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Leben in Wolfratshausen:Die Helferin aus der Nachbarstadt

Sabine Gus-Mayer Seniorenberaterin Geretsried Rotes Kreuz Wolfratshausen

Gelernte Biochemikerin, erfahrene Seniorenberaterin: Sabine Gus-Mayer.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Geretsrieder Seniorenreferentin Sabine Gus-Mayer bietet Sprechstunden für ältere Menschen nun auch beim Roten Kreuz in Wolfratshausen an

Von Felicitas Amler, Wolfratshausen

Die einen brauchen Hilfe im Schriftverkehr mit einer Versicherung, andere wollen ihre Wohnung behindertengerecht umgestalten, und manche möchten einfach nur jemanden, der ihnen zuhört: Bei Sabine Gus-Mayer finden Seniorinnen und Senioren in all diesen Fällen Gehör und oft auch Hilfe. Die Geretsrieder CSU-Stadträtin und Seniorenreferentin bietet für diese Altersgruppe seit sieben Jahren ehrenamtlich monatliche Sprechstunden an, im Geretsrieder Rathaus und im Quartierstreff in Geretsried-Stein. Jetzt erweitert sie ihr Einsatzgebiet in die Nachbarstadt. Beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) in Wolfratshausen steht Gus-Mayer älteren Menschen jeden dritten Montag eines Monats als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Helmut Kulla, der beim BRK den Bereich Soziale Dienste leitet, sagt, er sei sofort von Gus-Mayers Angebot angetan gewesen, auch in Wolfratshausen als Seniorenberaterin tätig zu werden. Beim Roten Kreuz in der Barbezieuxstraße sei sie zudem gut angebunden, da dort die Dienste für ältere Menschen unter einem Dach vereint sind: Essen auf Rädern, Hausnotruf und die Fachstelle für pflegende Angehörige. Mit deren Leiterin Melanie Stamp hat sich die Geretsrieder Seniorenreferentin schon bisher immer dann ausgetauscht, wenn sie sich selbst in einer konkreten Angelegenheit nicht mehr kompetent genug fühlte. Das können, abgesehen von Rechts- und Rentenberatung, die strikt ausgeschlossen sind, auch Themen der Pflegeeinstufung sein. Sie mache zwar viele Ratsuchende darauf aufmerksam, dass sie einen Antrag auf einen Pflegegrad stellen können, sagt Gus-Mayer, und gebe ihnen auch grundlegende Hinweise zum Ausfüllen. Aber sobald es etwa um einen Widerspruch gehe, verweise sie an Fachleute beim Sozialverband VdK oder eben an Stamp.

Gus-Mayer ist Biochemikerin und hat 21 Jahre lang in der Forschung gearbeitet. Seit 15 Jahren unterstützt sie ihren Ehemann Reinhold Mayer in seiner Unternehmensberatung Isura Consulting. Ihre Aufgabe als Seniorenberaterin habe sie "selbst definiert", sagt die 58-Jährige. Ihr Wissen habe sie sich in 13 Jahren als Seniorenreferentin angeeignet; Kontakte sind nicht zuletzt durch die Seniorenausflüge zustande gekommen, die sie seit neun Jahren organisiert. Ihre Klientel sei überwiegend "75 plus". Sie helfe, wo sie könne und "wo ich's auch verantworten kann". Dies könnten Briefwechsel mit Behörden sein, das Ausfüllen von Formularen etwa für Schwerbehindertenausweise oder Wohngeld; außerdem vermittle sie Kontakte etwa zu Wohnraumberatern oder dem Essen auf Rädern. Und oft genug suchten ältere Menschen auch nur eine Gesprächspartnerin, die nicht zur eigenen Familie gehöre. "Viele haben das Bedürfnis, sich einfach mal etwas von der Seele zu reden." Es sei ihr schon passiert, dass eine Frau nach langem Erzählen über ihr Leben sehr dankbar gegangen sei - ohne dass sie, Gus-Mayer, überhaupt etwas gesagt oder getan habe.

In der Regel kämen in die Sprechstunden eine bis fünf Personen, viele über achtzig, manche zusammen mit Angehörigen. Sie habe auch schon Ratsuchende aus Königsdorf, Münsing oder Wolfratshausen begrüßt. Seit Beginn der Corona-Pandemie habe sie außerdem in einigen Fällen Hilfspersonen vermittelt. Hier verweist Gus-Mayer auch auf die Internetplattform nebenan.de

BRK-Seniorenberatung mit Sabine Gus-Mayer, jeden dritten Montag eines Monats, 14 bis 16 Uhr, Barbezieuxstraße 1, Wolfratshausen

© SZ vom 09.03.2021
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Mängel in der Pflegeeinstufung

Die ehrenamtliche Seniorenberaterin Sabine Gus-Mayer und die hauptberufliche Pflege-Fachberaterin Melanie Stamp sind sich absolut einig: Mit der Corona-Pandemie ist die Einstufung pflegebedürftiger Menschen dramatisch schlechter geworden. Der dafür zuständige Medizinische Dienst der Krankenkasse (MDK) begutachte die Menschen mit Rücksicht auf die Corona-Gefahr nicht mehr bei Hausbesuchen, sondern lediglich am Telefon - und dies mit deutlich schlechteren Ergebnissen für die Betroffenen, so sagen beide Frauen.

Der MDK entscheidet nach einem Antrag auf Pflegeleistung, in welchem Umfang die Pflegekasse diese gewährt. Vielfach seien seit vergangenem Jahr Pflegebedürftige abgelehnt oder zu niedrig eingestuft worden, was sich dann in einem Widerspruchsverfahren herausgestellt habe; oft seien Leistungsempfänger auch zu Unrecht heruntergestuft worden.

Stamp und Gus-Mayer erklären, dass sie ohnehin nur jene Fälle mitbekämen, in denen sich Pflegebedürftige oder deren Angehörig Hilfe suchten. Oft resignierten Betroffene aber nach einem ablehnenden Bescheid. Helmut Kulla, stellvertretender Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes, betont, hier handle es sich "um die Schwächsten" in der Gesellschaft, für die ein Widerspruchsverfahren "ein Riesenakt" sei. Und Gus-Mayer findet, das derzeit übliche Ablehnungsverfahren "degradiert die Leute zu Bittstellern, sie werden auf eine Stufe mit Bettlern gestellt, denen man betrügerische Absichten unterstellt". Und dies betreffe gerade jene Generation, der es eher peinlich sei, um Hilfe zu bitten. Die Seniorenberaterin ist hörbar empört über den Umgang des MDK mit den Pflegebedürftigen: "Da kommen einem wirklich Zweifel am System." fam

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