimes bereits ein Wohngebäude mit 42 Wohnungen für Pflegerinnen und Pfleger. Aber all das reiche mittlerweile nicht mehr aus. In den vergangenen Jahren habe sich die Situation am Wohnungsmarkt noch einmal verschärft, fährt er fort: "Es gibt einfach keine Wohnungen im Umkreis. Und wenn, dann brauchen die ausländischen Pflegekräfte einen Führerschein oder ein Auto, und das haben viele nicht."
Bei dem dauerhaft knappen Wohnraum in der Region München steige der Bedarf an Unterkünften: Einerseits, weil das Pflegeheim Ebenhausen den Großteil seiner Pflegekräfte selbst im Haus von der Pike auf ausbildet. Von den derzeit 126 Pflegerinnen und Pflegern sind 21 Auszubildende - sieben in jedem Jahrgang also. "Viele der Azubis bleiben nach der Ausbildung im Pflegeheim, vergangenes Schuljahr waren das sogar acht von den neun", erzählt Bogner. Andererseits, weil die meisten Pflegekräfte mittlerweile aus dem Ausland kämen und deshalb noch keine Wohnung in Deutschland hätten: In Ebenhausen arbeiten etwa Menschen aus Nepal, Tadschikistan und aus den Balkanstaaten. "Ich habe heute nachgeschaut: Wir haben 30 Nationen im Haus." Viele der Pflegekräfte aus dem Ausland beginnen ihre Laufbahn Bogner zufolge mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), weil das den Zugang für ein Visum erleichtert. Nach dem FSJ folge die dreijährige Ausbildung, danach blieben viele in Deutschland. Durch den Zuzug aus dem Ausland steigt der Bedarf an Wohnungen auch bei den Azubis und Freiwilligen. Zwei von drei Bewerbungen, die ins Haus flatterten, kämen mit einer Wohnungsanfrage, sagt Bogner.
Um den Wohnungsbedarf des Personals im Haus zu decken, verschafft sich die Diakonie also selbst Abhilfe und baut nun Mitarbeiterwohnungen. In dem neuen Dienstwohnungsgebäude sollen aber nicht nur Pflegekräfte für das Ebenhauser Pflegeheim unterkommen sondern auch für das Evangelische Seniorenzentrum Sendling in München, wo der Wohnungsmarkt mindestens genauso überreizt ist. Mit der S-Bahn sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Stadt hinein pendeln, so der Plan. "Wir denken da im Verbund", sagt Bogner. Es würde sich auch anbieten, Pflegekräfte für das Evangelische Pflegezentrum Rupert Mayer in Kochel am See im neuen Wohngebäude unterzubringen. Weil Kochel aber hauptsächlich über die A 95 erreichbar sei, nicht aber mit dem öffentlichen Nahverkehr, auf den ausländische Pflegekräfte angewiesen seien, sei das ein Ding der Unmöglichkeit. Eine weitere Stellschraube neben den Wohnungen bleibt also die nach wie vor schlechte öffentliche Anbindung in der Region.

