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S-Bahn:Besser als ihr Ruf

Kritiker ärgern sich über die anfällige S 7 und fordern eine Entkoppelung. Die Bahn dagegen spricht von großer Pünktlichkeit.

Warum soll es den Pendlern auf dem West-Ast besser gehen als den leidgeplagten Passagieren auf dem Ost-Ast? Oder umgekehrt. Die S 7 ist - sowohl Richtung Wolfratshausen als auch bis zum Endhaltepunkt Kreuzstraße - allzu oft ein Ärgernis. Zugausfälle, Verspätungen, Betriebsstörungen: Wer aus der Landeshauptstadt ins Isartal oder in den Münchner Osten unterwegs ist, erlebt immer wieder Situationen, die Zeit und Nerven kosten.

In früheren Jahren waren die Probleme auf dem West-Ast der S 7 leicht erklärt. Die Hanglage an der Isar und die komplizierte Streckenführung machten die Trasse zur Herausforderung für Statiker, Techniker, Planer. Das ist sie auch heute noch, wenngleich die Strecke mittlerweile bestens abgesichert ist.

Allerdings ist sie - von München bis ins Isartal - größtenteils eingleisig; wie übrigen auch auf dem gesamten Ost-Ast. Dadurch haben Verspätungen immer auch für den Gegenverkehr Folgen. Ein zweiter Faktor ist freilich die enorme Belastung der Stammstrecke in der Landeshauptstadt, die sich auf alle Linien auswirkt - 30 Züge rauschen in der Stunde unter der Stadtmitte hindurch, was einer Taktfrequenz von zwei Minuten entspricht. Die Deutsche Bahn verspricht sich freilich vor allem von der zweiten Stammstrecke die große infrastrukturelle Entlastung für alle Linien. 2026 soll es mit der Eröffnung der Röhre so weit sein.

Aus Sicht von Lokalpolitikern, Fahrgastvertretern und Pendlern gäbe es aber jetzt schon eine Möglichkeit, gerade auf der Trasse der S 7 schnell und einfach Verbesserungen einzuleiten - und zwar mit einer Rolle rückwärts: Denn viele Beobachter sehen in der Länge der Trasse von Wolfratshausen durch die Landeshauptstadt bis Kreuzstraße ein Problem, die sei mitverantwortlich für Störungen, Verspätungen und Ausfälle. Immer wieder ist daher der Begriff "Entkoppelung" zu hören - wie es früher einmal der Fall war. Bis vor ein paar Jahren bestand die S 7 gewissermaßen aus zwei Linien; die West-S-Bahn fuhr von Wolfratshausen bis zum Ostbahnhof, der östliche Zweig von der Kreuzstraße bis zur Donnersberger Brücke.

Die SZ kommt

Wird in Ihrer Straße zu schnell gefahren? Wie ist es um die Nahversorgung am Ort bestellt? Reicht das Freizeitangebot? Um zu erfahren, was Sie, liebe Leserinnen und Leser, interessiert, kommt Ihnen die SZ buchstäblich entgegen: Am Mittwoch, 21. Februar, macht das SZ-Lesercafé in Pullach Station. "Was das Isartal bewegt" heißt es dann im Café Dolce am Kirchplatz 5 in Pullach. Von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr nehmen SZ-Redakteure Ihre Anliegen, Wünsche und Anregungen auf. Als Gesprächspartner für Sie sind zudem zwischen 10 und 12 Uhr die Bürgermeister Wolfgang Jirschik (Baierbrunn) und Matthias Ruhdorfer (Schäftlarn) unsere Gäste und zwischen 14 und 16 Uhr die Bürgermeister Jan Neusiedl (Grünwald), Hans Sienerth (Straßlach-Dingharting) und Susanna Tausendfreund (Pullach). Kommen Sie vorbei! Sie sind herzlich auf eine Tasse Kaffee oder Cappuccino eingeladen. SZ

Die Deutsche Bahn ist überzeugt davon, dass die S 7 lange nicht so schlecht ist wie ihr Ruf, wie auch die Zahlen zeigten. Für 2017, so die Statistik der Bahn, hätten "Zielvorgabe und Ist-Wert voraussichtlich bei 94,6 Prozent Pünktlichkeit" gelegen. Verspätungen von bis zu fünf Minuten werden dabei allerdings nicht mit eingerechnet. Dennoch sei die S 7 "nicht die unpünktlichste", heißt es bei der Bahn. Wer dieses risikobehaftete Spiel nicht mitspielen muss, lebt wahrscheinlich in Grünwald. Von dort aus fährt eine Bahn alle zehn Minuten nach München. Meistens pünktlich. Die 25er Tram.