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Schäftlarn:Ärger über die Bezahlgrenze

Die beiden S-Bahnhöfe in Ebenhausen und Hohenschäftlarn werden täglich von Hunderten Pendlern genutzt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

S-Bahnfahrer aus Ebenhausen, so will es die MVV-Tarifreform, sollen für eine Monatskarte nach München 30 Euro mehr bezahlen als die Nachbarn aus Hohenschäftlarn. Ihre Proteste haben kaum Erfolgsaussichten.

In der Gemeinde Schäftlarn regt sich Widerstand gegen das neue MVV-Tarifsystem, das bis Ende 2019 in Kraft treten soll. Die Tarifreform teilt die benachbarten Ortsteile und S-Bahnhöfe Ebenhausen und Hohenschäftlarn in zwei verschiedene Tarifzonen ein. Fahrgäste, die von Ebenhausen (Zone 2) in die Münchner Innenstadt fahren wollen, sollen künftig für eine entsprechende Monatskarte fast 30 Euro mehr bezahlen als ihre Nachbarn aus Hohenschäftlarn (Zone 1). Bürgermeister Matthias Ruhdorfer (CSU) hält das für problematisch. Er befürchtet, dass etliche Pendler in Zukunft nach Hohenschäftlarn fahren könnten, um dort preisgünstiger in die Bahn zu steigen. Die Parkplatzkapazitäten reichten dafür aber nicht aus. "Das gibt noch Ärger", sagt der Bürgermeister.

Die beiden Bahnhöfe von Ebenhausen und Hohenschäftlarn liegen Luftlinie 1,2 Kilometer voneinander entfernt. Die Fahrt zwischen beiden Haltestellen führt über 1,6 Kilometer Gleisstrecke und dauert etwa eineinhalb Minuten. Auf dem neu konzipierten Tarifnetz, das der Münchner Verkehrsverbund (MVV) mehr als drei Jahre lang mit den Landratsämtern ausgeklügelt hat, liegt Hohenschäftlarn soeben noch am Rande des ersten Tarifkreises um den Münchner Innenbereich. Ebenhausen zählt indes schon zum zweiten Kreis und wird damit zum Verlierer.

Die dort Zusteigenden müssten nach der Reform für eine Monatskarte in die Münchner Innenstadt 118,90 Euro statt bisher 116,50 Euro bezahlen. Die Hohenschäftlarner hingegen kämen deutlich besser weg. Statt 103,70 Euro müssten sie nur noch 89,90 Euro aufbringen. Eine Einzelfahrkarte nach München kostete sie fünf Euro, das macht 1,60 weniger als die Ebenhausener. Der Preis für die Wochenkarte liegt 9,30 Euro auseinander.

"Das ist eine Frechheit. Diesen extremen Preisunterschied finde ich unmöglich für so eine kurze Strecke", sagt der Ebenhausener CSU-Gemeinderat und Ortsvorsitzende Christian Fürst. Dem MVV wirft er vor, nicht Wort gehalten zu haben. In seinen Reformplänen heiße es schließlich, dass "für geschlossene, gewachsene Siedlungsstrukturen und Ortschaften künftig der gleiche Fahrpreis gelten" soll. "Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb die Gemeinde Schäftlarn hier teilweise in die Röhre schaut", sagt Fürst. Zumal die Gemeinde an dem Entscheidungsprozess keineswegs beteiligt worden sei. Bürgermeister Ruhdorfer sprach das Thema mehrmals beim Landrat des Landkreises München, Christoph Göbel (CSU), an. Er äußerte seine Bedenken, dass die bestehenden Parkplätze am ohnehin gut besuchten Hohenschäftlarner Bahnhof nicht ausreichen würden, wenn zusätzlich die Fahrgäste aus Ebenhausen mit ihren Autos dort parkten. Die Leidtragenden, vermutet Ruhdorfer, wären die Anwohner in den umliegenden Wohngebieten. "Und die Gemeinde müsste sehen, wo sie Zuschüsse bekommt, um neue Parkplätze zu bauen." Hoffnung auf eine nachträgliche Änderung zugunsten Ebenhausens braucht sich der Bürgermeister offenbar nicht zu machen, wie Landrat Christoph Göbel versichert: "Es gibt definitiv keine Veränderungen mehr." Göbel betont, dass die Gemeinde insgesamt deutlich besser wegkomme, da die Fahrten von Hohenschäftlarn günstiger würden. "Ich bin froh, dass es überhaupt eine Tarifreform gibt." Die Grenze müsse man eben irgendwo ziehen. Dass die Ortschaft mit dem günstigeren Tarif deutlich an Attraktivität gewinne, sei zwangsläufig so. Es gehe deshalb darum, den Öffentlichen Personennahverkehr zu den entsprechenden Bahnhöfen zu verbessern und attraktiver zu gestalten.

"Wir waren gezwungen, irgendwo die Grenzen zu ziehen", sagt Beate Brennauer, die Pressesprecherin des MVV. Der Verkehrsverbund verspricht sich von seiner Reform eine spürbare Vereinfachung seines komplizierten Tarifsystems. Der bisherige Außenraum soll sich in sechs konzentrische Tarifkreise um den Münchner Innenbereich, die sogenannte "Zone M" gliedern. Auf der Strecke der S7, die von München nach Wolfratshausen führt, zählt zuletzt die Station Höllriegelskreuth zur Zone M. Für etliche Bewohner des Münchner Umlandes bedeutet die Reform günstigere Fahrpreise, für manche - und dazu zählen die Ebenhausener - aber auch schlechtere Konditionen. Gemeinderat Christian Fürst sagt dementsprechend verärgert: "Der große Wurf ist das nicht."

© SZ vom 17.07.2018

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