Saisonal und regional:Sommerfrische und Zukunftssorgen

Lesezeit: 2 min

Tölzer Land Kräuterspitzbrot

Gleiches Rezept, verschiedene Umsetzung: Konrad Specker, Michael Detter, Josef Eberl junior, Adriane Schua und Josef Eberl senior mit ihren Broten.

(Foto: Viktoria Spinrad)

In Bichl stellen Bäcker aus dem Landkreis ihre Interpretationen des Kräuterspitz-Brotes vor

Von Viktoria Spinrad, Bichl

Für Konrad Specker war es mal wieder eine kurze Nacht. Um sich und das Bäckerhandwerk zu erhalten, ist der Bad Heilbrunner um zwei Uhr aus den Federn gefallen und hat den Ofen angeschmissen. Allzu tiefe Augenringe lassen sich am Mittwoch wundersamerweise trotzdem nicht erkennen, als er das Produkt seiner morgendlichen Umtriebigkeit in die Kamera hält. Vielleicht liegt es ja daran, dass er seine Interpretation des saisonalen Vorzeigebrots schon am Vortag vorbereitet hat. Viel Weizen, wenig Hefe, Schnittlauch, Rucola, Petersilie - und fertig ist die Rustikal-Version des sommerlichen "Kräuterspitz".

Doch ein Kräuterspitz kommt selten allein. Das von der Solidargemeinschaft "Unser Land" zertifizierte Bio-Sommerbrot, das am Mittwoch in Bichl vorgestellt wurde, gibt es nun nicht nur in fünf Bäckereien im Landkreis, sondern vielerorts in Bayern. Dabei gilt gleichzeitig: Jedes Kräuterspitz hat seinen eigenen, analogen Fingerabdruck.

Da ist zum Beispiel das weniger rustikale Exemplar aus Bad Tölz. Gesunde Bräune dank vergleichsweise viel Roggen, luftig-leicht, herb und schlicht, so hat Michael Detter sein Kräuterspitzbrot erschaffen. Verspielt kommt dagegen die Kreation des Bichler Vater-Sohn-Duos daher: Josef Eberl Senior und Josef Eberl Junior haben ihr Kräuterspitz-Brot mit einer optisch ansprechenden Blumenmischung versehen und somit eine bunte, würzige Version geschaffen. Eines haben die drei Brotkreationen gemeinsam: Sie alle sind frisch und leicht, es ist ja schließlich Sommer, auch wenn das manchem in der heißen Backstube gar nicht mehr gesondert auffallen dürfte.

Bei allem hat die Aktion natürlich auch einen ernsten Hintergrund. Die Discounter machen den Handwerksbäckern mit ihren Billig-Semmeln zunehmend Konkurrenz - und die gelernten Bäcker wollen mit Kreativität dagegenhalten. So ist die Aktion am Dienstag auch ein liebevoller Fingerzeig in Richtung der Verbraucher. Die Botschaft: Ihr habt die Macht, über die Zukunft des Ortsbäckers zu entscheiden - und das auch im Landkreis längst angelaufene Bäckersterben aufzuhalten.

So leicht das Kräuterspitz daherkommt, so schwer tun sich auch die Bäckereien im Landkreis mit dem Nachwuchs. Wer will schon noch um zwei Uhr morgens aus den Federn rollen, wenn man auch um acht im Penzberger Pharma-Labor stehen und gut verdienen kann? "Da kannst als kleiner Handwerksbetrieb nicht mithalten", sagt Specker.

Und so hoffen die Bäcker, dass sie zumindest von der Klima- und Nachhaltigkeitswelle profitieren können. Dass die Kunden entscheiden, die Region zu stärken statt das Preisdumping zu befeuern. Wer dafür um zwei Uhr morgens aufsteht, um seine Bäckerei für den Tag flottzumachen, kann laut Specker wieder an anderer Stelle profitieren: "Die Selbstständigkeit ist eine gute Ausgangslage für ein Ehrenamt." Gemeinderat, Kreisrat, Bezirkstag - der Freie Wähler Specker kann davon ein Liedchen singen. Zumindest bis zur nächsten kurzen Nacht.

Das Kräuterspitz-Brot gibt es ab sofort in Geretsried (Schmid-Bäck'), Bad Tölz (Bäckerei Detter), Bichl (Bäckerei Eberl), Benediktbeuren (Bäckerei Lugauer) und Bad Heilbrunn (Zum Speckerbäck)

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