Rückblick Alpamare Bad Tölz Zwischen gestern und morgen

Die Surfanlage zählte zu den beliebtesten Attraktionen des Alpamare. Seit Anfang September hat das Spaßbad nun geschlossen.

(Foto: Neubauer)

In Bad Tölz schließt am 31. August 2015 das Alpamare - ein Datum, das in die Geschichte der Stadt eingehen wird. Rettung bringen soll eine neue Ausrichtung auf einen Gast, der Erholung sucht und etwas für seine Gesundheit tut, auch wenn die Krankenkasse nichts zahlt.

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Am letzten Tag waren 2000 Leute da. Sie brachten Champagner mit, Schokolade, manche auch alte Fotografien. Der Traumsommer brachte noch immer Sonne, aber über den Becken und den Liegewiesen hing Wehmut in der warmen Luft. Einer erinnerte sich, wie er einst beim Baden seine Frau kennen gelernt hatte, andere daran, dass sie sich hier stets an bestimmten Wochentagen getroffen hatten, ohne sich vorher verabreden zu müssen. Der 31. August 2015, als das bundesweit bekannte Spaßbad "Alpamare" für immer seine Pforten schloss, wird als festes Datum in die Tölzer Annalen eingehen.

Der Stadt wird das Alpamare erst einmal fehlen. Sein Name war eine Werbemarke wie sonst allenfalls der Tölzer Knabenchor, der Eishockeyverein oder die TV-Serie "Der Bulle von Tölz". Eine halbe Million Gäste lockte das 1970 eröffnete Erlebnisbad mit seinen Rutschen, Wellenbecken, Indoor-Surfen, Jod- und Mineralwasserbecken in seinen besten Zeiten an. Aber die waren schon seit Anfang des Jahrtausends vorbei. Seither zeichnete sich immer deutlicher ab, dass das Alpamare mit moderneren, größeren, attraktiveren Konkurrenten wie der Therme Erding nicht mithalten konnte.

Die Besucherzahl des Alpamare schnurrte auf zuletzt etwa 164 000 Gäste herunter. Aus und vorbei. Wer am Alpamare vorbeigeht, sieht nur noch die unbenutzten Rutschen, die sich wie urzeitliche Schlangen um sich selbst winden. Wer durch die geschlossenen Glastüren in die Liegehalle schaut, sieht noch ein paar verlassene Pflanzkübel herumstehen.

Das Alpamare ist ein Sinnbild für den Wandel, in dem sich Bad Tölz befindet. Die Stadt schwebt zwischen dem Gestern und dem Morgen: Was früher einmal war, ist endgültig Geschichte; was kommen soll, bleibt vorerst Zukunftsmusik. Die alte Sozialkur und das Spaßbad, das einst Gäste in die Stadt brachte, ohne dass sich Touristiker und Gastgeber großartig anstrengen mussten, sind passé. Ob die Neue Tölzer Hotelkultur mit dem Gesundheitskonzept, dem geplanten Spa "Natura Tölz" und dem heuer fast fertig gestellten Vitalzentrum im Kurviertel greifen, muss sich erst noch herausstellen. Immerhin hat die Kurstadt eine Vision davon, wie es weitergehen soll - das können nicht alle Städte im Landkreis von sich behaupten.

2015 stellte sich zumindest eines heraus: Die Ausrichtung auf den Gast, der Erholung sucht und zugleich etwas für seine Gesundheit tut, auch wenn ihm die Krankenkasse nichts dazu zahlt, könnte Erfolg haben. Das Herzstück bilden das neue Wellnessbad an der Bockschützstraße und die zwei geplanten Hotels der Vier- und Drei-Sterne-Kategorie an der Arzbacher Straße. In drei Sitzungen des Stadtrats präsentieren die österreichischen Projektentwickler von der Firma Redserve ihre Studien, ob sich Bad Tölz für so ein Spa überhaupt eignet, ob genügend Besucher zu erwarten sind, ob sich das Ganze am Ende rechnet. All diese Fragen beantworten sie mit einem klaren Ja. Mit einer Einschränkung: Die Stadt, die das Bad mit seinen fünf Themensaunen nach den chinesischen Elementen Feuer, Wasser, Erde, Holz und Metall baut, wird in den ersten Jahren Geld zuschießen müssen.

Dem Stadtrat bleibt in der Sondersitzung im November dennoch kaum etwas anderes übrig, als sein Plazet für beide Projekte zu geben. Daran ändern auch die vorsichtigeren Prognosen der Bäder-Expertin Sylvia Glückert nichts, die um eine zweite Meinung gebeten worden war: Sie rechnet mit nur 106 000 statt 122 00 Besuchern im Jahr, sie zieht auch das Einzugsgebiet für das Wellnessbad enger. Daran ändern auch die Zweifel der Bürgern beim Dialog-Forum im Kurhaus nichts: Das Spa werde niemals so viele Gäste anlocken. Aber ohne Bad keine Hotels, das stellte der Investor von der Firma Arcus klar. Und ohne beides sieht die touristische Zukunft für Bad Tölz düster aus. Das beweisen auch die Zahlen, die Kurdirektorin Brita Hohenreiter vorlegt. Das Jahr 2015 brachte einen herrlichen Sommer wie lange nicht und demzufolge auch mehr Besucher in die Kurstadt. Dennoch gingen die Übernachtungen leicht zurück. Anders ausgedrückt: Die Leute quartieren sich immer seltener in Tölz ein, sie bummeln durch die Marktstraße, fotografieren Stadtmuseum und Winzerer-Denkmal, dann fahren sie weiter. Diesem Trend zum Kurzaufenthalt muss die Stadt etwas entgegensetzen, wenn sie auf der Tourismus-Landkarte nicht ganz verblassen möchte. Ihr Ziel: Der Gesundheitsgast soll wieder ein oder zwei Wochen bleiben.

Und was geschieht mit dem Alpamare? Manche in Tölz hätten es gerne behalten, notfalls mit einem städtischen Spa darin. Dieser Einbau scheiterte schon 2014 an völlig unterschiedlichen Positionen der Stadt und der Jod AG, was den Wert des Grundstücks angeht, das die Kommune hätte kaufen müssen. Im Rathaus setzte man danach nicht mehr auf ein Spa im Spaßbad. Familien sollen ins Hallenbad auf der Flinthöhe gehen, das 2015 ausgebaut wurde und nun den Namen "Hoamat" trägt. Der Ruhe suchende Gast ins "Natura Tölz", das 2018 eröffnet werden soll. Als Indiz dafür, dass die Zielrichtung passt, werten die Stadtoberen den Bäderbus. Der kurvt seit September einmal pro Woche nach Bad Wörishofen, einmal nach Erding. Die meisten Fahrgäste buchen überraschenderweise nicht die Therme, quasi den Alpamare-Ersatz. Sie fahren lieber zum Wellnessbad ins Allgäu.