Nicht wenige Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen mögen an die Verlängerung der S7 von Wolfratshausen nach Geretsried nicht mehr glauben. Seit vielen Jahren zieht sich das Verfahren um den Ausbau der S-Bahn-Strecke hin. Der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) rügte Anfang des Jahres den Freistaat, dass er sich freiwillig finanziell an Bahnprojekten beteilige, die ausschließlich Aufgabe des Bundes und der Deutschen Bahn seien. Da stellt sich wieder die Frage der Finanzierung. Das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen hakte in München nach. „Ohne eine gesicherte und auskömmliche Finanzierung durch den Bund wird die S7-Verlängerung nicht realisiert werden können“, lautete die Antwort des bayerischen Verkehrsministeriums.
In Geretsried, der mit knapp 26 000 Einwohnerinnen und Einwohnern größten Stadt im Landkreis, wartet man seit einem halben Jahrhundert vergeblich auf den Ausbau der S-Bahn-Linie. Und je länger die Umsetzung des Vorhabens dauert, desto höher werden die Kosten. Sie waren 2009 auf circa 168 Millionen Euro geschätzt worden, nun liegt das Projekt bereits bei geschätzten 433 Millionen Euro (Stand 2024). Somit ist der Anteil, den Landkreis und die beiden Städte übernehmen, von etwa 17 Millionen auf circa 31 Millionen gestiegen. Da aber nicht klar ist, wann die S-Bahn ausgebaut wird – zumindest wollte die Deutsche Bahn bislang dazu keine konkrete Aussage treffen –, kann über die Kosten nur spekuliert werden.
31 Millionen Euro verschlingt allein die zweigleisige Tieferlegung der S-Bahn-Trasse unter der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen. Diese Kosten übernehmen weder Bund noch Land oder Deutsche Bahn. Der Landkreis trägt 70 Prozent. Das sind nach aktueller Schätzung knapp 22 Millionen Euro (vorher 11,9 Millionen Euro). Die beiden Städte investieren statt je 2,55 Millionen dann 4,65 Millionen Euro.
Der Freistaat Bayern hat seine finanzielle Unterstützung für die Verlängerung zugesagt. Allerdings heißt es in der Antwort des Ministeriums: „Die Äußerungen des ORH zur Finanzierung der Schieneninfrastruktur untermauern die Haltung des Freistaates. Verantwortlich für den Ausbau des Schienennetzes ist der Bund.“ Nun liegt also der Ball in Berlin.
Der Planfeststellungsbeschluss soll in diesem Jahr erfolgen
Was die Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund, Land und Bahn betreffe, so fänden „laufend Gespräche insbesondere zwischen Bund und Freistaat zur Finanzierung der Vorhaben statt“, erklärte das bayerische Verkehrsministerium. Die DB sei in die Gespräche eingebunden. Die Ergebnisse würden in die Finanzierungsvereinbarung einfließen.
Ferner wollte das Landratsamt wissen, wann diese Vereinbarung getroffen werde. „Da die konkreten Inhalte der Finanzierungsvereinbarung vom Planfeststellungsbeschluss abhängig sind, ist die Unterzeichnung nach Vorliegen des Baurechts vorgesehen“, schreibt das Verkehrsministerium. „Die Gespräche aller Projektbeteiligten zu den verschiedenen Finanzierungsvereinbarungen sind in vollem Gange. Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren durch das Eisenbahn-Bundesamt, mit einem Beschluss rechnen wir im Jahr 2026.“ Das Planfeststellungsverfahren ist ein gesetzlich vorgeschriebener Genehmigungsprozess für größere Infrastrukturprojekte wie Straßen oder auch Flugplätze.
Wunsch nach einem Projektsteuerer
Auch die Ausschussgemeinschaft von SPD und Linke im Tölzer Kreistag hat Fragen zur S7 und wie es mit dem Ausbau der 9,2 Kilometer langen Strecke weitergeht. Vor allem die Verspätungen der S-Bahn-Linie treiben die Kommunalpolitiker um. Um die Pünktlichkeit zu verbessern und die S7 unabhängiger von Störungen auf der Stammstrecke in München zu machen, wird die Linie inzwischen am Hauptbahnhof geteilt.
Nach der Einführung habe sich die Pünktlichkeitsquote signifikant verbessert, berichtete Matthias Schmid, ÖPNV-Experte im Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen. Der Pünktlichkeitswert habe bis einschließlich Juli 2025 stets über dem Durchschnittswert im gesamten Münchner S-Bahn-Netz gelegen. Dass sich die Beschwerden über die Unzuverlässigkeit der S7 wieder häuften, gehe auf „zusätzliche infrastrukturelle Beeinträchtigungen bei der bundeseigenen Infrastrukturbetreiberin DB InfraGO AG zurück“. Gleiserneuerungsarbeiten zwischen Donnersbergerbrücke und Siemenswerken verursachten auf der Linie S7 im August 2025 überdurchschnittlich viele Verspätungen und Zugausfälle. „Zu der schon länger bestehenden Langsamfahrstelle bei Icking infolge eines Hangrutsches kam Mitte August eine weitere Langsamfahrstelle bei Höllriegelskreuth hinzu.“

Was die Mitverantwortung des Landkreises betrifft, insistierte die Ausschussgemeinschaft ebenfalls. „Die bloße Mitfinanzierung des Landkreises aufgrund der geforderten Untertunnelung der S-Bahn in Wolfratshausen löst an sich keinerlei Mitverantwortung aus“, erwiderte Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler).
„Bedauerlicherweise wurde unserer Bitte nach einem Projektsteuerer seitens des Freistaats Bayern noch nicht nachgekommen“, so Niedermaier. Eine Stelle zu installieren, die den Gesamtüberblick über alle Facetten der Maßnahme behält – es geht unter anderem auch um die Verlegung der Bundesstraße 11 bei Geretsried im Zuge des Projekts – wäre seiner Ansicht nach von großem Vorteil. Doch die Kosten für einen Projektsteuerer will der Freistaat nicht übernehmen.

